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Die Hüterin der Wahrheit: Priscilla Presley.
Die Hüterin der Wahrheit: Priscilla Presley.(Foto: Richard Shotwell/Invision/AP)
Mittwoch, 02. November 2016

"Elvis ging immer Risiken ein": Priscilla Presley mag Helene Fischer

Treffen mit Priscilla Presley in einem Hotel in Frankfurt: Sie wirkt zierlich, ihre Haare sind rot gefärbt und sie ist weiß geschminkt, weil Elvis es so mochte. Und sie ist offen, herzlich und lacht auch mal verstohlen. Seit 1993 war die Elvis-Gattin nicht mehr in Deutschland - und das, obwohl sie den "King" als 24-Jährigen während seines Militärdienstes in Hessen kennen und lieben lernte. 50 Jahre ist es 2017 her, dass die beiden sich bei einer Geheimhochzeit in Las Vegas das Ja-Wort gaben. Die heute 71-Jährige kam nie wieder von ihm los. Dass sie jetzt nach Deutschland zurückgekehrt ist, liegt zum einen an der Tour "Elvis In Concert", die Priscilla im nächsten Mai präsentieren wird. Zum anderen an dem neuen Elvis-Album "The Wonder Of You", das mit dem Londoner Royal Philharmonic Orchestra eingespielt wurde. Es katapultiert den Rock'n'Roll-König fast 40 Jahre nach seinem Tod in Großbritannien auf Platz 1 der Charts. Rekord! Denn damit hat Elvis mehr Nummer-Eins-Alben als jeder andere Solokünstler - 13 insgesamt.

n.tv.de: Mrs. Presley, Sie haben Elvis 1959 als 14-Jährige bei einer Party in seinem Haus in Bad Nauheim kennengelernt. Damals soll er nicht in bester Verfassung gewesen sein.

Doch, seine Grundstimmung war gut. Es lag ja nicht an Deutschland. Er fühlte sich hier nur sehr allein. Seine Mutter war kurz bevor er nach Deutschland ging gestorben. Er trauerte. Ich habe ihn also in einer sehr verletzlichen Zeit seines Lebens getroffen. Aber wir kamen sofort super zurecht.

Sie kam nie von ihm los ..
Sie kam nie von ihm los ..(Foto: AP)

Sie haben ihn aufgebaut?

Ich war seine Zuhörerin. Er hat mir sein Herz ausgeschüttet. Er vertraute mir, das brachte uns eng zusammen. Als er zurück in die Staaten ging, konnten wir diese Vertrautheit konservieren. Er war in Amerika wieder mit den Aufnahmen von Musik und Filmen beschäftigt. Es war schwierig für ihn, in dem Umfeld Beziehungen aufzubauen. Ich bezweifle, dass er diese Verbundenheit, die zwischen uns war, jemals wieder mit einer anderen Person in seinem Leben hatte.

Sie haben über Ihre Zeit mit Elvis in Deutschland gesagt: "Tagsüber war ich eine Schülerin der neunten Klasse, nachts Elvis' Mädchen."

Ja, das war ein komisches Doppelleben, das ich führte. Besonders, weil ich unsere Beziehung geheim halten musste. Denn ich wusste, wie sehr Elvis seine Privatsphäre schätzte. Wir wollten, dass niemand es mitbekam. Lediglich eine Freundin von mir wusste davon. Sie war einige Male dabei, als er anrief, und ich bat sie dann immer, rauszugehen. Das machte sie neugierig. Und irgendwann vertraute ich mich ihr an. Sie ist heute noch meine Freundin.

Da gibt es dieses ikonische Foto, wo Sie am Flughafen stehen, um Elvis zu verabschieden. Waren Sie sich damals sicher, dass Sie ihn wiedersehen würden?

Nein, überhaupt nicht. Auch meine Familie hat keinen Cent drauf gegeben. Bevor Elvis und ich aus dem Auto stiegen, sagte er mir noch: "Ich will nicht dein trauriges Gesicht sehen, wenn ich in den Flieger einsteige. Also bitte lächele." Es war hart für mich, die Fassung zu bewahren. Als ich dann zurück in den Terminal ging, lauerten überall Fotografen. Ich grinste gezwungenermaßen, weil ich Angst hatte, dass ein trauriges Foto von mir veröffentlicht werden würde. Aber ich konnte nicht verhindern, dass mir der Titel "Das Mädchen, das Elvis zurücklies" gegeben wurde.

Aber er meldete sich tatsächlich wieder.

Ja, das hatte drei Wochen gedauert. Er berichtete mir, was bei ihm alles los sei und sagte mir, wie sehr er mich vermissen würde. Er schickte mir immer Vinyl-Singles mit romantischen Titeln, und ich tat das auch. So blieben wir in Kontakt.

1. Mai 1967 - der schönste Tag.
1. Mai 1967 - der schönste Tag.

Sie waren das schönste Liebespaar der Welt. Wie ist das eigentlich, mit einem der attraktivsten Männer der Welt verheiratet zu sein?

