VIP VIP, Hurra!Debbie Harry: Zeitlos cool mit 81
Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
Eine Ikone feiert ihren 81. Geburtstag und wirkt dabei cooler als viele, die verzweifelt ihrer Jugend hinterherlaufen. Und Maite Kelly wehrt sich gegen entwürdigende Fotos. Was diese beiden Frauen mit Würde und dem Älterwerden zu tun haben, lesen Sie hier.
"Ich bedaure vieles, aber ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Ich versuche, nicht zweimal den gleichen Fehler zu machen. Ich versuche, andere Fehler zu machen", sagte Debbie Harry einst.
Geht es Ihnen dieser Tage auch so? Man wacht morgens oder wie ich als Nachtigall mittags auf, schaut aus dem Fenster und hat das Gefühl, schon vor dem Aufstehen platt zu sein. Erst brennt einem bei 37 Grad die Wohnung unterm Dach weg, zwei Tage später sucht man den Pulli, weil plötzlich wieder Herbst ist, und naja, da wabert ja auch immer schon die Frage mit, ob man doch einfach nur älter und wetterfühliger wird. Ha, den ständigen Wetterumschwung kann ich mittlerweile tatsächlich in den Knochen spüren.
Mit mir ist in diesen Tagen nicht besonders viel anzufangen. Ich hänge buchstäblich in den Seilen und bleibe dabei meistens an Geschichten hängen, die mich ein bisschen aus dem eigenen Trott reißen. Haben Sie das gelesen? Neulich war da dieser Mann aus Berlin-Spandau, der 20 Jahre lang ein paar Kisten in seinem Keller stehen hatte und beim Aufräumen plötzlich feststellte, dass darin archäologische Funde lagen, jahrtausendealt, wissenschaftlich wertvoll, eine absolute Sensation. Stellen Sie sich das einmal vor. 20 Jahre lang geht man wahrscheinlich Hunderte Male an diesen Kisten vorbei, wollte sie vielleicht sogar schon längst aussortiert haben, und am Ende stellt sich heraus, dass sie älter sind als die Pyramiden.
Ich frage mich bei diesen Geschichten immer, was wohl in deutschen Kellern und auf Dachböden alles so schlummert. Wir reden ständig darüber, dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, aber gleichzeitig gibt es diese Orte, an denen wir jahrzehntelang Dinge aufheben. Alte Koffer, Briefe, Fotoalben. Kartons mit der Aufschrift "Kann eigentlich weg". In meinem Keller sind, das weiß ich sicher, ein paar Kafka-Bücher und eine alte Schreibmaschine. Wenn ich es endlich mal auf die Kette kriegen würde, dort klar Schiff zu machen, wäre ich vielleicht sogar schon steinreich, weil in diesem vergessenen Gedächtnis des Lebens ja vielleicht ein wertvoller Schatz schlummert.
Die Blaue Mauritius war nicht dabei
Ich muss dabei sofort an Berlin-Mahlow denken. Vor vielen Jahren bin ich dort einmal in ein altes, verlassenes Haus eingestiegen. Ja, bitte nicht nachmachen, würde ich heute wahrscheinlich auch nicht mehr, aber damals war die Neugier eben größer. Das Haus lag verwunschen hinter einem zugewucherten Vorgarten, ich gelangte über einen Kellereinstieg hinein, und drinnen war es, als habe jemand die Zeit angehalten. Ich fand Zeitungen aus den 50er-Jahren, in der Küche stand neben einem uralten Herd sogar noch ein Milchkännchen, und in einer Ecke lag ein altes Portemonnaie. Darin steckten Briefmarken, fein säuberlich aufbewahrt, manche schon sehr alt. Ich habe keine Ahnung von Briefmarken, nur so viel: Die Blaue Mauritius war nicht dabei, aber in diesem kurzen Zauber des Moments konnte für ein paar Minuten alles möglich sein.
Es sind ja oft die kleinen Entdeckungen, die einen für einen Augenblick aus der Gegenwart katapultieren. Plötzlich stellt man sich die Leute vor, die längst nicht mehr leben. Wer hatte dieses Portemonnaie in der Hand? Wem gehörten diese Briefmarken? Warum blieben sie dort zurück? Fragen über Fragen.
