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Großevent in gefährlicher Region Die Israelis und der ESC

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Blick auf Tel Aviv.

(Foto: imago/JOKER)

Tel Aviv ist für den Eurovision Song Contest gerüstet. Die israelische Küstenmetropole will sich Musikern und Fans von ihrer besten Seite zeigen. Veranstalter und Gäste hoffen auf einen friedlichen Ablauf des weltgrößten musikalischen Ereignisses.

Israel und der Eurovision Song Contest (ESC): Das ist mittlerweile eine seit 46 Jahren andauernde Geschichte. Der jüdische Staat war zum ersten Mal 1973 mit der Sängerin Ilanit beim ESC-Vorgänger Grand Prix Eurovision de la Chanson vertreten. Sie musste in Luxemburg bei ihrem Auftritt eine kugelsichere Weste unter ihrem Kleid tragen, denn der Veranstalter hatte große Sorgen, dass ein Attentat auf die damals 25-Jährige verübt werden könnte.

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ESC-Siegerin 1998: Dana International.

(Foto: picture-alliance / dpa)

1979 war Israel erstmals Ausrichter des Grand Prix, ein Jahr zuvor hatten Yitzhar Cohen & The Alpha-Beta in Paris mit ihrem Song "A-ba-ni-bi" den Wettbewerb gewonnen. Die Israelis entschieden sich für Jerusalem. Auch nach dem Sieg der transsexuellen Dana International mit "Diva" 1998 im englischen Birmingham fand der Contest ein Jahr später in der geschichtsträchtigen Metropole statt. Die israelische Politik mischte dabei kräftig mit und verhinderte, dass Tel Aviv oder Haifa Austragungsort wurden.

Netanjahu wollte Jerusalem als Austragungsort

Nun hat es die gackernde Netta Barzilai mit "Toy" im vergangenen Jahr in Lissabon geschafft, Israel wieder für gut eine Woche in den Mittelpunkt des musikalischen Geschehens zu rücken. "Next year in Jerusalem", kündigte die 26-jährige Wuchtbrumme aus Hod haScharon am Abend ihres Sieges an. Sie sprach damit nur einen Wunsch von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut aus, der den Status von Jerusalem als israelische Hauptstadt stärken wollte. Auch spielte die Größe der Halle - Jerusalem hat mit der Pais Arena immerhin rund 15.000 Plätze zu bieten - eine Rolle.

Doch Netanjahu hatte die Rechnung ohne die Ultraorthodoxen gemacht, die ein wichtiges Wort in seiner alten Rechtsregierung mitredeten. So mahnte zum Beispiel Ex-Gesundheitsminister Jakov Litzman seine Bedenken an. Litzmans Wort hatte Gewicht, denn er ist  auch Chef des Vereinigten Thora-Judentums, einer Allianz zweier ultraorthodoxer Parteien. Der ESC dürfe nicht den Sabbat stören, schrieb er an den Premier. Um seiner Regierung eine Zerreißprobe zu ersparen, ruderte Netanjahu zurück und überließ es der den ESC austragenden European Broadcasting Union (EBU), den Austragungsort zu suchen. Diese reagierte erleichtert und entschied sich für das im Vergleich zu Jerusalem weltoffenere Tel Aviv, obwohl das dortige Convention Center lediglich 7500 Zuschauern Platz bietet.

Reibereien und Ärger

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Netta nach ihrem Sieg beim vorjährigen ESC in Lissabon.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Dennoch gab es weiter Reibereien zwischen der israelischen Regierung und der EBU. Grund waren mögliche Einreiseverweigerungen seitens der Israelis für Personen, die dem jüdischen Staat kritisch gegenüberstehen. Gemeint waren vor allem Menschen aus dem Umfeld der Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Die EBU verlangte von der Regierung in Jerusalem, die Einreise unabhängig von politischen Ansichten zu gewährleisten.

Zudem gab es Ärger um die Finanzierung der millionenschweren Veranstaltung zwischen der Regierung und dem zuständigen Fernsehsender Kan. Und zwischen der EBU und der Netanjahu-Regierung wurde um geplante rechtliche Vorgaben für die Struktur des Senders gestritten. So wandte sich die EBU gegen die Ausgliederung der Nachrichtenredaktion bei Kan. Diese Streitpunkte wurden ausgeräumt. Kan hinterlegte bei der EBU auch die geforderten zwölf Millionen Euro als Sicherheit. Die Austragung des ESC in Israel war gerettet.

Tausende Gäste erwartet

Tel Aviv sieht sich für das Großevent gut gerüstet. Die mit rund 440.000 Einwohnern zweitgrößte israelische Stadt, die eigentlich Tel Aviv-Jaffa heißt, ist das Zentrum des mit 3,8 Millionen Menschen größten Ballungsraums Israels. Die Lage am Mittelmeer ist verlockend für viele Menschen aus aller Welt, Tel Aviv zu besuchen.

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"Dare To Dream" ist das Motto des ESC in Tel Aviv.

(Foto: dpa)

So fiebert die Stadt dem ESC regelrecht entgegen. Für die vielen Contest-Gäste - die Tel Aviver Verantwortlichen rechnen mit rund 10.000 -  ist im Charles-Clore-Park am Strand ein ESC-Dorf errichtet worden, das vom 12. bis 18. Mai jeweils abends geöffnet sein wird. Es liegt auch auf dem Gebiet des ehemaligen Nachtclubs "Delfinarium". Dieses Gebäude erlangte im Jahr 2001 eine sehr traurige Berühmtheit, weil vor ihm ein palästinensischer Selbstmordattentäter 21 junge Menschen getötet hatte. Mittlerweile ist es abgerissen worden.

In dem Dorf sollen Dana International, Yitzhar Cohen und andere israelische Sänger für eine ESC-würdige Stimmung sorgen. Die beiden Halbfinals und das Finale werden auf riesigen Bildschirmen übertragen. Die Stadt Tel Aviv bietet ihren internationalen Gästen auch die Teilnahme an privaten Sabbat-Abendessen an. Für Menschen jeder Couleur gibt es dazu entsprechende Möglichkeiten.

"Dare To Dream" (Wage zu träumen) ist das diesjährige ESC-Motto. Die angespannte politische Situation im Nahen Osten im Allgemeinen und die explosive Lage um den Gazastreifen im Besonderen bringen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen mit sich. Die Raketen der Hamas und des Islamischen Dschihad sollen die Träume, die mit dem weltgrößten Musikereignis zusammenhängen, nicht zerstören.

Quelle: n-tv.de

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