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Vip Vip, Hurra! Denise Merten und der Corona-Staubsauger

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Wirbt auch für "Kaugummi gegen Corona": Reality-TV-Teilnehmerin Denise Merten.

Twitter surft wegen "Layla" auf der Empörungswelle und Deutschland ächzt unter der Hitze. Doch endlich: Hoffnung im Kampf gegen Covid-19! Laut Denise Merten müssen wir die Coronaviren einfach nur wegsaugen und Kaugummi kauen. Wow, danke, Denise!

Brütende Hitze - fast überall in Deutschland. Um Körper und Gemüt schnell runterzukühlen, wäre man in dieser Woche gut beraten, weniger im Internet zu surfen. Vor allem Twitter fungiert dieser Tage wie ein Vorbote auf das, was die Menschheit mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet, wenn sie so weitermacht: die Apokalypse. Während Europa unter der Hitze und immensen Waldbränden ächzt, wirkt der Kurznachrichtenkanal wie ein Brandbeschleuniger - und damit willkommen zu einer neuen Ausgabe von "Vip Vip, Hurra!"

Einer der Aufreger, der auch in dieser Woche die Gemüter ohne Klimawandel erhitzte: der Ballermann-Song "Layla". Von Verboten ist die Rede, von sexistischen Inhalten und von der polemischen Frage, ob der IQ von Menschen, die diesen Song mitgrölen, so hoch ist wie die aktuellen Temperaturen. Vielleicht liegt es am Sommerloch, vielleicht daran, dass Popkultur auch von Empörung lebt. Und während die einen über sexistische Lyrics debattieren, sagt der Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck beispielsweise, dieser Song stehe für etwas, "was man als aufgeklärte Gesellschaft überwinden muss".

Denn es sind nicht sexistische und misogyne Textzeilen in Ballermannschen Partysongs, die der Gesellschaft schaden. Es ist vielmehr die Art, wie in unserer Gesellschaft mit Menschen umgegangen wird. In der Schule, in der Politik, in der Wirtschaft. Es ist diese Ellenbogen- und Geiz-ist-geil-Mentalität, die das Worst-Case-Szenario heraufbeschwört und langfristig auch Schuld daran trägt, dass sich unsere Gesellschaft zersetzt und Menschen sich immer mehr voneinander entfremden. Befristete Arbeitsverträge, horrende Mieten, Mangel an Pflegepersonal, die zunehmende Anonymität, gepaart mit Neid - all das schadet der Gesellschaft mehr als miese Lyrics in Liedtexten.

Verbote und Influencer auf dem roten Teppich

Natürlich ist "Layla" ein einfältiges Lied. Darin sind sich wohl alle einig. Aber man schafft keine Toleranz, wenn man permanent auf der Empörungswelle surft und gefühlt alles und jeden anklagt oder verbieten lassen will. Apropos Verbote: Wenn ich es könnte, würde ich eines aber doch verbieten lassen, liebe Leserinnen und Leser: Einladungen zu Filmpremieren für Leute, die von Filmen keine Ahnung haben. Viele Gäste auf den roten Teppichen dieser Republik landen dort vermehrt nur, weil die Marketingabteilungen der jeweiligen Filmfirmen sich von der potenziellen Reichweite irgendwelcher Social-Media-Stars blenden lassen.

Heutzutage ist ja alles Event. Aber es ist nahezu peinlich mit anzusehen, wie irgendwelche Influencerinnen auf Filmpremieren emotional eskalieren, weil Ryan Gosling, Chris Evans und Ana de Armas wenige Meter von ihnen entfernt ihren Film "The Gray Man" präsentieren. Das soll jetzt kein Influencer-Bashing sein. Es kommt aber immer darauf an, was und wie man etwas seiner Community präsentiert.

Und da sind wir auch schon bei Denise Merten-Kappé. Die Reality-TV-Bekanntheit ist es, die in dieser Woche den Vogel abschießt. Auf Instagram folgen der ehemaligen Kandidatin vom "Sommerhaus der Stars" fast 300.000 Menschen. Und was macht man mit einer solchen Verantwortung? Nutzt man sie womöglich auch mal, um auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam zu machen? Selbstverständlich! Frau Merten macht uns auf das Coronavirus aufmerksam.

Danke, Denise, du bist "zu krass"!

Wir sind im Jahr drei der Pandemie, die uns spätestens im Herbst wieder gehörig um die Ohren fliegen wird. Aber hey, Leute, es gibt jetzt Kaugummis gegen Corona! Die Denise findet diese Kaugummis "so krass!" Und sie verrät uns, dass es auch "Lutsch Pastillen" davon gibt: "Man kaut ne viertel Stunde und hat dann zwei Stunden voll Schutz, keine Ansteckung und kein weitergeben, wenn man es (das Virus) hat."

Der Kaugummi wurde vom Mannschaftsarzt des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt mitentwickelt und soll laut einer Studie an neun (!) Personen getestet worden sein. Und so schreibt unter anderem t-online, der "Virologe Alexander Kekulé" nenne "die Wirksamkeit des Kaugummis (…) Quatsch."

Kaugummis gegen Corona? Was kommt als Nächstes? Oh, ja, ein Staubsauger! Am besten einer, der Viren aus der häuslichen Umgebung entfernt. Wo man solche Viren-Wegzauberer käuflich erwerben kann? Einfach die Denise fragen! Die war ja ach "so erschrocken, was aus den Matratzen rauskam!" Ganz wichtig: Dieser ultimative Staubsauger sei nicht nur irgendein "Staubsauger". Nein, es ist "ein Gesundheitsgerät", das "Coronaviren zu 85 Prozent tötet", so die 32-Jährige.

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Leser dieser Kolumne sollten jetzt vor allem eines machen: ganz schnell einen Appell an Gesundheitsminister Lauterbach richten. Wir haben endlich den Durchbruch gegen Corona! Einfach alles wegsaugen! Danke, Denise! Deine Staubsauger-Werbung ist nur ein kleiner Schritt ins Gruselkabinett der dümmsten Werbenummern, aber ein großer Schritt an den Abgrund der Menschheit.

Fun Fact: Frau Merten hatte dieser Tage Geburtstag und gab ein kleines Fest. Nach der Sause sollen 13 Partygäste positiv auf Corona getestet worden sein. "Zu krass", findet das die Denise. Hätte sie doch bloß fleißig mit ihren Gästen Corona-Kaugummi gekaut! Bis nächste Woche!

Quelle: ntv.de

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