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Liebe, Schmerzen, Tod Hannelore Elsners Sohn gibt tiefe Einblicke

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Standen sich äußerst nahe: Hannelore Elsner und ihr Sohn Dominik Elstner.

(Foto: imago/Seeliger)

Knapp zwei Monate ist es her, dass Hannelore Elsner ihrer Krebserkrankung erlegen ist. Eine Erkrankung, von der kaum einer wusste. Nun spricht Elsners Sohn Dominik in einem Interview über die letzten Tage seiner Mutter und das Band, das ihn mit ihr für immer verbindet.

Was empfindet eine todkranke Frau, die sich in einen Sarg legen muss? Was mag Hannelore Elsner (1942-2019) empfunden haben, als sie nur wenige Wochen vor ihrem eigenen Krebstod für den Streifen "Lang lebe die Königin" eine ihrer letzten Filmszenen drehte?

Diese Gedanken gehen auch Elsners Sohn, dem Fotografen Dominik Elstner (Hannelore Elsner strich im Gegensatz zu ihrem Sohn das "t" aus ihrem Nachnamen), durch den Kopf. "Sie spielte eine krebskranke sterbende Frau. Es gab eine Szene, in der sie sich in einen Sarg legen musste. Aber niemand am Set ahnte, wie es meiner Mutter tatsächlich ging", sagt er in einem Interview mit dem "Stern", in dem er über die letzten Geheimnisse aus dem Leben seiner am 21. April verstorbenen Mutter spricht.

Abrechnung mit dem Vater

Dominik Elstner entstammt einer Beziehung mit dem Regisseur Dieter Wedel, dem mehrere Schauspielerinnen sexuelle Übergriffe vorwerfen. Dominik Elstner sagt dazu: "Diese Geschichte hat meine Mutter und mich erschüttert und mitgenommen. Gleichzeitig hatte sie auch große Schuldgefühle mir gegenüber. Sie sagte, es tue ihr leid, dass sie mir so einen Vater angetan habe."

Dominik Elstner hat seinen "Erzeuger" Wedel erst als 16-Jähriger kennengelernt. "Ich weiß noch, dass meine Mutter furchtbare Angst davor hatte, dass er mich irgendwie verletzen könnte." Der Sohn weiß nichts davon, was zwischen Wedel und anderen Frauen "angeblich passiert ist. Ich weiß nur, was zwischen meiner Mutter und meinem Vater passierte. Und das war schon zu viel."

Nach dem Tod von Hannelore Elsner habe Dieter Wedel "einige Nachrichten auf meiner Mailbox hinterlassen. Ich werde entscheiden, wann ich mich bei ihm melde. Und wenn er irgendwann mal meine Hilfe braucht, werde ich da sein." Doch "mit Liebe" habe das nichts zu tun. "Er hat extreme Fehler gemacht. Ich werde ihn nicht ändern können, aber ich kann ihm vergeben."

Hannelore Elsners späte Liebe

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Elsner bei einem ihrer letzten öffentlichen Auftritte im Februar 2019.

(Foto: www.imago-images.de)

Dominik Elstner berichtet, dass sich seine Mutter in den Münchner Musikproduzenten DJ Hell verliebt habe. Die beiden hätten sich auf einer Party im Garten des deutschen Botschafters in Singapur kennengelernt und die ganze Nacht auf dem DJ-Pult zusammen getanzt. "Später im Aufzug überlegten sie, ob sie sich noch näherkommen wollten, aber keiner von beiden traute sich." Denn auch Helmut Geier, wie der 56-jährige DJ Hell mit bürgerlichem Namen heißt, habe Angst davor gehabt, "von der großen Film-Diva Hannelore Elsner abgewiesen zu werden".

Heute denkt Dominik Elstner: "Warum habt ihr euch nicht getraut? Warum seid ihr beide bloß aneinander vorbeigeflogen?" Kurz vor dem Tod seiner Mutter habe er noch bei DJ Hell angerufen, sagt der 38-Jährige. "Ich sagte, wenn du meine Mutter noch sehen willst, musst du dich beeilen. Als er kam, war sie leider schon gestorben."

