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Vip Vip, Hurra! Til Schweiger und der konstruierte Shitstorm

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Til Schweiger ist einer der erfolgreichsten Filmemacher Deutschlands

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Til Schweiger soll einen Fan bloßgestellt haben, Sylvie Meis bricht mit ihrem klassischen Look und Harrison Ford wird unglaubliche achtzig Jahre alt. Vip, Vip, Hurra! - der Promi-Wochenrückblick ist da.

Die Leute lieben es, sich aufzuregen. Am liebsten über Promis. Allzu gern stürzt sich die Klatschpresse auf etwaige Fettnäpfchen, in die so mancher Promi getreten sein soll. Es geistern moralinsaure Artikel durch die Gazetten, darüber, was sich gehört und was nicht. Kann man das heuchlerisch finden? Selbstverständlich.

Sturm im Wasserglas in dieser Woche: der Schauspieler Til Schweiger. Der hat nämlich einen Clip auf seinem Instagram-Account online gestellt, in dem eine Frau zu sehen ist, die etwas schüchtern, mit Fluppe in der Hand, auf den Filmemacher zugeht und ihn fragt, ob er der Schauspieler von "Keinohrhasen" sei. Herrlich ironisch antwortet der 58-Jährige, der in dem Clip nicht zu sehen ist: "Nein, aber ich finde den Film gut."

Die Frau, die mit Dialekt spricht, hakt noch einmal nach: "Sind Sie nicht der berühmte Schauspieler?" Schweiger verneint erneut. Das kurze Video versieht er mit der Unterschrift: "OMG…. wie niedlich…. seins net der babba?" Zu viel für die Moralapostel, die sich gern künstlich erregen und ihm sofort eine gewisse Boshaftigkeit unterstellen. Schweiger würde die Frau vorführen und bloßstellen, lauten nur einige der Kommentare. Die Presse berichtet direkt von "Shitstorm".

Die vielen Kommentare, Schweiger sähe den Plausch mit der Dame liebenswert und mit einem Augenzwinkern, werden weitestgehend unter den Teppich gekehrt. Aufregung klickt schließlich um Längen besser. Das weiß nicht nur der Instagram-Algorithmus. Wer sich die Mühe macht und sich vor allem den letzteren Interviews des Schauspielers widmet, erfährt, dass der Filmemacher niemand ist, der es nötig hat, andere Menschen vorzuführen, bloßzustellen oder runterzumachen. Im Gegenteil!

"Das ist ja alles gescriptet, (...) das stößt mich ab"

So antwortete er unlängst bei der Frage um eine mögliche Teilnahme am "Dschungelcamp" auch nicht, dass ihn das Format abstoße, wie zu lesen ist, sondern etwas ganz anderes! Ohne jemanden "runtermachen" zu wollen: "Was ich an der Sendung nicht mag, sind die Moderatoren, die sich darüber lustig machen. Das ist ja alles gescriptet, das mag ich nicht, das stößt mich ab. Also erst die Leute einladen und sich dann über sie lustig machen, das gefällt mir nicht." Und so werden dem erfolgreichen Regisseur die Worte im Munde herumgedreht und aus einem kleinen Clip auf Social Media, der eine Sequenz zeigt, die der "Kokowääh"-Macher "niedlich" findet, ein "Shitstorm" konstruiert, der überhaupt keiner ist.

Wir leben aktuell in schwierigen Zeiten. Während Wirtschaftsminister Robert Habeck den "sozialen Frieden in Deutschland arg herausgefordert und strapaziert" sieht und unser frisch vermählter Finanzminister Lindner wohl massiv die Gelder für Langzeitarbeitslose kürzen möchte, steckt auch das lineare Fernsehen tief in der Krise.

Einerseits möchte man das junge Publikum mit der Brechstange gewinnen, andererseits hat man es sich aufgrund von Ideenlosigkeit in der Mottenkiste bequem gemacht. Aber junge Menschen richten sich nicht nach 20.15 Uhr und am Reißbrett entworfene Reality-Formate werden auch nicht besser, bloß, weil man jetzt politisch korrekt sagt, in der Show keinerlei Ressentiments zu dulden. Jüngstes Beispiel: "Das große Promi-Büßen" bei ProSieben. Konzept: In Ungnade gefallene Promis leisten Abbitte für ihre Verfehlungen. Und so wird Matthias Mangiapane, einem der größten Mobber der jüngeren Trash-TV-Geschichte für viel Geld erneut eine Plattform geboten. Der Matthias darf sich nun brav dafür entschuldigen, wie widerlich er Claudia Obert einst bei "Promis unter Palmen“ behandelt hat. Also grinst er ein bisschen rotzig und sagt, es täte ihm leid. All das ist ungefähr so glaubwürdig wie die Beteuerungen des Senders, Helena Fürst zu ihrem eigenen Schutze aus der Show geworfen zu haben.

Und was war sonst so los die Woche?

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Sylvie Meis soll ihre Fans überrascht haben. Ja? Womit denn? Hat die 44-Jährige sich entschieden, Jura zu studieren, um mit Justizminister Buschmann über "Quatschjura" und das von ihm ausgedachte Verbot eines Ballermann-Songs zu debattieren? Leider nein! Es sind nur die weiten Hosen, die sie trägt, die ihren Fans den Atem verschlagen. Hach, muss das ein schönes Leben sein, wenn eine Frau in "angesagten Baggy Pants" Menschen in größtes Staunen versetzt!

Dies lässt sich doch eher darüber, dass der Sternenkrieger und berühmteste Archäologe der Kinogeschichte Harrison Ford in dieser Woche tatsächlich schon achtzig Jahre alt geworden ist. Es gibt nichts, was Ford in Hollywood nicht erreicht hat. In einer Netflix-Dokumentation über die amerikanische Schriftstellerin Joan Didion kann man Ford übrigens noch in einer Zeit, lange vor seiner großen Karriere als Filmikone bestaunen. Als junger Mann hatte er Ende der Sechzigerjahre an Didions Holz-Strandvilla in Malibu mitgearbeitet. Die beiden haben sich gut verstanden und wurden, bis zum Tod der Schriftstellerin im Dezember letzten Jahres, Freunde. Wen die Doku interessiert: Sie trägt den weisen Titel, der in unserer heutigen Gesellschaft aktueller ist denn je: "Die Mitte wird nicht halten". Bis nächste Woche!

Quelle: ntv.de

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