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Tatort: "Allmächtig" Der teuflische 66. Fall aus München

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Ein himmlisches Gespann: Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec).

(Foto: dpa)

Leitmayr und Batic müssen diesmal das Verschwinden eines Entertainers aufklären. "Heute Show"-Komödiant Alexander Schubert spielt grandios die Rolle des selbstverliebten Medienmanns. Und die Zuschauer erhalten ein Versprechen.

Nach 22 Jahren Dienst für den Bayerischen Rundfunk regt einen nichts mehr auf. Auch nicht das Verschwinden eines Entertainers, der mit hämischen Web-Videos zu Bekanntheit gelangt ist. Als auf einer Landstraße das Auto des Vermissten gefunden wird, deuten alle Zeichen auf eine Bluttat - aber die Kommissare Leitmayr und Batic machen erst einmal ein Päuschen. Sie lehnen sich an ihr Auto,  genießen den Ausblick und plaudern. Erst dann rufen sie die Hundestaffel und den Helikopter - und das auch eher widerwillig. "Was des wieder kost‘", seufzt Leitmayr.

Der "Tatort: Allmächtig" ist der 66. Fall des gemeinsam ergrauten Duos aus München, das sich aufführt wie ein altes Ehepaar und daraus einen ganz eigenen Charme zieht. Vielleicht liegt es an der besonderen Zahl 66, dass der Teufel in der Geschichte an vielen Stellen im Spiel ist. Zum Beispiel beim Namen des Vermissten. Albert A. Anast nennt sich der umstrittene Entertainer. Wenn man die Buchstaben seines Nachnamens verdreht, ergeben sie Satan, und dieses Spiel mit dem Bösen ist kein Zufall. In seinen Web-Clips führt Anast arglose Opfer auf gemeinste Weise vor - und begeistert damit Hunderttausende Zuschauer. In seinem bekanntesten Video stellt er eine Frau in ihrer Messie-Wohnung vor laufender Kamera bloß. Kurz nach seinem Verschwinden wird sie mit einem Messer im Bauch gefunden.

Die Web-Videos sind die stärksten Szenen dieses Films, der nicht nach höheren Zielen strebt, aber gutes Krimi-Handwerk bietet. Regisseur Jochen Alexander Freydank, 2009 für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" mit einem Oscar ausgezeichnet, hat mit Alexander Schubert eine grandiose Besetzung für den Entertainer gefunden. Im Ensemble der "Heute Show" im ZDF zeigt Schubert sein komödiantisches Talent, hier darf er richtig böse sein. Er spielt diesen Anast als selbstverliebten Medienmann, der sich vor der Kamera an seiner eigenen Dreistigkeit berauscht. Man bekommt sofort Verständnis, dass jemand diesem Kerl an die Wäsche wollte. Unter Verdacht stehen mehrere Opfer seines Spotts und auch die Kollegen aus der Produktionsfirma, ein paar rückgratlose Kreative, die in den Videos ihre große Karrierechance gewittert hatten und sich dafür den Launen ihres Stars aussetzen mussten.

"Ich weiß, dass du das weißt"

Der Krimi widersteht zum Glück der Versuchung, aus dem Reizthema Internet-Mobbing einen öffentlich-rechtlichen Lehrfilm zu machen. Wer weiß, wie dieser "Tatort" in Köln oder Bremen verlaufen wäre. Die Münchener Kommissare ermitteln mit behördlicher Nüchternheit und kommen nur einmal ins Theoretische, als sie darüber sinnieren, warum sich so viele Menschen die Web-Videos anschauen.  Aber dieses Gespräch wird ihnen schnell zu langweilig. "Sozialer Abwärtsvergleich", erklärt Batic dem Kollegen. "Wenn man sieht, wie dreckig es den anderen unten geht, geht's einem selber gleich viel besser." Leitmayr: "Ich weiß, was sozialer Abwärtsvergleich ist." Batic: "Ich weiß, dass du das weißt."

Schade nur, dass die Geschichte schon recht früh auf eine auch wieder irgendwie teuflische, aber zugleich ziemlich abwegige Lösung zusteuert. Dadurch geht dem Film in den letzten 20 Minuten die Luft aus, auch wenn die routinierten Kommissare sich doch noch im Lauftempo bewegen müssen.

Dass auch dieser Fall am Ende gelöst sein wird, daran hatten Leitmayr, Batic und der Zuschauer nie Zweifel. Die Kommissare können sich also Fall 67 zuwenden. Dass der und noch viele weitere folgen werden, ist ausgemacht. "Kannst du dir vorstellen, jemals von hier wegzugehen", hatte Leitmayr den Kollegen gefragt, als die beiden an ihrem Auto lehnten und sich die Berge anschauten. "Nicht ohne dich", versprach Batic.

Quelle: n-tv.de