Unterhaltung

Ich war noch niemals in New York Karamell-Vanille-Eis mit Sahne und Streuseln

Für Lisa Wartberg (Heike Makatsch), Fernsehmoderatorin, Single und leicht zickig, steht ihre Show an erster Stelle. Doch dann verliert ihre Mutter Maria (Katharina Thalbach) nach einem Unfall ihr Gedächtnis und kann sich nur noch an eines erinnern: Sie war noch niemals in New York! Kurzentschlossen schmuggelt sich Maria als blinder Passagier an Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffes. Gemeinsam mit ihrem Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) macht sich Lisa auf die Suche nach ihrer Mutter und spürt sie tatsächlich auf der "MS Maximiliane" auf. Doch bevor die beiden Maria wieder von Bord bringen können, legt der Ozeandampfer auch schon ab. An Bord lernt Lisa Axel Staudach (Moritz Bleibtreu), Mutter Maria trifft auf Eintänzer Otto (Uwe Ochsenknecht), der behauptet, eine gemeinsame Vergangenheit mit ihr zu haben, und Fred verliebt sich Hals über Kopf in den griechischen Bordzauberer Costa (Pasquale Aleardi). Die Dinge nehmen ihren Lauf. Warum man auch als Nicht-Musical-Liebhaber unbedingt in "Ich war noch niemals in New York" gehen sollte - das verraten Katharina Thalbach, Uwe Ochsenknecht und Pasquale Aelardi im Interview mit n-tv.de und sprechen über Liebe, Tanzen und Musik, Heimat und New York.

n-tv.de: Man geht aus dem Film mit einem lachenden und einem weinenden Auge …

Uwe Ochsenknecht: Ging mir genauso! Das ist ja ein Kitschfilm ohne kitschig zu sein. Man lebt mit den Figuren mit, man hofft, dass alle sich kriegen (lacht), und wenn der kleine Junge im Bett "Liebe ohne Leiden" singt, das ist doch zum Heulen schön! Überhaupt sind meine Kollegen großartig! Schauspieler zu sein ist schon toll.

Pasquale Aleardi: Das stimmt. Ich kenne keinen deutschen Film, der so ein Farbenspektakel im besten Sinne zu bieten hat. Der Film ist ein Märchen, aber auch feinfühlig, witzig und anrührend. Es ist die Macht der Musik, die da einfach sehr gut interpretiert wird. Und dann ist das Bild auch noch großartig, so kunterbunt.

Katharina Thalbach: Ich habe es als großes Geschenk empfunden, bei dem Film dabei sein zu können. Das hat man nicht so oft im Leben, dass man sich vor der Kamera so gehen lassen kann, sich so reinfallen lassen kann, mit Musik, wo die Gefühle ja immer noch ein bisschen größer werden, wenn man das entsprechende Lied findet. Wir gehen da durch viele Gefühlswelten. "Ich war noch niemals in New York" ist ein Film, der glücklich macht. Also mich macht er glücklich.

Ein Film mit Gesang und Tanz …

UO: … ja, eine herrliche Herausforderung! Ich fände es schrecklich, wenn ich nur noch den Bösewicht spielen sollte. Das wäre eindimensional. Aber so etwas, wie in diesem Film, das ist ja nicht einfach. Emotionen, Gefühle - das finde ich super!

PA: Ich mache Musik seit ich elf bin und habe jetzt noch eine Band, die Phonauten. Bei "Chicago" in New York am Broadway vor ein paar Jahren die männliche Hauptrolle zu spielen war für mich ein absolutes Highlight. Ich habe als kleiner Junge schon die Musicals mit Fred Astaire und Ginger Rogers geliebt, da ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Ich schätze mal, das alles hat mich ganz gut aufs Vorsprechen bzw. Vorsingen für "Ich war noch niemals in New York" vorbereitet.

Ein deutscher Musikfilm - ungewöhnlich.

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Für Lisa Wartberg (Heike Makatsch) steht ihre Show an erster Stelle.

(Foto: picture alliance/dpa)

UO: Ja, aber da ist endlich mal alles erlaubt! Wir Schauspieler wollen doch, dass der Zuschauer unsere Figuren liebt oder hasst, dass er weint oder lacht.

