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Nicolas Cage wird 50 Der Held, der strauchelt

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Filme wie "Con Air" machten Cage zum Actionstar.

(Foto: imago stock&people)

Er hat einen Oscar gewonnen, die Tochter von Elvis geheiratet, in ambitionierten Dramen mitgespielt und in Blockbustern. Doch vom Erfolg, von den vielen Häusern und Autos ist nicht mehr viel übrig. Nicolas Cage hat einen Absturz hinter sich.

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Der junge Rebell: Cage 1987 in "Arizona Junior".

(Foto: imago stock&people)

Was macht man in so einer Familie? Der Großvater von Nicolas Cage, der Komponist Carmine Coppola, erhielt einen Oscar für die Filmmusik von "Der Pate II". Sein Onkel ist der mehrfache Oscar-Preisträger Francis Ford Coppola, der Regisseur besagter "Pate"-Trilogie und von "Apocalypse Now". Cages Tante Talia Shire wurde als Filmfrau von Sylvester "Rocky" Stallone berühmt und zweimal für den Oscar nominiert. Seine Cousine Sofia Coppola erhielt den Preis für ihr Drehbuch von "Lost in Translation".

Was also macht man in so einer Familie? Man ändert seinen Namen, wird Schauspieler und gewinnt einen Oscar. Nichts leichter als das. Und doch umgibt Nicolas Cage, der am 7. Januar 1964 als Nicolas Kim Coppola geboren wurde, nicht der Glanz seiner Verwandtschaft. Er gilt nicht als Filmgenie wie sein Onkel und nicht als Ikone des Independent-Films wie seine Cousine.

Gauner, Romantiker, Actionhelden

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Seine romantische Seite zeigte Cage in "Stadt der Engel" mit Meg Ryan.

(Foto: imago stock&people)

Dabei hat er in den vergangenen 30 Jahren eine ungeheure Bandbreite an Rollen verkörpert. Cage spielte kleine Gauner und sympathische Großmäuler, melancholische Verlierer und unbelehrbare Romantiker, Action Heroes und Superhelden, einen Alkoholiker, einen Engel und einen Schatzsucher. Doch daneben vergeudete der Vielfilmer in zu vielen mittelmäßigen und schlechten Filmen sein Talent. Triumph und Misserfolg stehen bei ihm nie weit auseinander.

Vermutlich deshalb wird die Schauspielkunst von Nicolas Cage oft belächelt. Dabei stellte der berühmte US-amerikanische Filmkritiker Roger Ebert fest, dass Cage zu den besten lebenden Schauspielern gehöre und in einer Reihe mit Robert De Niro, Jack Nicholson und Al Pacino stehe. Cage selbst nannte seinen Stil einst "Nouveau Shamanic" - neuen Schamanismus. Und tatsächlich umgibt Cage in seinen Filmen oft eine gewisse Aura, was allerdings auch an seinem stets melancholischen Blick liegen könnte.

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"Leaving Las Vegas" brachte Cage, hier mit mit Elisabeth Shue, einen Oscar ein.

(Foto: imago stock&people)

Einmal wurde Cage dafür mit höchsten Filmehren bedacht: Für seine Darstellung eines Mannes, der sich zu Tode säuft, erhielt er einen Oscar, einen Golden Globe und eine Handvoll weiterer renommierter Preise als bester Schauspieler. Doch "Leaving Las Vegas" war auch ein Wendepunkt in seiner Karriere. Bis dahin hatte Cage vor allem in Komödien und ambitionierten Dramen mitgespielt. Hilfe kam von Onkel Francis Ford Coppola, der ihn in "Rumble Fish", "Cotton Club" und als Hauptdarsteller in "Peggy Sue hat geheiratet" besetzte. Und das, obwohl Cage extra seinen Namen geändert hatte, um den Anschein von Vetternwirtschaft zu vermeiden.

Der erfolgreichste Schauspieler seiner Generation

Aber sein Erfolg zeigte schon bald, dass es auch ohne verwandtschaftliche Hilfe ging: "Mondsüchtig" mit Cher, "Arizona Junior" von den Coen-Brüdern und "2 Millionen Dollar Trinkgeld" machten ihn zum anerkannten Komödien-Darsteller. Daneben spielte er im Antikriegsfilm "Birdy" mit, im Roadmovie "Wild at Heart" von David Lynch und in den Thrillern "Kiss of Death" und "Red Rock West". Dass er daneben auch ein paar Rohrkrepierer ablieferte, gehört zum Geschäft dazu.

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"Lord of War" ist eine Satire auf den internationalen Waffenhandel, fiel aber beim Publikum durch.

