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Interview mit Fürst Albert II. "Müssen unser Leben nachhaltiger gestalten"

Schon als Kind erlebte Fürst Albert II. von Monaco beim Wandern mit seinen Eltern die Schönheiten der Natur. Im Interview mit ntv erklärt er, warum er sich für Umweltfragen einsetzt, was jeder Einzelne tun kann - und warum die Luft in Monaco am besten ist, wenn die Formel 1 zu Gast ist.

ntv: Durchlaucht, was sind die aktuell größten Bedrohungen für den Planeten und wie können wir diese Herausforderungen bewältigen?

Freiheitspreis für Albert

Am Tegernsee wurde Albert II. am Freitag mit dem Freiheitspreis der Medien ausgezeichnet. Er erhielt ihn im Rahmen des Ludwig-Erhard-Gipfels in Kreuth. "Wie kaum ein anderer Staatsmann hat sich der Politiker in den vergangenen Jahren für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt", heißt es in der Begründung. "Bereits seit der Jahrtausendwende weist der studierte Politikwissenschaftler auf die Gefahren des Klimawandels hin und ist aktiv für den Naturschutz tätig."

Fürst Albert II.: Natürlich ist die größte Bedrohung der Klimawandel - und sämtliche Konsequenzen und Auswirkungen, die durch ihn ausgelöst werden. Der Klimawandel liegt in unserem Verantwortungsbereich als Bewohner dieses Planeten. Wir müssen die Balance finden und unser eigenes Leben nachhaltiger gestalten. Es geht darum, wie wir uns ernähren, wie wir Energie verbrauchen und wie wir uns fortbewegen. Wir brauchen ein ausgeglichenes Ökosystem, nicht nur an Land sondern auch auf See. Denn alles ist miteinander verbunden. Wenn wir die Balance nicht halten und die Ökosysteme kippen, eines nach dem anderen, dann wird es auch für uns auf diesem Planeten sehr, sehr schwierig. Auf lange Sicht werden wir nicht überleben können. Die Situation  ist wirklich ernst. Nicht allen ist das klar, aber immer mehr Menschen realisieren das. Deswegen gab es in den vergangenen Wochen, Monaten und auch schon Jahren viele Aktionen und viele Stimmen von Experten, Aktivisten und anderen Menschen, egal ob jungen oder alten wie mir. Und ich hoffe, dass wir jetzt alle etwas mehr tun werden.

Wann und wo haben Sie persönlich festgestellt, wie schön das Leben auf diesem Planeten ist? Und wie verletzlich es ist?

Das ist schon eine ganze Weile her. Schon in ganz jungen Jahren sind meine Geschwister und ich mit unseren Eltern wandern gegangen, haben auch viel über das Meer gelernt. Da haben wir auch darüber gesprochen, wie wir unsere Umgebung schützen können. Das Thema Umwelt war damals noch nicht so verbreitet. Aber bei diesen Gelegenheiten ist es uns immer bewusster geworden, wie schön der Planet sein kann. Zwischendurch ist viel Zeit vergangen, aber dann hat sich mein Vater für das Mittelmeer eingesetzt, für die Küstenabschnitte zwischen Monaco, Italien und Frankreich. 1992 gab es dann den Weltgipfel in Rio de Janeiro. Das war quasi der Weckruf, auf die Wissenschaftler zu hören, die schon viel länger gewarnt haben. Damals wollte das niemand hören. Viele dachten, die Wissenschaftler übertreiben furchtbar. Auf dem Gipfel konnte ich mit Spezialisten sprechen, mit vielen Menschen mit den unterschiedlichsten Bedenken, mit Wissenschaftlern, aber auch mit Vertretern aus der Zivilgesellschaft, aus der Wirtschaft, sogar Geschäftsführer großer Firmen. Da habe ich gemerkt, dass es viele Menschen gibt, die etwas ändern möchten. Deswegen habe ich die Stiftung Prince Albert II de Monaco gegründet.

Ist es nicht eine Gratwanderung, als Oberhaupt eines Staates zu versuchen, Umweltschutz zu betreiben, auf der anderen Seite allerdings auch für einen sehr extensiven Lebensstil - Formel 1 und Jachten - zu stehen?

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Fürst Albert II. von Monaco

Beim Wandern ist uns immer bewusster geworden, wie schön der Planet sein kann.

(Foto: imago images / Peter Seyfferth)

Wir wollen die Ansichten der Leute ändern, wir wollen die Menschen dazu bringen, ein nachhaltiges Leben zu führen. Das braucht Zeit. Ich halte es für den falschen Weg, Dinge vorzuschreiben, gegebenenfalls sogar zu bestrafen. Wir wollen den Menschen Alternativen zeigen, wie sie ihr Leben nachhaltiger gestalten können, so dass ihr Leben geringere Auswirkungen auf die Umwelt hat. Ironischerweise hat Monaco die beste Luftqualität, wenn die Formel 1 in der Stadt stattfindet. Denn genau dann haben wir nur rund 20 Autos auf den Straßen, die zur selben Zeit fahren. Wir fördern im großen Stil die Elektromobilität und die Nutzung von Elektroautos. Das ist der Grund, warum wir auch die Weltmeisterschaft der E-Mobilität, die Formel E, bei uns in Monaco zu Gast haben. Ein einziges Fahrzeug mit einer Performance eines Formel-1-Wagens kann Menschen dazu inspirieren, sich für Elektromobilität zu begeistern.

Was halten Sie von den deutschen Bestrebungen und Einlassungen zum Umweltschutz?

Ich denke, die sind sehr lobenswert. Viele Länder sind mit dieser Situation und schwierigen Entscheidungen konfrontiert. Ich glaube, Deutschland war lange Zeit Vorreiter bei grüner Energie, sauberer Luft, Windenergie und Solarenergie. Es gibt viele verschiedene Lösungsansätze, und ich glaube, es muss eine Kombination aus allem sein. Es gibt keine magische, einzelne Lösung. Ich hoffe, dass andere Länder, auch andere europäische Länder, diesem Vorbild Deutschlands folgen.

Wie versuchen Sie, Ihren Kindern die Schönheit des Planeten und die Schönheit des Lebens beizubringen?

Wissen Sie, sie sind gerade in einem Alter, in dem sie Sachen zu entdecken beginnen. Es ist ein fantastisches Alter. Ich bin sehr froh, dass wir ein großes Grundstück in den Bergen von Monaco haben, wo sie Zugang zu einem Gemüsegarten haben, wo sie Tiere wie auf einem Bauernhof erleben können, und das Ganze in der mediterranen Umgebung. Natürlich lesen Sie auch Bücher über die Natur und wie die Dinge funktionieren. Es geht Schritt für Schritt, ein Puzzleteil nach dem anderen. Es ist ein lebenslanges Lernen, was die Natur für uns bedeutet und wo wir unseren Platz in dieser Natur haben.

Mit Albert II. sprach Isabelle Körner

Quelle: ntv.de