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Bayern 3 muss sich erklären Moderator sagt "Sorry" nach Rassismus

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Matuschik im Jahr 2018, als er erfolglos für den bayerischen Landtag kandidierte.

(Foto: imago/Christine Roth)

Millionen von Tweets, zahlreiche Beschwerden: Die Äußerungen von Bayern-3-Moderator Matuschik sorgen weltweit für Empörung. Dass er eine asiatische Band rassistisch beleidigt, bleibt nicht ohne Folgen. Auch, weil die Entschuldigung zunächst halbherzig ausfällt.

Er verglich die südkoreanische Boyband BTS mit dem Coronavirus und nannte die international erfolgreichen Musiker abfällig "kleine Pisser": Gegen den Bayern 3-Moderator Matthias Matuschik hagelt es im Internet Rassismusvorwürfe. Der Radiomoderator entschuldigte sich, ebenso wie sein Sender. Er sei sehr bestürzt über die Reaktionen, teilte Matuschik in München mit. "Es tut mir sehr leid und ich möchte mich aufrichtig entschuldigen."

Seine Moderation sei "komplett daneben" gewesen. Er "verstehe und akzeptiere, dass ich viele von euch, insbesondere die asiatische Community, durch meine Worte rassistisch beleidigt haben könnte. Das war niemals meine Absicht, aber mir ist bewusst, dass am Ende zählt, wie die Worte bei den Empfängern ankommen - und nicht, wie sie gemeint waren."

Der Bayerische Rundfunk (BR) stellte sich hinter den auch "Matuschke" genannten Moderator, kündigte aber zugleich eine Aufarbeitung an. "Es ist nicht akzeptabel, mit welchen Worten er sich über die Band BTS geäußert hat", hieß es von Bayern 3. "Wenn Aussagen von vielen Menschen als beleidigend oder rassistisch empfunden werden, dann waren sie es auch." Bayern 3 erklärte außerdem, der Moderator und seine Familie würden inzwischen massiv bedroht.

Matuschik hatte die K-Pop-Band BTS mit "irgendeinem Scheißvirus" verglichen, wie in einem Mitschnitt der Sendung zu hören war, gegen das es "hoffentlich bald eine Impfung" gebe. Damit reproduziere der Moderator anti-asiatischen Rassismus, wie er in der Corona-Pandemie ohnehin vielfach auftrete, merkte etwa die Journalistin Nhi Le an.

Heftige Reaktion der BTS-Fans

In einer ersten, später dann ergänzten Stellungnahme hatte der Sender mitgeteilt: "Es handelt sich hier um seine persönliche, geschmackliche Meinung, völlig ungeachtet der Herkunft und des kulturellen Backgrounds der Band." Matuschik sei in seiner gespielten, ironisch-überspitzten Aufregung übers Ziel hinausgeschossen. Diese Darstellung wurde als verharmlosend ebenfalls kritisiert.

Entsprechend heftig fiel die Reaktion aus, die K-Pop-Fans im Allgemeinen und die BTS-Anhänger im Besonderen gelten als sehr gut vernetzt. Der Hashtag #Bayern3Racist war mit rund 1,5 Millionen Tweets weltweit einer der meistgenutzten. Dem "Spiegel" zufolge erhält der Bayrische Rundfunk derzeit "sehr viele Reaktionen" - wohl auch, weil sich auf Twitter ein Leitfaden verbreitete, wie Beschwerden an die Redaktion verfasst und versandt werden können.

Matuschik pflegt seit jeher einen subjektiven und auch ungewöhnlich flapsigen Moderationsstil. In seiner Livesendung "Matuschke - der etwas andere Abend" hatte er sich am Donnerstagabend in einer Anmoderation darüber echauffiert, dass die Boyband BTS einen von ihm geschätzten Song gecovert hat.

Für seine Äußerungen wurde Matuschik anschließend auch international in den sozialen Medien angegriffen. Bayern 3 betonte dagegen: "Es ist uns aber ein Bedürfnis klarzustellen, dass Matthias meilenweit von rassistischen Ansichten entfernt ist, wie er seit Jahren durch sein Handeln und Wirken für ein friedliches Miteinander der Menschen in Bayern - ungeachtet ihrer Nationalität, Kultur, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder Religion - bewiesen hat." Wie das Matuschiks Aussagen rechtfertigen soll, blieb jedoch unklar. Denn auch dieses "Handeln und Wirken" schützt nicht davor, Rassismen zu reproduzieren, sich also rassistisch zu verhalten und rassistische Aussagen zu tätigen, auch ohne überzeugter Rassist zu sein.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa