Anstecknadeln mit "ICE out"Musikstars attackieren US-Einwanderungspolitik bei Grammy-Verleihung

Die 68. Grammy Awards, einer der wichtigsten Musikpreise der Welt, stehen dieses Jahr im Zeichen des Protests. Mehrere Künstler äußern Kritik am ICE-Vorgehen. Bestes Album des Jahres wird eines, das nicht in englischer Sprache gesungen ist.
Musikerin Billie Eilish hat auf der Grammy-Bühne die US-Einwanderungspolitik scharf kritisiert. "So dankbar ich auch bin, ich habe ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, etwas anderes zu sagen als: Niemand ist illegal auf gestohlenem Land", sagte die 24-Jährige und erhielt dafür Jubel und Applaus aus dem Publikum.
"Es ist wirklich schwer zu wissen, was man jetzt sagen und tun soll", fuhr die US-Amerikanerin fort. "Ich bin voller Hoffnung in diesem Raum und habe das Gefühl, dass wir einfach weiterkämpfen, unsere Stimme erheben und protestieren müssen. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig. "Fuck ICE" ist alles, was ich sagen möchte."
Eilish und ihr Bruder Finneas O'Connell sind mit "Wildflower" für den Song des Jahres ausgezeichnet worden. Präsentiert wurde die Kategorie von Musikerin Carole King. Sie trug auf der Bühne eine Anstecknadel mit der Aufschrift "ICE out". Auch andere Künstler hatten einen solchen Button an ihre Kleidung geheftet.
Der aus Puerto Rico stammende US-Rapper Bad Bunny hat mit "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" den Grammy für das beste Album gewonnen. Es ist das erste Album komplett auf Spanisch, das diese Auszeichnung bekommt. Der Grammy in der Kategorie beste Dance-Pop-Aufnahme ging an Lady Gaga für ihren Elektropop-Hit "Abracadabra". US-Rapper Kendrick Lamar gewann den Preis für das beste Música Urbana Album sowie mit seinem Album "GNX" den Preis für das beste Rap-Album. Für seinen Song "EoO" erhielt Lamar den Preis für die beste Darbietung globaler Musik. Der Preis für die beste neue Künstlerin ging an die britische Sängerin Olivia Dean.
"Bevor ich Gott danke, werde ich 'ICE out' ('ICE raus') sagen", sagte der Latino-Rapstar Bad Bunny und erntete Beifall vom Publikum. "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden: Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner", fügte er hinzu.
Moderator witzelt über Trump-Unterstützerin Nicki Minaj
Der südafrikanische Comedian Trevor Noah startete seine sechste Grammy-Verleihung mit mehreren Seitenhieben gegen US-Präsident Trump. Noah hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass es seine letzte Grammy-Moderation sei. In den USA gebe es ein neues Trinkspiel, witzelte Noah bei der Gala in Los Angeles. "Jedes Mal, wenn man die Nachrichten anschaltet, trinkt man." Zudem sei "Anxiety" (auf Deutsch etwa "Sorge") - ein Song der Rapperin Doechii - nun die neue Nationalhymne des Landes.
Die Rapperin Nicki Minaj sei nicht bei der Veranstaltung, sagte er weiter. Sie sei im Weißen Haus und unterhalte sich mit dem US-Präsidenten über "wirklich wichtige Dinge" - zum Beispiel darüber, wer den größeren Hintern habe. Minaj hatte sich zuletzt öffentlich als Trump-Unterstützerin bekannt.
Rund 13.000 Mitglieder der Recording Academy entscheiden über die Preisträger. Eröffnet wurde die Zeremonie von einem gemeinsamen Auftritt der K-Pop-Sängerin Rose mit dem US-Sänger Bruno Mars.
Einsatzkräfte der Einwanderungspolizei ICE und Grenzschutzbehörde CBP führen seit Wochen in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota massive Razzien aus, bei denen sie teilweise mit brutaler Gewalt vorgehen. Bei Protesten gegen die Einsätze wurden in der Metropole zwei US-Bürger getötet: Der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti wurde vor einer Woche am Rande einer Abschiebe-Razzia in Minneapolis erschossen. Am 7. Januar ist die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good erschossen worden.