"Habe mich normal gefühlt"Muriel Baumeister spricht über jahrelange Alkoholsucht

Ein Vorfall 2016 wird für Muriel Baumeister zum Wendepunkt. Nun spricht die Schauspielerin offen über ihre jahrelange Alkoholsucht und den harten Weg zurück in ein abstinentes Leben. Doch die Schauspielerin warnt: Die Gefahr bleibt allgegenwärtig.
Muriel Baumeister hat offen über ihre Alkoholabhängigkeit und den langen Weg zurück in ein abstinentes Leben gesprochen. Im Talkformat "Wendepunkte" des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ e.V. schilderte die Schauspielerin, wie sich ihre Sucht entwickelte und wie sie es schließlich schaffte, damit zu brechen. Seit fast zehn Jahren ist die 54-Jährige nach eigenen Angaben trocken.
Der Beginn ihrer Abhängigkeit sei kein plötzlicher Absturz gewesen, sondern ein schleichender Prozess. "Wir haben ja alle getrunken", erinnerte sich Baumeister und beschrieb damit den lockeren gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Was zunächst gelegentliches Trinken gewesen sei, habe sich über Jahre hinweg zu einer festen Abhängigkeit entwickelt. Eine pränatale Depression im Jahr 2014 habe die Situation zusätzlich verschärft.
Einen wichtigen Wendepunkt brachte schließlich ein Gespräch mit ihrer besten Freundin. Die Ärztin habe ihr deutlich gesagt, dass sie nicht länger zusehen wolle. Auch körperlich machten sich die Folgen bereits bemerkbar: Baumeister litt unter einer chronischen Magenschleimhautentzündung, schaffte es dennoch lange Zeit nicht, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren.
Öffentlich wurde ihre Sucht schließlich durch einen Vorfall im Oktober 2016. Damals wurde Baumeister mit 1,4 Promille am Steuer erwischt, nachdem sie beim Einparken eine Leitplanke gestreift hatte. Eine ihrer Töchter befand sich zu diesem Zeitpunkt im Auto. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.
"Könnte jeden Tag kippen"
Rückblickend erschreckte sie besonders, dass ihr Zustand ihr selbst kaum aufgefallen sei. "Ich habe mich normal gefühlt", sagte Baumeister. Eine Polizistin habe ihr später sogar erklärt, dass sie den Alkohol ohne den Geruch vermutlich gar nicht bemerkt hätte.
Nach dem Vorfall folgten zwei stationäre Therapieversuche, die zunächst keinen nachhaltigen Erfolg brachten. Ein Grund dafür sei gewesen, dass sie damals noch gehofft habe, irgendwann wieder kontrolliert trinken zu können. "Das ist der Traum eines jeden Alkoholikers", sagte Baumeister. Erst als sie erkannte, dass dieser Weg für sie nicht funktioniere, habe sich etwas verändert.
Im Oktober 2017 ließ sie sich schließlich in die geschlossene psychiatrische Abteilung der Berliner Charité einweisen. Dieser dritte Anlauf habe letztlich den entscheidenden Unterschied gemacht. Die Erfahrung sei so einschneidend gewesen, dass für sie klar gewesen sei, dort nie wieder landen zu wollen.
Seitdem richtet Baumeister ihr Leben konsequent auf ihre Abstinenz aus. Im ersten Jahr bat sie Freunde und Familie sogar darum, in ihrer Gegenwart keinen Alkohol zu trinken. Auch heute werde in ihrem Zuhause kein Alkohol aufbewahrt. Gleichzeitig wisse sie, dass die Gefahr nie vollständig verschwindet. "Es gibt jeden Tag einen Moment, in dem es kippen könnte", erklärte sie und nannte etwa Restaurantbesuche als mögliche Versuchung. Doch für sie stehe fest: Alkohol sei heute schlicht keine Option mehr.
Kritisch äußerte sich Baumeister außerdem über den Umgang mit Suchterkrankungen in der Unterhaltungsbranche. Während Männer nach alkoholbedingten Abstürzen häufig schneller rehabilitiert würden, habe ihr eigener Vorfall als Frau in der Branche deutlich stärkere Konsequenzen gehabt.