(kichert wie ein junges Mädchen) Ich habe ihn oft angestarrt, während er schlief. Er sah so wunderschön aus. Man konnte ihn nur anhimmeln. Aber er war auch ein toller Mensch. Das Problem war bloß, dass ich mich total seinem Leben unterordnen musste. An Liebe hat es nie gefehlt.

Wie würden Sie Elvis in drei Worten beschreiben?

Großzügig, fürsorglich und... (überlegt lange)

Ein guter Liebhaber?

Das wären ja fünf Wörter. (lacht) Ich nehme das Wort wundervoll.

Im August 2017 jährt sich sein Todestag zum 40. Mal. Sie haben seither keinen Tag ohne ihn verbracht, wenn man so will. Was ist der Nachteil daran, Priscilla Presley zu sein?

Es gibt einige. Mit dem Ruhm habe ich besonders zu hadern. Daran habe ich mich nie gewöhnt. Nicht, dass ich mich beschweren würde, aber die Sozialen Medien machen es echt hart. Früher war das alles erträglicher. Das ist heute eine andere Art von Journalisten und Medien. Es wird auf jede Kleinigkeit geachtet, jeden Fehler, das Aussehen, aus allem wird eine Geschichte gemacht. Man hat das Gefühl, die ganze Zeit beobachtet zu werden. Das war immer eine Herausforderung. Selbst für Elvis war das eine Herausforderung.

Freundschaftliches Verhalten am Tag ihrer Scheidung: Priscilla und Elvis am 10.10.1973.
Freundschaftliches Verhalten am Tag ihrer Scheidung: Priscilla und Elvis am 10.10.1973.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wie meinen Sie das?

Der Rummel um seine Person war der Grund, warum er nie wirklich vor die Tür ging. Er wollte nicht etwas essen und merken, dass ihn jemand dabei fotografiert. Dazu war er auch zu eitel. Er konnte die Zeit nicht wirklich genießen, wenn er irgendwo hinging, weil überall Fotografen waren. Es gibt einen Preis für den Ruhm, und Elvis hat ihn bezahlt. Berühmtheit ist ein Monster, mit dem du leben und umgehen musst. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass da ein bisschen mehr Nettigkeit in dem Monster stecken würde.

Schon 2016 haben Sie mit der Platte "If I Can Dream" Songs von Elvis mit dem Royal Philharmonic Orchestra neu einspielen lassen. Hat der Erfolg davon nun zu dem neuen Werk "The Wonder Of You" geführt?

Absolut. Der Erfolg gab uns erst die Berechtigung, ein bisschen weiter mit der Idee herumzuspielen, so dass es nun auch eine Tour mit Orchester geben wird. Ich wusste ja vorher nicht, ob das mit dem Orchester funktionieren würde. Aber nun ist erwiesen, dass Fans auf der ganzen Welt eine Wertschätzung für diese Art von Musik haben. Denn Elvis hatte neben dem Rock'n'Roll so viel mehr zu geben - wunderschöne Balladen zum Beispiel.

Was genau ist das Konzept von "The Wonder Of You"?

In erster Linie geht es darum, seiner Musik neues Leben einzuhauchen. Es sind aber nicht nur Hits, ich wollte auch die versteckte Seite von Elvis zeigen. "Don't" ist eines seiner ganz frühen Stücke, "Just Pretend" und "Starting Today" haben es nie wirklich in die Charts geschafft. Und "Kentucky Rain" war immer ein Lied, von dem Elvis dachte, er könnte mehr damit anstellen.

Elvis' Stimme klingt auf den Aufnahmen unglaublich klar und nah.

Ja, so wunderschön. Solch einen Sound zu haben, eingespielt von einem der besten Orchester der Welt, war ein Traum von Elvis. Leider war er zu Lebzeiten nicht in der Lage, diesen umzusetzen. Schuld daran war sein Manager Colonel Parker, der Elvis immer eingebläut hat: Du bist Rock'n'Roller, das mögen die Leute an dir am liebsten, dabei musst du bleiben. Aber Elvis wollte rausgehen und Risiken eingehen. Er wollte seine Musik mit anderen Genres aufmischen und den Sound größer machen mit Orchester. Das tut er jetzt. Dass seine Songs heutzutage immer noch so sehr gewürdigt werden, ist fast schon schockierend für mich.

 

Drei Mal Presley: Priscilla, Tochter Lisa Marie (r) und Riley Keough (m), Elvis' Enkelin.
Drei Mal Presley: Priscilla, Tochter Lisa Marie (r) und Riley Keough (m), Elvis' Enkelin.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sie haben hart dafür gearbeitet.

Oh ja, das stimmt.

Laut der aktuellen Forbes-Liste ist Elvis auf Rang 4 der toten Bestverdiener.

Ja, aber um diese Tatsache geht es mir gar nicht so sehr. Elvis hatte Zeit seines Lebens Angst, vergessen zu werden - dafür arbeite ich. Und dass er fast 40 Jahre nach seinem Tod immer noch zu den Bestverdienern gehört, liegt in erster Linie an Graceland. Es ist derzeit das zweitmeist besuchte Zuhause in den Vereinigten Staaten - gleich nach dem Weißen Haus in Washington.

