Unterhaltung

Gegendarstellung nach dem Talk Jauchs Kampf mit der Regenbogenpresse

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(Foto: imago/Stefan Zeitz)

Günther Jauch geht seit Jahren radikal gegen Boulevardmedien vor, die über ihn berichten. Dabei nimmt er es manchmal übergenau. Dass der Bauer-Verlag zurückgeschlagen hat, ist garantiert kein Zufall.

Günther Jauch gibt selten Interviews, Einblicke in sein Privat- und Innenleben lässt er nicht zu. Dem Blog "TopfvollGold", der journalistische Fehlleistungen und blanken Unsinn aus Klatschzeitungen aufs Korn nimmt, erklärte der 59-Jährige seine Beweggründe: "In dem Moment, in dem ich mich zu etwas Privatem äußere, fällt mein juristischer Schutz in sich zusammen. Dann heißt es: Der hat ja selber sein Privates nach außen getragen."

Jauch ist bekannt dafür, sich gegen alle möglichen Behauptungen in der Regenbogenpresse zur Wehr zu setzen. Er begründet sein Vorgehen auch damit, es abzulehnen, "das Vermögen von denjenigen, die diesen Dreck produzieren, noch zu vermehren". Sobald es um noch so winzige oder scheinbar belanglose Details seines Privatlebens geht, zieht er vor Gericht mit dem Ziel, Aussagen zu unterbinden oder Gegendarstellungen durchzusetzen.

Als etwa ein Blatt mittels Frage die äußerst gewagte These aufstellte, ob der Entertainer einem verstorbenen Freund hätte helfen können und damit suggerierte, dass Jauch eine indirekte Mitschuld am Tod eines Menschen haben könnte, setzte er eine Gegendarstellung durch. Aber auch wenn ein Blatt eine Banalität behauptet, die Jauch als falsch einstuft, schaltet der Moderator einen Anwalt ein. So schrieb ein Klatschheft, der TV-Star habe als Kind auf dem Weinberg seiner Großeltern gespielt. Dazu stellte Jauch in einer Gegendarstellung fest, bei Oma und Opa nicht seine Kindheit verbracht zu haben, sondern "dort in den Ferien ein paar Mal" gewesen zu sein. Jauchs Motto lautet: Was falsch ist, ist falsch.

Freunde in den Boulevardredaktionen macht man sich damit nicht unbedingt. Wenn man es so formulieren will, nutzte der Bauer-Verlag, der sich mit Jauch so manchen Streit vor Gericht lieferte, eine Chance zur Revanche. Nachdem Jauchs letzter Gast in dessen Polit-Talkshow, Finanzminister Wolfgang Schäuble, dem Moderator alles Gute für die Zukunft gewünscht und dieser sich von seinen Zuschauern verabschiedet hatte, erschien ein Sprecher auf dem Bildschirm, der einen Text von Tom Junkersdorf verlas. Der war früher Chefredakteur der Boulevardzeitschrift "Closer", die beim Bauer-Verlag erscheint.

Drei Gegendarstellungen von Jauch im "Closer"

Die Zeitschrift musste eine Gegendarstellung von Jauch dreimal hintereinander drucken, weil sich Jauch abermalig genötigt sah einzugreifen. "Closer" druckte unter ein Foto Jauchs aus den 80er Jahren einen Text, aus dem man schließen konnte, es zeige den damals jungen Reporter beim Radio. Jauch stellte dazu fest, dass das Bild ihn als Moderator einer ZDF-Sendung zeige.

"Closer" druckte die Korrektur, betonte, es sei nicht die Absicht gewesen, "ein Foto von Jauch beim Radio" zu zeigen und erlaubte sich seinerseits einen Spaß: Es brachte ein Foto neben der Gegendarstellung, dass Jauch in Frauenkleidung in einer ARD-Show präsentierte. Dazu der Text: Der TV-Star sei "in der Tat für seine besonderen TV-Outfits bekannt". Doch – zumindest aus Sicht des Bauer-Verlags – verstand Jauch an der Stelle keinen Spaß. Er ging wiederum dagegen vor, weil das orangenfarbige Kostüm von der Gegendarstellung ablenke und diese damit quasi entwerte. Zudem bemängelten die Anwälte die optische Gestaltung des Widerspruchs. Die Richter folgten der Argumentation. "Closer" brachte erneut die Gegendarstellung mit veränderter Optik – aber daneben abermals das Foto "Jauch in Frauenkleidung". Weil die Zeitschrift dazu glossenhafte Anmerkungen machte, klagte Jauch erneut und gewann. "Closer" musste die Gegendarstellung ein drittes Mal bringen.