PA: Ich habe, als ich die Rolle hatte, noch einmal mit einem Vocal-Coach gearbeitet, denn die Songs von Udo Jürgens sind ja wirklich schwer zu singen. Es sind einfache Melodien, aber Udo Jürgens war ein Meister der Phrasierung. Es sind Kleinigkeiten, aber wenn die nicht stimmen, dann wird es schräg.

KT: Udo Jürgens hatte immer tolle Texte, auch wenn die zum großen Teil nicht von ihm waren. Sein Talent war immer die Musik und der Gesang. Er war ein richtig guter Jazzsänger. Seine Musik hat eine ganz spezielle Qualität, das sind ja nicht einfach Schlager. Wenn das Musik ist, mit der man Erinnerungen verbindet, dann kommen einem doch sofort die Tränen.

Uwe Ochsenknecht und Katharina Thalbach, Sie sind im Film ein Paar …

UO: Ja, auch im Privaten (lacht). Nein, aber wir lieben uns! Wir kennen und schätzen uns sehr, wir spielen so gern zusammen, da stimmt die Chemie einfach! Wenn wir miteinander spielen, dann reagieren wir auch immer aufeinander. Deswegen heißt das "spielen", wir sind SchauSPIELER. Das macht Riesenspaß mit ihr! Aber das war mit dem ganzen Ensemble so.

PA: Es ist wunderbar, als Schauspieler jemand anders sein zu können. Man verändert sich. Und man lernt etwas über Menschen, die sonst vielleicht sehr, sehr weit weg sind von einem.

KT: Das Tolle an Liebe ist, dass es keine Gesetze gibt und sie in den ungewöhnlichsten Formen auftritt. Es gibt kein Rezept: bei der Liebe glaube ich an alles. Das ist ein weites Feld. Da habe ich schon die ungewöhnlichsten Dinge gesehen. Und erlebt (lacht).

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Da stimmt die Chemie einfach!

(Foto: imago/tagesspiegel)

Ihr Tipp für das Gelingen der Liebe?

KT: Selbst wenn Liebe nur zwei Monate dauert, in der Zeit aber schön ist, dann sollte man das genießen und danach nicht rumflennen, dass es vorbei ist. Nichts dauert ewig! Ja, man sollte in der Zeit, in der es schön ist, die Dinge genießen.

Und die Liebe abseits der Liebe von Mann und Frau, was ist da besonders hervorzuheben?

KT: Ich zum Beispiel bin eine leidenschaftliche Großmutter. Als Mutter habe ich bestimmt viele Fehler gemacht (lacht). Aber das habe ich versucht, später wieder gut zu machen. Eines wusste meine Tochter allerdings immer: Dass ich sie liebe.

Herr Aleardi, Sie hatten keinerlei Bedenken bei Ihrer Rolle?

PA: Doch, und zwar große, als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte!

Welcher Art?

PA: Ob ich den Costa spielen kann, ohne die üblichen Klischees zu bedienen. Das war ein bisschen wie ein Karamell-Vanille-Eis mit Schokoladensoße und Sahne und Puderzucker und Streuseln drauf. Too much, dachte ich. Aber dann habe ich mich drauf eingelassen. Ich habe einen Personal-Trainer an die Seite bekommen, damit ich einen guten Körper habe, Muskeln! Ich bin zwar Halbgrieche, aber ich wollte nochmal von einem anderen Griechen, der kein Wort Deutsch kann, meine Texte sprechen lassen, damit ich weiß, wo es bei den Betonungen und der Aussprache drauf ankommt. Beides ein Riesenspaß, denn Griechen sagen nicht "magic" (mädschig) sondern "matzik".

Wie sind Sie dann zu Costa geworden?

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Dieser Musikfilm ist einfach "magic"! Oder wie der auf Tischen tanzende Costa sagen würde: "matzig"!

