Unterhaltung

Pop-Art und Konsum Die Pin-Up-Kunst von Mel Ramos

DSC07799.jpg

Mel Ramos wurde 1935 geboren - auch mit fast 80 Jahren arbeitet er weiter in seinem Atelier.

(Foto: Mel Ramos (Alle Abbildungen stammen aus dem Katalog zur Ausstellung im Ludwig Museum Koblenz))

Werbebilder sind ein beliebtes Motiv der Pop-Art. Kaum ein Vertreter der Kunstrichtung hat sie jedoch so irritierend eingesetzt wie Mel Ramos. Mit seinen Kombinationen aus Werbemotiven und Pin-Up-Girls erlebte er seinen Durchbruch, erntete aber auch Kritik.

Die erfolgreiche Fernsehserie "Mad Men" steht kurz vor dem Ende, der zweite Teil der siebten Staffel wird derzeit in den USA ausgestrahlt. Viele Zuschauer und Kritiker hat die Serie begeistert, weil sie auf geschickte Weise den vielzitierten Zeitgeist der 60er- und 70er-Jahre wieder aufleben ließ, aus der Perspektive normaler Bürger der US-amerikanischen Mittelschicht.

Dass dabei ausgerechnet eine New Yorker Werbeagentur im Mittelpunkt steht, verwundert nicht. Die 60er-Jahre waren nicht nur in den USA ein Jahrzehnt des hemmungslosen Konsums, des Fortschritts, der Zukunfts- und Technikgläubigkeit. Das spiegelte sich vielmals in den Werbeanzeigen und -plakaten, die den Konsum immer weiter befeuerten.

Dieser Massenkonsum wurde wiederum von einer jungen Gegenkultur thematisiert. In der Musik wurde so Bob Dylan zur Stimme seiner Generation. Künstler wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol revolutionierten währenddessen die Malerei: Statt abstrakter Gemälde schufen sie poppige Kunst, die Bezug nahm auf Werbung und Alltagsgegenstände, Comics und Pulp - und diese überhöhte und ironisch brach.

"Hav-a-Havanna"

della noch bearbeiten.jpg

"Della Monty" von 1972.

(Foto: Mel Ramos)

Ein Künstler, der dies bis heute konsequent umsetzt, ist Mel Ramos. Der Kalifornier, geboren 1935 in Sacramento, widmet sich seit Anfang der 60er-Jahre der Pop-Art. Zahllose Einzelausstellungen hat er vorzuweisen, dazu legendäre Gruppenausstellungen mit Kollegen wie Warhol und Lichtenstein sowie etliche Buchveröffentlichungen. Und er arbeitet noch immer künstlerisch, wie seine neue Edition für n-tv art beweist.

"Hav-a-Havanna #10" heißt dieser Druck, der in einer Auflage von 199 Stück erscheint. Er zeigt eine nackte Frau (wer genau hinschaut, erkennt das Gesicht einer bekannten Schauspielerin), die auf einer kubanischen Zigarre liegt. Es ist eines jener Motive, die Ramos seit Mitte der 60er-Jahre malt und die ihn berühmt gemacht haben. Zu sehen sind stets bekannte Konsumgüter, die jedoch durch die gleichzeitige Darstellung nackter Frauen, meist in der Pose von Pin-Up-Girls, ironisch gebrochen werden.

hav-neu.jpg

Die Lithografie "Hav-a-Havana #10" stammt aus dem Jahr 2008.

(Foto: Mel Ramos)

Sehr konzentriert und klar geht Ramos dabei vor. Seine Bilder haben meist einen einfarbigen, knalligen Hintergrund, die Motive sind überschaubar: Mal liegt eine Frau auf einer Toblerone-Schokolade, mal sitzt sie auf einem Dunkin' Donut, pellt sich aus einer Schokoriegel-Verpackung oder liegt eben lasziv auf einer Zigarre. Ramos weist sich damit als ein typischer Vertreter der Pop-Art aus, der sich nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch an Massenkultur und Werbung orientiert: mit flächiger Farbgebung, klaren Konturen und alltäglichen Motiven, die zu Ikonen stilisiert werden.

Irritation und Kritik

batmobile.jpg

Ramos begann seine Karriere mit Gemälden von Superhelden - auch diese Motive greift er bis heute auf.

(Foto: Mel Ramos)

Das macht Ramos Werke, sogenannte "Commercial Pin-Ups", auch so irritierend. Zwar sind Schokoriegel, Ketchupflaschen und Suppendosen wohlbekannt und wohl jedem vertraut. Doch indem er sie mit den idealisierten Pin-Up-Girls kombiniert, sorgt er für einen Kontrast, der die Betrachter ins Grübeln bringt. Die unverhohlene Nacktheit sorgte aber natürlich auch für Kritik. Zunächst protestierten Konservative gegen die nackten Frauen - in den prüden USA kein Wunder. Später wurde der Künstler aus demselben Grund von feministischer Seite angegriffen.

Ramos aber hält bis heute an seiner Kunst fest, wobei er seinen Stil immer wieder variiert hat und neue Variationen schuf: Mal ließ er die Frauen auf Tieren reiten, mal persiflierte er seine eigenen Motive, wenn er etwa eine nackte Frau auf einem Kuchen darstellte. Ganz zu Beginn seiner Karriere versuchte er sich zudem an Comicfiguren wie Superman, Batman und Wonder Woman. Doch auch vor berühmten Kollegen machte er nicht Halt: In Aktbildern klassischer Werke von Manet oder Modigliani ersetzt er die subtile Erotik durch die direktere sexuelle Darstellung von Pin-Ups, die einen roten Faden in seinem Werk bilden.

Die Beharrlichkeit in seiner Motivwahl hat Ramos zuletzt wieder ein Comeback beschert. Große Retrospektiven erlebte er in den letzten Jahren in Tübingen und Wien. Derzeit sind Werke von ihm im Ludwig Museum Koblenz zu sehen. Kein Wunder: Der Retro-Look hat die Welt erobert, alte Pin-Up-Motive erleben ein Comeback etwa in Kalendern, Pin-Up-Darstellerin Betty Page gilt längst als Ikone. Und Filme und Serien wie "Mad Men" feiern Erfolge, weil sie eine längst vergessene Zeit auferstehen lassen.

Mehr über Mel Ramos erfahren Sie bei n-tv art. Die Ausstellung im Ludwig Museum Koblenz läuft noch bis zum 17. Mai - mehr Infos gibt es hier.

Quelle: ntv.de, mli