Unterhaltung

Frauen erheben Sex-Vorwürfe Opernstar Placido Domingo unter Beschuss

Diese Vorwürfe haben es in sich. Nicht nur, weil sie einen der größten Stars der klassischen Musik treffen. Sondern auch, weil an ihnen durchaus etwas dran zu sein scheint. Viele Frauen beschuldigen nun Placido Domingo der sexuellen Belästigung.

Placido Domingo gilt als einer der größten Opernstars unserer Zeit. Er hat mehr als 21 Millionen Tonträger verkauft. Er hat einen Stern auf dem Walk of Fame und die Ehrenmitgliedschaft an der Wiener Staatsoper. Er hat unzählige Auszeichnungen - von 21 Grammys und dem Echo für sein Lebenswerk über diverse Orden in verschiedenen Ländern bis zur Ehrendoktorwürde an Universitäten auf der halben Welt. Doch hat er auch viele Frauen sexuell belästigt und genötigt?

Jedenfalls stehen entsprechende Vorwürfe nun im Raum. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, der Spanier habe über Jahrzehnte Frauen sexuell bedrängt und beruflich abgestraft, wenn sie seine Avancen zurückwiesen. Die Agentur beruft sich dabei auf die Aussagen von acht Sängerinnen und einer Tänzerin.

Küssen und Grapschen

Eine der Zeuginnen erklärte demnach, Domingo habe ihr unter den Rock gefasst. Drei weitere Frauen sagten aus, der Opernstar habe sie zu Küssen gezwungen - in einer Garderobe, einem Hotelzimmer und bei einem Essen.

imago89498602h.jpg

Domingo steht seit über 50 Jahren auf der Bühne.

(Foto: imago/Scanpix)

"Ein Arbeitsessen ist an sich nicht ungewöhnlich", zitiert AP eine Sängerin. "Aber wenn jemand während eines Arbeitsessens versucht, deine Hand zu halten oder seine Hand auf dein Knie zu legen, ist das ungewöhnlich. Er hat einen immer irgendwie berührt und dich dauernd geküsst."

Die Darstellungen der Frauen würden sich in ihren Grundzügen gleichen, berichtet AP. So habe Domingo sie gegen ihren Willen häufig privat kontaktiert, sie zu einem gemeinsamen Essen oder Treffen im Hotel gedrängt. Zwei Zeuginnen erklärten, sie hätten sich kurzzeitig auf die Avancen eingelassen. Eine Frau sagte, sie habe zweimal Sex mit dem Star gehabt. Als Domingo einmal nach dem Geschlechtsverkehr gegangen sei, habe er ihr zehn Dollar ins Kleid gesteckt und dazu erklärt: "Ich will nicht, dass du dich wie eine Prostituierte fühlst, aber ich will auch nicht, dass du fürs Parken zahlen musst."

Warnungen von Kollegen

Viele der Zeuginnen erklärten, sie seien von Kollegen wiederholt davor gewarnt worden, mit Domingo allein zu sein. Laut AP kann keine der Frauen schriftliche Beweise wie etwa SMS-Nachrichten vorlegen. Die Aussagen seien jedoch gründlich auf ihren Wahrheitsgehalt gecheckt worden.

Lediglich eine der Frauen - Patricia Wulf, die mit dem Spanier in der Washingtoner Oper gesungen hat - will sich namentlich zu erkennen geben. Die anderen acht wollen aus Sorge vor möglichen Konsequenzen, auch angesichts des großen Einflusses Domingos in der Opernszene, dagegen anonym bleiben.

imago63732422h.jpg

Seine Karriere begann in den 60er-Jahren.

(Foto: imago/Leemage)

Laut AP gibt es noch ein halbes Dutzend weiterer Frauen, die von unangenehmen Zudringlichkeiten Domingos berichten. Eine von ihnen habe etwa erklärt, der Sänger habe sie immer wieder nach einem Date gefragt, nachdem er sie für eine Reihe von Konzerten während der 90er-Jahre gebucht hatte.

Galten damals andere Regeln?

Schließlich beruft sich die Nachrichtenagentur noch auf drei weitere Dutzend Sänger, Tänzer, Musiker, Backstage-Mitarbeiter, Stimmtrainer und Verwaltungsangestellte, die erklärten, sie hätten sexuell unangebrachtes Verhalten gegenüber jüngeren Frauen bei Domingo beobachtet. Der mittlerweile 78-Jährige nahm dazu gegenüber AP nur in einer schriftlichen Mitteilung Stellung: "Die Vorwürfe dieser namenlosen Personen, die sich auf Ereignisse vor 30 Jahren beziehen, sind extrem verstörend und in ihrer Darstellung unzutreffend", heißt es darin.

"Dennoch schmerzt es, zu hören, dass ich bei irgendjemandem für Ärger oder Unwohlsein gesorgt haben könnte - egal, wie lange das her ist und trotz meiner besten Absichten. Ich dachte, dass all meine Handlungen und Beziehungen stets willkommen und im gegenseitigen Einverständnis waren. Wer mich kennt oder mit mir zusammengearbeitet hat, weiß, dass ich niemand bin, der andere absichtlich schädigen, kränken oder beschämen würde", fährt Domingo fort. Gleichwohl stelle er fest, dass die Regeln und Standards, an denen man heute gemessen werde, andere seien als in der Vergangenheit.

Was an den Vorwürfen dran ist und welche Konsequenzen Domingo in dem Fall drohen, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Laut AP ist das Fehlverhalten des Sängers allerdings schon seit Langem "ein offenes Geheimnis in der Opernwelt".

Quelle: n-tv.de, vpr

Mehr zum Thema