(Foto: picture alliance/dpa)

PA: Wann hat man die Möglichkeit, einen griechischen, schwulen Bord-Zauberer zu spielen, der auch noch singt? Wir haben uns bei den Dreharbeiten immer auf die Maske gefreut und die Kostüme! Das hat extrem dazu beigetragen, dass wir alle noch ein bisschen verrückter sind als sonst, wenn wir uns in eine Rolle hinein begeben. Diese Energie sorgte dafür, dass die Stimmung am Set voller Konzentration, aber auch voller Spaß war. Wenn ich in den Spiegel geschaut habe, dann habe ich mir geglaubt (lacht). Das spielt sich so viel einfacher, wenn man sich selbst seine Rolle abnimmt.

Wenn Philipp Stölzl anruft sagt man aber schon gleich zu, oder?

UO: Der Philip ist ein super Typ, aber nach Winnetou war ich nicht ganz so sicher (lacht). Und dann auch noch ein Musikfilm! Aber meine - etwaigen - Bedenken waren sofort verflogen.

Hilft es wenn man selbst Musiker ist?

UO: Es verschafft einem eine gewisse Sicherheit. Ich habe immer gern gesungen, und ich denke, ich singe ganz gut (Anm.d. Redaktion: Herr Ochsenknecht untertreibt maßlos, er singt hervorragend). Aber Udo Jürgens zu singen - das ist nicht ohne. Ich bin mit Udos Songs aufgewachsen, das heißt, man kennt die, aber wenn man sie selbst laut schmettern soll, dann ist das etwas ganz anderes. Die Zwischentöne zu treffen, das ist das Schwierigste.

PA: Es macht Spaß, diese Lieder zu singen! Jeder kennt die Songs, und wenn man versucht, perfekt 1:1 zu singen, dann wäre das eine Katastrophe. Aber wenn man sie für sich entdeckt und ein bisschen anders interpretiert, dann machst du das auch zu deinem eigenen Lied. Philip Stölzl hat uns jeden singen lassen, wie er oder sie es auf eigene Art kann. Außerdem habe ich großen Respekt vor der Leistung des Filmmusik-Komponisten Christoph Israel, der das großartig arrangiert hat.

Haben Sie jetzt einen anderen Blick auf Udos Werk?

UO: Ja, auf jeden Fall. Es gibt wirklich Lieder, die kann ich nicht hören, das geb' ich zu. Aber viele sieht man mit anderen Augen, denn sie haben eine ganz hohe Qualität.

PA: In der Schweiz hatten wir in meiner Kindheit nur sechs Sender, und es gab nur zwei Highlights, beide mit Songs von Udo: Das eine war "Tom & Jerry" mit (singt) "Vielen Dank, für die Blumen, vielen Dank, wie lieb von dir", und das andere (flüstert) "Was ist die Zeit!?!" Da wurde in einer Sendung erklärt, wo die Neandertaler herkamen und wie die Ägypter die Pyramiden gebaut haben. Richtig kennengelernt habe ich Udos Lieder erst jetzt durch die Arbeit daran.

Und die Erkenntnis?

Die Musik von Udo Jürgens findet großen Absatz. Foto: Barbara Gindl

"In seinen Liedern liegt eine Zeitlosigkeit, die einmalig ist", sagt Pasquale Aleardi über Udo Jürgens.

(Foto: dpa)

PA: In den Liedern, angefangen von "17 Jahr', blondes Haar" über "Griechischer Wein" oder "Ehrenwertes Haus" bis hin zu "Mit 66 Jahren" liegt eine Zeitlosigkeit, die einmalig ist. Das hat der Udo Jürgens so meisterhaft verstanden, dass man die auch noch in 30 Jahren trällern wird. Weil sie direkt ins Herz treffen, weil sie wahrhaftig sind, denn jeder Mensch hat Träume. Und "Ich war noch niemals in New York" ist grandios darin, genau dieses Gefühl zu treffen. Man denkt doch "Ich will auch mal irgendwo sein, wo ich noch nie war!". Und jeder kennt das, wie es sich anfühlt, wenn man fremd ist, wenn man allein ist, oder? Jeder kennt die Sehnsucht nach Heimat.

Was bedeutet das für Sie?

