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Paul Ripke im Interview Der dicke WM-Fotograf kocht jetzt vegan

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Paul Ripke macht am Grill eine gute Figur - auch ohne Fleisch.

(Foto: Paul Ripke)

Gleich vorweg: "Dick" ist Paul Ripke gar nicht mehr. Aber als "dicker WM-Fotograf" beschreibt er sich dennoch im Vorwort seines neuen Kochheftes "Ripkytchen". Und "Fotograf" trifft es bei Paul Ripke auch schon lange nicht mehr. Das Fotobuch zum WM-Titel 2014 ist nur ein Vorzeigewerk des 38-Jährigen, der mittlerweile erfolgreich Podcasts und Klamotten produziert - und nun eben seine Erfahrungen mit der veganen Küche weitergibt. ntv.de hat den Wahl-Kalifornier in Newport Beach besucht und mit ihm über Karriere, Karotten und zukünftige Projekte gesprochen.

ntv.de: Du hast ein veganes Kochheft herausgebracht. Im Vorwort stellst du selbst die Frage "Ein Kochheft von dem dicken WM-Fotografen, was soll das?" Wie kam es zu diesem ernährungstechnischen Lebenswandel?

Paul Ripke: Ganz grundlegend habe ich immer wieder Lust, etwas Neues auszuprobieren. Negativ formuliert: Mir wird schnell langweilig. Positiv formuliert: Ich habe Hunger auf Neues. Und gekocht habe ich immer gerne. Egal, was passiert und was ich erreicht habe, das wollte ich immer teilen mit Leuten - und so ist das auch beim Kochen. Ich habe im letzten Jahr medizinische Tests machen lassen und dabei kam heraus, dass ich viel zu viel Fleisch esse und mich zu ungesund ernähre. Da war ich noch dicker als jetzt und habe rund 130 Kilo gewogen - eine normale Jeans konnte ich da schon nicht mehr anziehen. Da war klar: Ich muss mich verändern und dann habe ich ein veganes Jahr gemacht.

Und das hast du dann eiskalt durchgezogen?

Bei allen Regeln, die ich mir auferlege, finde ich es auch wichtig, die Regel zu brechen (lacht). Den Dezember habe ich dann wieder Fleisch gegessen. Elf Monate war ich vegan. Hier in Kalifornien ist die vegane Küche weit verbreitet und es ist schon beeindruckend, wie gut das ist, wenn sich jemand damit intensiv auseinandersetzt. Ich habe viele Sachen entdeckt, die ich sonst nie selbst gekocht hätte, weil ich eher der klassische Grilltyp - mit Fleisch - bin.

Und wie hat sich die vegane Ernährung bei deiner Gesundheit bemerkbar gemacht?

Es ist wirklich abgefahren, was die Ernährung mit dem Körper macht. Es verbessert den Energiehaushalt und die Regeneration. Ich habe noch nie so gut geschlafen wie letztes Jahr und bin noch nie so aktiv aufgestanden. Wenn man gesünder isst, kommt man viel besser über den Tag.

Woher kam dann die Idee zu "Ripkytchen"? Wolltest du dieses Bewusstsein an die Welt weitergeben?

Eigentlich wollte ich schon seit zwei Jahren ein richtiges Kochbuch machen, das hat aber nicht geklappt. Es ist jetzt ein Kochheft geworden und es ist wirklich abgefahren, wie viele Leute sich dafür interessieren und die vegane Küche dadurch ausprobieren. Ich bekomme täglich Bilder von Leuten, die die Rezepte nachkochen.

Das muss neu für dich gewesen sein. Schließlich können die Leute deine Fotos nur schwer nachstellen.

Genau. Das ging ja sonst nicht, wenn ich Fotos von Fußballern oder Musikern gemacht habe. Jetzt habe ich Gerichte, die jeder selbst ausprobieren kann - Bratkartoffeln mit Pistaziencreme ist den Bildern, die mir über Instagram geschickt werden, nach zu urteilen die Nummer eins bislang.

Und die Gerichte hast du dir ausgedacht?

Die Rezepte kommen von meiner Frau. Sie ist Ernährungsberaterin und vermittelt Kindern an Schulen eine Art Lebensmittelbewusstsein. Ich habe nur ein paar kleine Änderungen an den Rezepten vorgenommen. Aber ich bin kein Koch. Die Mengenangaben sind nicht perfekt auf eine bestimmte Personenzahl ausgerichtet. Trotzdem hoffe ich, dass Leute dieses Kochheft auch zum Anlass nehmen, Freunde einzuladen und zusammen zu kochen. Der soziale Aspekt dabei ist mir total wichtig. Meine gesamte Karriere fußt auf solchen sozialen Momenten - so habe ich über das Kochen auch meinen ersten seriellen Job bekommen.