"Ich bin wohl doch nicht unsterblich"

Dominik Elstner berichtet im "Stern"-Interview weiter, dass er dabei gewesen sei, als seine Mutter nach der Untersuchung die Krebsdiagnose bekommen habe. "Brustkrebs, etwas später kam Leukämie dazu. Aber die Ärzte haben damals gesagt, sie hätte gute Chancen zu überleben." Und sie selbst habe gesagt: "Okay, ich bin wohl doch nicht unsterblich. Ich bin jetzt verwundet. Ich muss jetzt etwas tun, auf mich achten, mich schonen."

Seine Mutter habe sich deshalb in eine Krebstherapie begeben und er den Eindruck gehabt, "es würde ihr besser gehen", so Dominik Elstner. Die Schauspielerin habe fast nie mit anderen über ihren Zustand gesprochen - und nie geklagt. Sie habe "die Sache" ernst genommen, ihr aber im Alltag keine Bedeutung geschenkt. "Sie sagte: 'Wenn ich so viel über diesen Tumor rede, dann stachele ich ihn noch an, und er frisst mich noch mehr auf'", so Dominik Elstner.

Bei den Dreharbeiten zu "Lang lebe die Königin" versuchte Hannelore Elsner bis Anfang April, ihren Zustand zu verheimlichen. Bis es nicht mehr ging. Ihr Sohn schildert, wie sie eines Morgens im Bett ihres Münchner Hotels Bayerischer Hof gelegen habe und nicht mehr aufstehen konnte. "Sie rief ein paar Mal an der Rezeption an, wo ein Fahrer wartete, der sie zum Filmset bringen sollte. 'In zehn Minuten bin ich unten', sagte sie. Aber sie kam nicht. Sie konnte sich nicht mehr rühren vor Schmerzen."

Morphium gegen die Schmerzen

Schließlich habe ein Arzt bei ihm in Köln angerufen, berichtet Dominik Elstner. "Er sagte: 'Herr Elstner, Ihrer Mutter geht es sehr schlecht. Sie müssen sofort nach München kommen.' Ich wurde wütend und schrie ihn an, er solle mir nicht unnötig Angst machen. Dafür habe ich mich später entschuldigt. Es war nur so, dass ich es in diesem Moment nicht wahrhaben wollte."

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Zur Beisetzung seiner Mutter am 31. Mai kam Dominik Elstner mit seiner Freundin.

(Foto: imago images / Spöttel Picture)

Als er in München eingetroffen sei, habe seine Mutter schon Morphium gegen die Schmerzen bekommen, erklärt Dominik Elstner. "Sie war selten bei Bewusstsein, aber ich saß die ganze Zeit an ihrem Bett. Hab ihr vorgelesen. Aus ihrem Buch. Geschichten aus ihrer Kindheit."

Zwischendurch habe es immer wieder auch klare Momente gegeben, sagt Dominik Elstner rückblickend. Drei Tage vor ihrem Tod habe er ihr am 18. April ins Ohr geflüstert: "'Mama, ich habe heute Geburtstag.' Da riss sie die Augen auf und war noch einmal da. Sie hat gesagt: 'Oh Gott, oh, mein Gott!' Ich habe sie dann beruhigt und ihr gesagt, dass ich jetzt kein Geschenk von ihr erwarte. Das größte Geschenk sei doch, dass ich jetzt in diesem Moment mit ihr zusammen sein konnte."

Ein Fest, das ihr gefallen hätte

Für Dominik Elstner ist die innige Mutter-Sohn-Beziehung ein großes Geschenk. "Von solchen Erinnerungen zehre ich jetzt." Die große Anteilnahme am Tod von Hannelore Elsner habe ihn sehr berührt. "Viele Freunde meiner Mutter stehen mir jetzt zur Seite, die ich vorher vielleicht gar nicht so auf dem Zettel hatte. Ich werde nicht alleingelassen. Das ist auch das Vermächtnis meiner Mutter."

Hannelore Elsner sei kein Mensch gewesen, der einem Aufträge erteile. Er wolle sich jetzt dennoch für den Verein Karuna einsetzen, der sich um Berliner Straßenkinder kümmert und bei dem Hannelore Elsner Schirmherrin war, so Dominik Elstner. Ansonsten aber plane er "ein großes, wildes Fest. Da soll eine Nacht durchgetanzt werden. Ihre engsten Freunde werden dazu eingeladen. DJ Hell soll auflegen." Der Sohn ist sich sicher: "Das wird ein Fest, das meiner Mutter sehr gefallen hätte."

Quelle: n-tv.de, vpr/spot

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