(Foto: imago stock&people)

Immerhin stand Cage kurz vor seinem Durchbruch: "Leaving Las Vegas" brachte ihm 1995 höchste schauspielerische Ehren ein. Doch statt als Charakterdarsteller zu reüssieren, wählte er einen anderen Weg: Mit "The Rock", "Con Air" und "Im Körper des Feindes" etablierte er sich als Actionheld, der die Kinokassen klingeln ließ und höchste Gagen einstrich. Nicolas Cage wurde zum erfolgreichsten Schauspieler seiner Generation - er ließ Kollegen wie Patrick Swayze, Sean Penn, Tom Cruise, Charlie Sheen und John Cusack, die ihre Karrieren alle ähnlich begonnen hatten, hinter sich. Zumindest vorerst.

Denn auf dem Höhepunkt seiner Karriere schien Cage das Glück zu verlassen. Da wäre zum Beispiel der nie realisierte Film "Superman Lives" von Regisseur Tim Burton. Die Rolle des Superhelden wäre für Comic-Fan Cage ein Traumpart gewesen (nicht umsonst trägt sein zweiter Sohn den kryptonischen Namen von Superman, Kal-El). Doch das Projekt platzte. Filme wie "Spiel auf Zeit" und der Porno-Thriller "8mm" wurden von der Kritik verrissen, "The Weather Man" und "Lord of War" fielen beim Publikum durch. Es blieben Erfolge mit Schnulzen wie "Stadt der Engel" und "Corellis Mandoline" und ein paar schauspielerische Achtungszeichen mit "Bringing out the Dead" von Martin Scorsese, "Tricks" von Ridley Scott und "Adaption" von Spike Jones (damals Ehemann von Cousine Sofia), der Cage eine zweite Oscar-Nominierung bescherte.

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Mit "Das Geheimnis der Tempelritter" konnte Cage nochmal einen Erfolg feiern.

(Foto: imago stock&people)

Doch Cage geriet auch abseits seiner Filme in die Schlagzeilen. Nach dem Ende der Ehe mit Kollegin Patricia Arquette heiratete er 2002 Lisa Marie Presley, nur um drei Monate später wieder die Scheidung einzureichen. Dann wurden ihm äußerst seltene Comicausgaben gestohlen, darunter Originale der ersten Auftritte von Superman und Batman. "Das war so verstörend, dass es mich bis heute beschäftigt", sagte er noch zehn Jahre danach. Dass später eines jener ersten Superman-Hefte versteigert wurde und sagenhafte 2,16 Millionen Dollar einbrachte, will Cage aber lieber nicht kommentieren - bis heute ist unklar, ob es sich um sein Heft handelte.

Dutzende Häuser und Autos

Das Pech jedenfalls verfolgte ihn weiter: 2009 klopfte das Finanzamt an die Tür und stellte Nachforderungen in Millionenhöhe. Es begann eine Schlammschlacht zwischen Cage und seinem Vermögensverwalter, der ihm vorwarf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Demnach soll Cage 15 Wohnsitze besessen haben (darunter eine Insel und ein Schloss in Deutschland), Dutzende Autos und etliche Rolls Royce, einen Gulfstream-Jet und mehrere Jachten. Aufgrund der Forderungen des Finanzamtes musste Cage einiges davon verkaufen.

Darüber sollte man aber nicht vergessen, dass Cage auch viel Geld für humanitäre Zwecke ausgab. Er spendete zwei Millionen Dollar an Amnesty International für die Betreuung von ehemaligen Kindersoldaten. Nach Hurrikan Katrina, der New Orleans verwüstete, gab er eine Million Dollar. Als UN-Botschafter setzt er sich auch gegen Sklaverei und Kinderarbeit ein und wies im Umfeld des Films "Lord of War" auf die Notwendigkeit der Kontrolle von Schusswaffen hin.

Seiner Schauspielkarriere nützt das jedoch wenig. Sein letzter Kassenerfolg, "Das Vermächtnis der Tempelritter", liegt einige Jahre zurück. Stattdessen lieferte er Filme wie "Der letzte Tempelritter" und "Drive Angry" ab, die bei Kritik und Publikum durchfielen. Cage gilt derzeit als Kassengift. Auf einer Liste des "Forbes"-Magazins mit den überbezahltesten Schauspielern landete er jüngst auf dem vierten Platz - das ist kein schönes Geschenk zum 50. Geburtstag. Ob er sich davon wieder erholt? Ob er irgendwann wieder an seine Glanzzeiten anschließen kann? Vielleicht. Die Zeiten des Prunks scheinen vorbei zu sein und er arbeitet weiter unermüdlich, legt jährlich mehrere Filme vor. Vermutlich kann er gar nicht anders, schließlich wurde ihm das Filmgeschäft bereits in die Wiege gelegt.

Quelle: n-tv.de

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