Was war dein erster Job?

Ich habe Reinhold Beckmann und einen gemeinsamen Freund eingeladen auf mein Hausboot und Kalbskoteletts gemacht. Dabei habe ihm angeboten, in seiner Talkshow die Gäste zu porträtieren. Er hat dann gesagt: Dann kommt halt vorbei. So konnte ich drei Jahre lang die Gäste in Beckmanns Talkshow fotografieren. Das waren nicht die besten Fotos, aber ich konnte ungemein viel lernen und Erfahrungen sammeln. Und das ist aus etwas Fachfremdem entstanden - dem Kochen und gemeinsam essen.

Das Kochheft als Teil deiner Arbeit war also ein längeres Projekt, was dann eher spontan in vegan umgewandelt wurde. In diesem Monat gibt es die Initiative "Veganuary", die Menschen dazu ermutigt, sich im ersten Monat des Jahres rein pflanzlich zu ernähren. Viele Hollywoodstars unterstützen das. Glaubst du, Menschen brauchen noch einen kleinen Schubser in die richtige Richtung?

Was mich ein wenig stört, ist, dass die vegane Ernährung noch sehr teuer ist. Es wäre schön, wenn das anders wäre. Ich mache das nicht aus tier-ethischen Gründen, sondern weil ich gemerkt habe, was es mit dem Körper macht. Und das will ich natürlich weitergeben. Initiativen sind gut, aber um gesünder zu leben, muss sich der Mensch von einer gewissen Konditionierung lösen. Wenn ich abends etwas trinken war, dann will ich Pizza am nächsten Tag. Und zu Pizza will ich ein Bier. Dieser Kreislauf ist dann ein Problem. Ich will niemandem vorschreiben, was er essen soll. Vielleicht kann ich mit dem Kochheft Leute ermutigen, eine andere Ernährung auszuprobieren.

Die Idee von "Ripkytchen" war unter anderem, einen sozialen Ort zu schaffen. Wenn ich zu Hause koche, dann habe ich die Küche selbst in der Hand - da können wir vegan kochen und wenn jemand eine Bratwurst will, dann schmeiß ich die auch auf den Grill. Wenn ich in ein Restaurant gehe, dann halte ich es für ultraschwierig darauf zu bestehen, vegan bekocht zu werden. Das finde ich dann auch unsozial. Das Gesellige und gemeinsam etwas zu machen, steht dann für mich im Vordergrund. Das erste Mal nach dem veganen Jahr habe ich in Finnland Fleisch gegessen, da gab es auf einer Wanderung Rentier-Eintopf. Da konnte ich dann nicht sagen: Ich hab hier meinen Quinoa-Salat mitgebracht.

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Was kommt denn nun nach dem Kochheft?

Es ist ganz cool, so etwas Kleines zu haben, was man wiederholen kann. Wir werden in diesem Jahr noch drei bis vier von diesen Heften machen, weil mir das unfassbar viel Bock macht. Ich würde auch gerne eine Reise machen und etwas über die regionale Küche produzieren - Israel zum Beispiel. Ich kann mir aber auch das absolute Gegenteil zu vegan vorstellen. Also ein Kochheft für den Cheat-Day.

Kochen, Klamotten, Podcast - gibt es für dich noch eine konkrete Berufsbezeichnung?

Ich würde aktuell sagen "Content Creator". Aber ich sehe mich als Influencer. Das klingt zwar blöd, weil ich nicht wie Caro Daur ständig meine Outfits poste. Aber am Ende mache ich irgendwas und beeinflusse andere Leute damit hoffentlich ein klein wenig - ob mit Podcasts, "Ripkytchen" oder PARI. Auf jeden Fall bin ich nicht mehr Fotograf. Das hätte ich noch vor zwei Jahren gesagt, aber ich habe das letzte Mal vor einem halben Jahr ernsthaft Fotos gemacht.

Wir sitzen jetzt hier im PARI Club House - dein Büro und auch Retail-Store für dein Modelabel PARI

Nicht Mode (lacht). Textilien. Es sind Hoodies und T-Shirts. Es gibt ernstzunehmende Modedesigner, ich mache Klamotten, die ich gerne anziehe.

