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Ärger um Berlinale-Wettbewerb Kinos fordern Netflix-Ausschluss

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Die spanische Netflix-Produktion "Elisa y Marcela" soll aus dem Wettbewerb ausgeschlossen werden, finden deutsche Kinobetreiber.

Netflix

Der Film "Elisa y Marcela" läuft auf der gerade stattfindenden Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Kinobetreibern stößt das sauer auf, denn bei ihnen wird der Film nie gezeigt werden. Sie fordern nun den Ausschluss des Dramas.

An der Berlinale, die gerade die Hauptstadt in den Ausnahmezustand versetzt, nimmt auch die Spanierin Isabel Coixet mit ihrem Film "Elisa y Marcela" teil. Er ist einer von insgesamt 16 Beiträgen, die bei der 69. Ausgabe der Filmfeststpiele auf den Goldenen Bären hoffen dürfen.

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Muss Isabel Coixet die Hoffnung auf einen Bären aufgeben?

(Foto: imago/Agencia EFE)

Wenn es nach deutschen Kinobetreibern geht, soll die 58-Jährige mit ihrem Drama nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen, denn produziert hat das Ganze der US-Streamingdienst Netflix. Folglich wird "Elisa y Marcela" vermutlich gar nicht in den deutschen Kinos laufen. "Wir fordern daher, den Beitrag außer Konkurrenz zu zeigen", schreiben etwa 160 Kinobetreiber in einem Sammelbrief an Festivaldirektor Dieter Kosslick und Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Das teilte der Verband AG Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater mit.

"Elisa y Marcla" wird am Mittwoch auf der Berlinale gezeigt. Laut einer Sprecherin des Festivals soll das Drama aber in Spanien in den Kinos starten, was die Teilnahme am Wettbewerb rechtfertige. Netflix hält die Vertriebsrechte und hat den spanischen Kinostart bereits angekündigt.

Zu kurz im Kino

Streamingdienste wie Netflix und Amazon produzieren mehr und mehr Filme, für die sie immer wieder auch Kreative des Arthouse-Kinos verpflichten können. Schon seit Jahren wird innerhalb der Branche darüber diskutiert, ob diese Produktionen an Wettbewerben und auf Festivals gezeigt werden dürfen. Während die Verantwortlichen in Cannes Netflix im vergangenen Jahr verbannten, wurde beim Filmfestival in Venedig deren Produktion "Roma" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Auch Stephen Spielberg sprach sich seinerzeit gegen eine Gleichberechtigung von Netflix-Produktionen und dem klassischen Kino in Wettbewerben aus. Ein Film, der kürzer als eine Woche in ein paar wenigen Kinos liefe, habe keine Chance auf einen Oscar verdient, so der Regisseur. Hintergrund der Diskussion war das Netflix-Drama "Mudbound", das in vier Kategorien für einen Oscar nominiert war, aber nur eine Woche in New York und Los Angeles in den Kinos lief.

Gerüchte im China-Zensur

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Der chinesische Beitrag soll technische Probleme gehabt haben.

(Foto: Huanxi Media Group)

Ursprünglich waren 17 Filme im Rennen um einen Bären, allerdings fiel bereits der chinesische Beitrag raus. "Yi miao zhong" vom vielfach preisgekrönten Regisseurs Zhang Yimou hätte eigentlich am Freitag gezeigt werden sollen. Es soll aber technische Probleme bei der Post-Produktion gegeben haben. US-Medien berichten allerdings, der Film sei möglicherweise der chinesischen Zensur zum Opfer gefallen und berufen sich dabei auf Spekulationen chinesischer Berlinale-Teilnehmer.

"Yi Miao Zhong" erzählt die Geschichte eines Kinofans in einer ländlichen Region in China und seiner Beziehung zu einer obdachlosen Vagabundin. Der Film spielt während der chinesischen Kulturrevolution, einer politisch sensiblen Periode.

Kurz vor dem Festival war bereits ein Film aus Hongkong abgesagt worden. Auch hier war von technischen Problemen die Rede, doch könnte die Absage von "Shao nian de ni" laut US-Medien durchaus auch kulturpolitische Gründe gehabt haben. Womöglich habe der Plot den strengen Vorgaben der chinesischen Filmaufsicht nicht genügt.

Quelle: n-tv.de, nan

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