PA: Ja, wo ist meine Heimat? Wo fühle ich mich am wohlsten? Überall da, wo mein Herz ist, wo meine Frau und meine Kinder sind. Ich bin ein Vagabund (lacht). Früher hatte ich Heimweh, aber inzwischen fühle ich alle Wurzeln: Die aus der Schweiz, aus Griechenland, die in Berlin. Das ist eine energetische Sache, es gibt einfach Orte, an denen man sich frei fühlt und Orte, an denen man sich eingeengt fühlt.

Und die Sehnsucht nach New York? Die haben ja auch viele …

KT: Mit New York verbinde ich meine erste große USA-Reise 1978, wo das noch ein gefährliches Pflaster war (lacht). Vor allem verbinde ich mit New York wahnsinnig viele Filme und die Musik- und Kunstszene. Es hat nicht mehr die große Faszination wie früher, aber es ist immer noch ein Schmelztiegel. Und ich liebe Schlittschuhlaufen im Central Park!

Kannten Sie alle denn das Lied "Illusionen" - ich nicht …

UO: Nee, ich auch nicht, aber ein wunderschöner Song! Kennen Sie die Version, die Jamie Cullum singt? Fantastisch, hervorragend! War eigentlich für Frank Sinatra gedacht. "If I Ever Sang Another Song" heißt es im Englischen.

KT: Ich kannte die meisten Lieder, "Illusionen" ist sogar eines meiner Lieblingslieder. Mit Andreja Schneider habe ich das Lied in unserem Musikprogramm, sie singt es toll.

PA: Das ist mein persönlicher Lieblingssong. Ich empfehle ebenfalls, wie Uwe, die Jamie Cullum-Version! Da merkt man, was für ein Meisterwerk dieser Song ist, innerhalb von 20 Sekunden ist jeder zerstört, das Herz liegt brach, man hat Tränen in den Augen.

Frau Thalbach, würden Sie manchmal gern unter Gedächtnisverlust leiden, einfach alles vergessen, wie Maria im Film?

KT: Wenn man das lenken könnte, dann wäre es vielleicht ganz spannend. Aber sein Gedächtnis zu verlieren stelle ich mir hart und irritierend vor. Auch für die Menschen, die einen lieben.

Es ist großartig, was Musik in Menschen auslösen kann. Warum sollte man aber, wenn man kein Musical-Fan ist, in diesen Film gehen?

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Gedächtnisverlust? Aber bitte nur, wenn er sich steuern lässt, bittet Katharina Thalbach.

(Foto: picture alliance/dpa)

UO: Weil es erstens kein Musical ist, sondern ein Musikfilm, das ist ein Unterschied, muss man schon sagen. Der Film basiert auf dem Musical, wurde aber extra umgeschrieben für die Leinwand. Warum man da reingehen soll? Weil der Film so eine fantastische Leichtigkeit hat, und das ist selten im deutschen Film, man ist augenblicklich drin im Geschehen. Es geht um Liebe, Verlassenwerden, zweite Chancen, Angst, Alter, die großen Emotionen, die Figuren verändern sich, unterlegt mit poppigen Farben und einem liebenswerten Hang zur Übertreibung. Regina Ziegler hat ja schon vor zwölf Jahren die Rechte für den Film gekauft, der gebührt übrigens ein ganz großer Dank dafür! Denn dafür braucht man Durchhaltevermögen und ein bisschen Kleingeld (lacht).

KT: Singen macht glücklich. Das hat mir Andreja Schneider gesagt, weil ich großen Respekt davor hatte, auf der Bühne einfach "nur" zu singen, auch wenn ich einzelne Gesangspassagen aus Stücken im Theater schon kannte. Die Angst ist verflogen und ich kann mich nur bei Andreja bedanken, dass sie sie mir genommen hat. Dass man andere Leute damit glücklich machen kann, Gefühle transportiert, wie das nur mit Sprache oder bildender Kunst allein dann doch nicht möglich ist, das ist großartig. Da kann Musik echt 'ne Menge!

Mit Katharina Thalbach, Uwe Ochsenknecht und Pasquale Aleardi sprach Sabine Oelmann.

Der Film läuft derzeit im Kino.

Quelle: ntv.de

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