Und während wir damals durch dieses alte Haus tigerten, das weiß ich noch wie gestern, spielte irgendwo im Hintergrund Radio. Erst lief "Black Velvet" von Alannah Myles, später dann "Maria" von Blondie. Verrückt, was das Gehirn speichert, wenn man bedenkt, dass ich Ihnen kaum mehr sagen könnte, was ich vorgestern zu Abend gegessen habe. Aber gerade die Musik von Debbie Harry ist, wie sie selbst, absolut zeitlos. Was mit Sicherheit wohl auch daran liegt, dass sie nie auf Teufel komm raus versucht hat, jemand anderes zu sein. Und dabei immer cool und lässig blieb. Mit einer Ausstrahlung, die bis heute größer ist als jede Botox-Spritze.
Und das, obschon die Ikone in dieser Woche 81 Jahre alt geworden ist. 81! Was für eine Frau! Damals wie heute. Eine absolute Legende, die nie versucht hat, die Zeit auszutricksen. Irgendwie dachte ich in dieser Woche deshalb auch daran, wie unterschiedlich Menschen mit dem Älterwerden umgehen und wie gnadenlos gerade prominente Frauen dabei oft beobachtet werden.
Unvorteilhafte Fotos gehen schnell viral
In Würde altern. Das entscheidet natürlich jeder, nicht nur Frauen, höchst individuell. Was für den einen würdevoll ist, ist für den anderen peinlich und von schlechtem Geschmack. Aber es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass vor allem die Medien sich mit dem Alter von Frauen gerne ein Späßchen machen, wenn sie etwa schreiben: "So sieht XY schon lange nicht mehr aus." Da denkt man sich auch: Ja, Mensch, seid ihr bekloppt? Es ist doch logisch, dass diese oder jene Sängerin mit 70 nicht mehr aussieht wie mit 20!
Was ist da nur dazwischengekommen? Ja, ähm, das Leben vielleicht? Deswegen ist mir in dieser Woche neben der ewig coolen Blondie auch eine zweite Blondine aufgefallen. Achtung, vollkommen andere musikalische Richtung - Schlager!
Mitten im Konzert unterbricht die Sängerin Maite Kelly plötzlich die Musik, weil ein Fotograf sie mit einem Teleobjektiv aus nächster Nähe aufnimmt. Und sie wendet sich mit ganz deutlichen Worten an ihr Publikum und spricht offen und ehrlich über Würde und darüber, dass sie verschwitzt und eben "ein Dickerchen" mit Pickeln sei und nicht möchte, dass genau diese Momente nach dem Konzert durchs Internet gejagt werden, damit sich wildfremde Menschen darüber lustig machen können.
Klar leben Promis von Öffentlichkeit. Aber zwischen einem Konzertbild und der gezielten Suche nach dem möglichst unvorteilhaften Moment liegt eben ein himmelweiter Unterschied. Es geht ja leider auch nicht nur darum, Leute zu zeigen, sondern sie gnadenlos vorzuführen. Unvorteilhafte Fotos gehen schnell viral, vor allem, wenn man mit einer Überschrift Dramatisches suggeriert, gerne mit Begriffen wie "aufgedunsen", "nicht wiederzuerkennen" oder der Frage: "Was ist mit XY passiert?"
Wie kriege ich jetzt von Maite und Debbie den großen Bogen gespannt? Jawoll, lieber Leser, ich merke, dass ich älter werde. Und dass ich gleich mal in meinen Keller steigen werde, wie so ein alter Grufti, um nach Schätzen zu suchen. Ich trage heute einen sehr unvorteilhaften Schlabberlook und bin froh, nicht berühmt zu sein. Und während ich die Kisten durchstöbere, höre ich die Musik einer der größten Ikonen unseres Planeten und nehme mir fest vor, mindestens bis zu meinem 81. Lebensjahr durchzurocken. Es sei denn, es sind 37 Grad.