Die Vermutung liegt nahe, dass Junkersdorf und der Bauer-Verlag irgendwann beschlossen, den Spieß umzudrehen. Unmittelbar nach dem Ende der Jauch-Sendung am Sonntagabend erschien – unerwartet für den Zuschauer – die Gegendarstellung. Der Hintergrund: In der Sendung vom 13. April 2014 ging es – vor allem mit Blick auf den Unfall von Formel-1-Legende Michael Schumacher – um die Frage, wie weit Medien im Umgang mit Prominenten gehen dürften. Jauch hatte ein Schriftlaufband eingeblendet mit all jenen Zeitschriften, die einen Auftritt in der Sendung abgelehnt hätten. Junkersdorf erklärte: "Hierzu stelle ich fest: Am Freitag vor der Sendung hat eine für 'Closer' tätige Medienagentur der Produktionsfirma meine Teilnahme an der Sendung angeboten. Dies wurde abgelehnt."

Kriegsbeil wahrscheinlich begraben

Dem Vorgang kommt grundlegende Bedeutung für künftige Platzierungen von Gegendarstellungen im Fernsehen und in Videos zu. In Print-Produkten ist es Pflicht, den inhaltlichen Widerspruch auf der Seite zu bringen, wo der Text erschien, den der Kläger beanstandet. Wird auf einer Titelseite etwas behauptet, dem erfolgreich vor Gericht widersprochen wird, muss die andere, also die "siegreiche" Version, auf dem Titel veröffentlicht werden. Der "Closer"-Widerspruch war Anfang 2015 schon einmal kurz vor dem Abspann einer Jauch-Sendung verlesen worden. Offenbar reichte dem Bauer-Verlag die Form beziehungsweise die Platzierung der ersten Gegendarstellung nicht aus.

Auch am Sonntagabend durfte Junkersdorf seine Sicht der Dinge nicht innerhalb der Talk-Show verlesen lassen. Immerhin setzte der Bauer-Verlag durch, den Widerspruch ein zweites Mal unterzubringen. Auffällig ist an der Stelle, dass Jauch nach der ersten Ausstrahlung der Gegendarstellung noch widersprochen hatte, aber offenkundig nun darauf verzichtete. Ob als Folge eines Gerichtsentscheids oder freiwillig, wurde nicht bekannt. Aus Medienkreisen, die mit dem Vorgang vertraut sind, verlautete jedoch, die Pflicht zur Veröffentlichung der neuen Gegendarstellung habe Jauch schon einige Zeit vorgelegen, er und nicht der Bauer-Verlag sei es gewesen, der die Verlesung auf die letzte Sendung verschoben habe.

Jauchs Produktionsfirma äußerte sich nicht dazu, da der NDR "zuständig und verantwortlich" sei. Im Januar hatte Jauchs Redaktion erklärt, dass "zu dem Zeitpunkt", als die fragliche Agentur Junkersdorf "als Teilnehmer der Sendung vorgeschlagen" habe, vom Bauer-Verlag "eine Teilnahme an der Sendung 'Günther Jauch' für alle Chefredakteurinnen und Chefredakteure aller Titel des Hauses Bauer abgesagt" worden sei. 

Ob der Rechtsstreit mit der nunmehr zweiten Gegendarstellung von Junkersdorf in der ARD beendet ist? Vermutlich ja. Denn die Sendung von Jauch gibt es in der Form ja nicht mehr. Und ob der Bauer-Verlag den Konflikt Jauchs Nachfolgerin Anne Will aufbürden wird, ist kaum wahrscheinlich. Zwar wird im Bauer-Umfeld auf "die nicht ganz korrekte" Platzierung der Gegendarstellung verwiesen und betont, dass für Jauch kein Sonderrechte gälten. Aber allein die Tatsache, dass der Verlag sich nicht offiziell äußern will, spricht dafür, dass das Kriegsbeil wohl begraben werden soll – bis zum nächsten Streit.

Quelle: ntv.de