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"Tatort: Auf ewig dein" Keiner ist so irre wie Faber

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Packt gerne Leute am Schlaffitchen: Faber.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Psychowrack Faber trifft im vierten "Tatort" aus Dortmund auf einen traumatisierten Mädchenmörder. In Bezug auf ihren gestörten Geisteszustand spielen die beiden in einer Liga. Aber keiner ist so überzeugend irre wie Jörg Hartmann.

Da steht er also, den Wahnsinn im Blick. Ein fleischgewordenes Psychopharmakon, dessen Wirkung einfach nicht eintreten will. Sieht aus, als würde er gleich die Knarre ziehen und Amoklaufen, all den seelischen Höllenqualen ein Ende bereiten. Doch dann zückt der verlotterte Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) doch nur den Dienstausweis. "Heiliger Bimbam", sagt sein Gegenüber. "Die nehmen jetzt auch schon jeden".

Tatsächlich steht Kommissar Faber im vierten WDR-"Tatort: Auf ewig dein", gefühlt kurz vor der Zwangseinweisung. Seine unberechenbaren Anfälle steuern auf einen bösen Höhepunkt zu. Wer die letzten Folgen aus Dortmund gesehen hat, weiß, dass Faber mal eben ein Waschbecken aus der Wand reißt oder ein Auto zertrümmert, wenn es ihn überkommt. Im vierten Fall braucht die Figur Faber zum Glück keine großen Gesten mehr - ein irres Grinsen reicht. Willkommen in Fabers verrückter Welt.

Es ist der Todestag seiner Familie. Vor einem Jahr starben seine Frau und seine Tochter bei einem noch immer ungeklärten Autounfall. Kein guter Zeitpunkt, um sich mit dem Mordfall einer 12-Jährigen zu beschäftigen, die gewisse Ähnlichkeiten zu Fabers Tochter aufweist.

Die Leiche des Mädchens wurde im Wald gefunden, im Erboden verbuddelt und in einen Müllsack gewickelt. Zunächst verdächtigen Faber und Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) den Stiefvater des Kindes. Auf seinem Rechner wurden pornografische Fotos von Kindern gefunden. Doch dann verschwindet noch ein Mädchen und Faber erinnert sich an einen alten Fall.

Faber ist alles zuzutrauen

Vor über 15 Jahren brachte der Kommissar einen pädophilen Vergewaltiger hinter Gitter. Der Mann erhängte sich in seiner Zelle. Seine Gewalttaten ähneln dem aktuellen Verbrechen. Plötzlich taucht Markus Graf (Florian Bartholomäi), der mittlerweile 30-jährige Sohn des Täters, in Dortmund auf - und quält Faber mit Erinnerungen an den Tod seiner Familie. Dem Zuschauer ist zunächst nicht klar: Wird Faber nun endgültig verrückt oder gibt es tatsächlich Parallelen zwischen dem alten Fall und Fabers privatem Unglück?

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Packt immer noch gerne Leute am Schlaffitchen: Faber.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Im Laufe des hochspannenden Falls können Faber und Bönisch dem gestörten Sohnemann tatsächlich den Mord an dem Mädchen nachweisen. Graf, ganz offensichtlich geistesgestört, wollte die Taten seines Vaters imitieren und sich an Faber rächen, der seinen Vater verhaftet hatte. Unklar bleibt jedoch, welche Rolle Graf in Fabers Privatleben spielt.

Auf jeden Fall begegnen sich mit Graf und Kommissar Faber zwei Psychowracks auf Augenhöhe. Den einen haben traumatische Erlebnisse in der Kindheit zur Bestie mit Bubigesicht gemacht, den anderen der Verlust seines Familienglücks. Allerdings bleibt der Wahnsinn des jungen Täters weit hinter dem Fabers zurück. Verglichen mit den emotionalen Amokläufen des Kommissars bleibt Graf blass. Keiner ist so irre wie Faber. Jörg Hartmann spielt den Mann, der nichts mehr zu verlieren hat, grandios und macht das Ruhrpott-Team zu einem der besten der "Tatort"-Republik. Und wenn Faber am Ende der Folge mit dem Mörder auf dem Hochhausdach steht, nur einen Windstoß vom Selbstmord entfernt, dann bekommt man Zweifel, ob diese ganze Geschichte noch gut ausgehen kann, so überzeugend ist Hartmanns Spiel. Seinem Faber ist alles zuzutrauen.

"Einen Oscar gewinnen Sie dafür nicht"

Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Dror Zahavi übertreiben es allerdings ein wenig. Nicht nur Faber, auch die Kollegen schleppen ihre Probleme mit ins Büro. Und das macht diesen "Tatort" viel zu überladen. Da ist zum einen die ungewollte Schwangerschaft der Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) und am Ende der Folge die Trennung vom Kollegen Daniel Kossik (Stefan Konarske). Und dann wird Kommissarin Bönisch auch noch von ihrem Callboy erpresst, mit dem sie sich in der Freizeit kleine Liebesabenteuer erlaubt.

Immerhin sorgt diese kleine Erpressung am Rande für eine großartige Szene, in der Faber den Callboy im Hotelzimmer stellt, um ihn auf seine gewohnt ekelhafte Art darauf hinzuweisen, dass er in Zukunft die Kollegin in Ruhe lassen soll. "Einen Oscar gewinnen Sie dafür nicht", sagt Bönisch, nachdem der Toyboy das Weite gesucht hat. Preisverdächtig ist Hartmann in dieser Szene aber auf jeden Fall.

Bleibt zu hoffen, dass Fabers One-Man-Show des Wahnsinns beim nächsten Mal weiter auf die Spitze getrieben wird - ohne unnötige Nebenschauplätze. Denn die braucht dieser Ruhrpott-Krimi gar nicht. "Zwei von meiner Sorte können wir uns nicht leisten", sagt Faber in einer Szene zur aufgewühlten Kollegin. Recht hat er.

Quelle: ntv.de