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Thorsten Falke ermittelt im "Tatort" Die Warlords von Wilhelmshaven

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Wir wüssten schon gern mehr über sein Privatgedöns ....

(Foto: dpa)

Flüchtlinge in Containern, Kriegstreiber mit hochmodernen Waffen, tote Polizisten und Zuständigkeitsgerangel, mittendrin Wotan Wilke Möhring in seinem dritten "Tatort"-Fall als Ermittler Falke. "Kaltstart" heißt die Folge und so richtig warmlaufen wollte sie bis zum Schluss nicht.

Weniger "Privatgedöns" hatte Wotan Wilke Möhring für seine Figur des "Tatort"-Ermittlers Thorsten Falke einst angekündigt. Und damit ja einen durchaus gangbaren Weg in Aussicht gestellt, um einen Kontrapunkt gegenüber den anderen Kommissaren rund um die Tatort-Zielscheibe zu setzen. Keine Familienverhältnisse und Altlasten, keine Psycho-Couch- oder Kindergarten-Anekdoten, stattdessen Reduktion aufs Wesentliche. Einer wie Joachim Krol hat eindrucksvoll gezeigt, dass nuancenreiches Spiel und eine Flasche Wodka im Wandschrank ausreichen können, um einem TV-Kommissar Tiefgang und Charakter zu verleihen.

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Wotan will's wissen!

(Foto: picture alliance / dpa)

Ganz so geheimnisvoll bleibt der gute Falke in seinem dritten Fall "Kaltstart" nicht mehr. Wir wussten bereits, dass er von Haus aus Milchtrinker ist und sein bester Kumpel aussieht wie der Sänger von den Eels. Diesmal lernen wir noch ein bisschen was dazu. Falke hört The Clash ("I Fought the Law") und trägt T-Shirts der US-Punkband Minor Threat. Nicht auszudenken, was deren einstiger Kopf Ian MacKaye dazu sagen würde: TV-Cops, die sich mit Bandshirts einstiger Anti-Establishment-Heroen ein wenig Street Credibility über die schmale Brust ziehen möchten.

Falkes Techtelmechtel

Sei's drum. Und seien wir froh, dass Falke nicht auf Pur steht. Seinen bärtigen Kumpel, Jan Katz (Sebastian Schipper), treffen wir diesmal auch wieder. Der ermittelt in einem Fall in Wilhelmshaven. Nicht so ganz Falkes Revier, aber auch der frischgebackene Bundespolizist kommt hier zum Einsatz. Als ein SEK-Trupp einen Menschenhändler hochnehmen will, sitzt der mausetot auf dem Sofa und seine Bude am Hafen fliegt unversehens in die Luft. Dabei kommen zwei SEK-Leute ums Leben. Eine von ihnen ist Rita und mit der - wieder lernen wir etwas dazu - hatte Falke ein Techtelmechtel.

Kurze Zeit später finden die Beamten auf dem Gelände des Frachthafens einen Container voller Flüchtlinge aus dem Kongo. Flugs ist man einem Passfälscher auf der Spur, der wiederum Verbindungen zu einem Tross von profitgeilen Dunkelmännern hat, die hochmoderne Waffen schmuggeln, um die Warlords der afrikanischen Krisenstaaten mit Gewehren zu versorgen.

Dabei zeigt Regisseur Marvin Kren ("Rammbock"), dass er seine Blockbuster-Vorlieben nicht nur verinnerlicht hat, sondern sie auch ansehnlich umsetzen kann. Die weiträumigen Kamerafahrten über das Gelände des JadeWeserPorts schaffen eine düstere Endzeit-Atmosphäre. Wie Urtiere aus einer vergessenen Welt fahren die computergesteuerten XXL-Kräne durch die goldgelben Lichtkegel über das Gelände. Kein Mensch weit und breit. Immer wieder wird das Bild gerastert, morpht zu einer Infrarot-Ansicht aus luftiger Höhe. Futuristische Buchstaben klickern ins Bild, ein Fadenkreuz hier, eine Fokussierung dort. Grusel, Grusel, Gänsehaut. Irgendwo sitzt, das weiß auch der heimische TV-Zuschauer mit Hollywood-Background, jemand in einer Schaltzentrale und beobachtet alles von oben. Jedes Detail. Jede Bewegung. Big Brother is watching you. Auch in good ol' Wilhelmshaven.

Hohl, knabbernd, Nuss
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Ein schönes Ermittler-Gespann.

(Foto: dpa)

Es ist also angerichtet für ein großes Lehrstück über Globalisierung und Menschenschmuggel, über Hehlerbanden und den Waffenhandel mit der Dritten Welt, aber "Kaltstart" bekommt die Bilder und den Bogen der Geschichte nicht recht zusammen. Kren und sein Kameramann Moritz Schultheiß - sie lieben ihre großen Motive: die Totalen des Hafens, den schummrigen Raum mit den riesigen Screens, die die von Drohnen gefilmten Überwachungsbilder wiedergeben, den Wind am Hafen, die leerstehende Halle des Container-Pleitiers, der seine Sinne nicht mehr beieinander hat.

Leider gehen sie auch mit ihren Figuren um, als wären es Bilder, grob geschnitten und zweidimensional: Der mysteriöse Buhmann (André M. Hennicke) hat eingefallene Wangen, guckt böse und knabbert Nüsschen (Hallo, Karoline Eichhorn!). Verliebte Mädchen schicken verliebten Jungs Songs aufs Telefon und die Männer von der Landespolizei bekommen sich grundsätzlich mit den Männern von der Bundespolizei in die Haare. Kleine schwarze Jungs mit großen schwarzen Augen knibbeln Fußballerbilder von der Wand und der Warlord hat eine fette Narbe im Gesicht. Die wiederum erkennt Falkes Assistentin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) sogar durchs dunkle Visier eines Motorradhelms. Alles etwas platt, alles etwas arg plakativ.

Am Schluss gehen die drei Cops - der Fall ist zumindest halbwegs gelöst - nebeneinander auf die Kamera zu. Etwas abgekämpft, dennoch federnden Ganges. Die Zeitlupe setzt - mal wieder - ein, und für den Bruchteil einer Sekunde muss man an das legendäre "Sabotage"-Video der Beastie Boys denken. Erneut so ein Bild, das Größe atmet und hängenbleibt. Aber eben doch nur wieder ein Bild. Und wenn die beiden Mannsbilder des Films, Falke und sein Kumpel Katz, dann doch mal über Privates reden, dann tun sie das natürlich auch durch und durch stilisiert. Was den Kölnern die Imbissbude, ist den Nordlichtern hier die windige Waterkant. Das jedoch ist so tiefgründig wie ein Spot für Jever-Bier. Und sieht leider auch so aus.

Quelle: n-tv.de

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