Also gibt es da keine klare Linie?

Überhaupt nicht. Es gibt jetzt sogar ein Radtrikot. Gestern war ich Golfspielen, vielleicht mache ich bald den PARI Golf Club auf. Vielleicht wird es auch der PARI Berghain Club - alles in schwarz. Am Ende will ich nur Sachen neu machen. Das war bei "Ripkytchen" auch so. Es war alles Neuland für mich. Ich müsste jetzt nicht vom neuen Album der Toten Hosen ein Musikvideo drehen. Ich liebe die heiß und innig, aber das würde mich nicht reizen und dann würde mein Produkt dadurch auch schlecht werden.

Der Podcast "Alle Wege führen nach Ruhm" ist ein Freundschaftsding mit Joko Winterscheidt, "Ripkytchen" hatte dann einen gesundheitlichen Hintergrund. Haben deine Projekte immer diese persönliche Ankerfunktion?

Ja, auf jeden Fall. Wobei man bei "Ripkytchen" sagen muss, dass es auch etwas mit Kalifornien zu tun hat. Dieser Ort verkörpert ja den Hedonismus, und man erlebt hier einfach tagtäglich, wie sich die Leute bewusster ernähren.

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Paul Ripke - Content Creator

Absurderweise vergesse ich ganz schnell, wenn etwas nicht geklappt.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Das Feedback auf deine Projekte ist durch die Bank weg positiv. Von den Fotos deiner Follower auf Instagram hast du ja bereits erzählt, für den Podcast wurdet ihr mit der Goldenen Henne ausgezeichnet. Gibt es auch gescheiterte Paul-Ripke-Projekte?

Bestimmt 20. Im letzten Jahr sind einige gescheitert. Ich wollte einen Podcast auf Englisch machen, da bin ich voll gescheitert. Eine Art Instagram Daily ist gescheitert. Mit dem NFL-Profi Odell Beckham Jr hatte ich eine Übereinkunft, seine Social-Media-Kanäle zu bespielen. Und von einem Tag auf den anderen haben die sich nie wieder gemeldet. Das ist dann im Sande verlaufen. Absurderweise vergesse ich ganz schnell, wenn etwas nicht geklappt hat. Was ich tue, ist total abhängig von Zufällen und Timing. Und dann klappen auch ganz oft Sachen nicht. Wenn etwas klappt, dann zeige ich das auch - das bedeutet aber nicht, dass alles funktioniert und erfolgreich ist.

Aber auf das Timing bist du doch mittlerweile nicht mehr angewiesen ...

Doch! Zu 100 Prozent. Aber da habe ich auch Glück. "Veganuary" kannte ich bis vor zwei Tagen noch nicht. Es war Zufall, dass "Ripkytchen" dann kurz vor dem Jahrwechsel erschienen ist. Ich habe zwar ein gewisses Publikum und das funktioniert auch, aber die Leute spüren, wenn ich etwas mit Herzblut mache. Die verzeihen mir dann vielleicht auch die eine oder andere Werbung.

Weniger Alkohol trinken und sich gesünder ernähren - das sind ganz klassische Neujahrsvorsätze. Ich habe gehört, du willst in diesem Jahr nicht "Nein" sagen, wenn es Jobangebote gibt.

Ich habe mir letztes Jahr ganz viele Sachen vorgenommen, sie aufgeschrieben und fast alle nicht geschafft. Beruflich haben wir uns vorgenommen, einfach mal etwas anderes zu machen. In "Wünsch dir was" steckt viel Potenzial. Wir wollen dementsprechend bei Anfragen nicht grundlegend "Nein" sagen, sondern "Nein, aber ...". Also eventuell gibt es eine Konstellation, die sich umsetzen lässt. Persönlich will ich das gesundheitlich gute Gefühl wieder haben, das ich vor dem Dezember hatte - denn in dem Monat habe ich gefressen wie ein Schwein.

Und welche Projekte sind in Planung? Dein Kollege hier im Store hat erzählt, du kannst so gut surfen, dass du bald Unterricht gibst.

Das sagt er vielleicht. Ich gehe gerne surfen, bin aber richtig schlecht. Das ist ein unfassbar schwerer Sport. Anschieben kann ich gut. Also die Liste der Menschen, die durch mein Anschieben ihre erste Welle gestanden haben, ist lang. Aber das wird kein Paul-Ripke-Projekt.

Mit Paul Ripke sprach Michael Bauer.

Quelle: ntv.de