Warum interessiert die Leute das immer noch?

Sie kommen, um etwas zurückzugeben, weil Elvis und seine Musik ihnen so viel gegeben hat. Sie legen Blumen auf sein Grab. Sie sind neugierig, wie er lebte und was er liebte. Graceland war der persönliche Zufluchtsort von Elvis. Sobald sich die Tore verschlossen hatten, sah man nicht mehr viel von ihm. Er blieb dann in seinem inneren Kreis - umgeben von seinen Freunden der "Memphis Mafia". So hatte er sich sein Leben eingerichtet. Die Menschen spüren den Geist von Elvis an diesem Ort. Auch ich fühle seine Präsenz dort immer noch. Wenn ich das Haus betrete ist es für mich, als wäre Elvis immer noch da. Da sind so viele Erinnerungen.

Als Elvis starb, war kaum noch Geld da.

Das ist richtig. Es war für seinen ausschweifenden Lebensstil draufgegangen und für die vielen Geschenke - denn Elvis war ein sehr großzügiger Mensch, der Autos und ganze Häuser verschenkte.

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Woher wussten Sie, dass die Öffnung von Graceland als Museum das Richtige ist?

Ich hatte kaum andere Möglichkeiten. Ich hätte es nicht ertragen, wenn der Staat uns gezwungen hätte, Graceland zu verkaufen - denn genau so wäre es gekommen. Mein Herz hätte geblutet, mitansehen zu müssen, wie das Haus in die Hände anderer Leute gefallen wäre. Besonders auch wegen meiner Tochter Lisa-Marie, die damals neun Jahre alt war. Elvis liebte Graceland, und er sagte, dass es für immer unser Zuhause wäre. Ich habe also getan, was getan werden musste. Den Widrigkeiten zum Trotz, denn alle in meinem Umfeld sagten mir, dass Graceland als Museum nicht funktionieren würde.

Sehen Sie eine Notwendigkeit, die Deutschen für Elvis wieder neu zu begeistern?

Eröffnung der Elvis-Ausstellung in Graceland 2015.
Eröffnung der Elvis-Ausstellung in Graceland 2015.(Foto: AP)

Ja, absolut. Elvis hat hier viel Zeit verbracht. Zwei Jahre war er hier als Soldat stationiert. Das Land hat ihn mit offenen Armen empfangen. Jeden Abend standen Schlangen von Menschen vor seinem Haus in Bad Nauheim. Da hing ein Schild, auf dem stand: "Elvis signiert von 18 bis 20 Uhr." Wenn wir nun mit der Tour "Elvis In Concert" nach Deutschland kommen, stellen wir Elvis den Nachkommen jener Leute vor, die ihn damals toll fanden. Ich weiß, dass er es geliebt hätte, hierher zurückzukommen. Denn nur wenige Wochen vor seinem Tod sagte er noch, dass er unbedingt in Europa auftreten möchte.

Um dem Ganzen mehr Aufwind zu geben, haben Sie Deutschlands Allzweckwaffe Helene Fischer auf den King angesetzt: Sie singt bei "Just Pretend" im Duett mit Elvis.

Jemand gab mir den Tipp, dass sie in Deutschland sehr populär ist und eine schöne Stimme hat. Ich finde, dass sie wundervoll zu Elvis passt. Nur wenige Leute können mit ihm mithalten. Oftmals fürchte ich bei potentiellen Duettpartnern, dass diese anstatt mit Elvis zu singen eher in Konkurrenz mit ihm treten. Nicht so bei Helene: Sie hat nicht nur eine sehr kraftvolle, wundervolle Stimme. Sie kommt auch sehr zärtlich und liebevoll rüber.

Und trotzdem hat es einen mittelmäßigen Shitstorm auf der Elvis-Facebook-Seite seitens der Fans gegeben. Was sagen Sie denen, warum das Duett trotzdem in Ordnung geht?

Warum sollte es falsch sein? Elvis liebte es, Leute in sein Haus einzuladen und mit ihnen im Duett zu singen. Und Elvis muss mit der Zeit gehen. Wir können ihn nicht stagnieren lassen. Deshalb probieren wir neue Sachen aus. Die Idee, dass etwas pur und unverfälscht sein muss, ist doch ein überholtes Konzept. So kann man nicht seinen Horizont erweitern, sich neu erfinden, innovativ sein oder Risiken eingehen. Elvis war wahnsinnig risikofreudig am Anfang seiner Karriere. Aber er wurde von seinem Manager in einen Käfig gesperrt.

Macht Sie solch eine Resonanz wütend?

Ja, denn Helene ist hier sehr populär. Sie hat eine wundervolle Stimme. Sie wurde dem wunderschönen Song gerecht. Der Song hat absolut die DNA von Elvis. Wenn wir zu wählerisch werden und ihn bevormunden, dann wäre ich auch nicht besser als die Plattenfirmen und das Management damals. Er wurde kleingeredet, indem man ihm sagte: "Das kannst du nicht machen." Und nun wollen seine eigenen Fans das tun? Nein! Glauben Sie mir, ich hätte das niemals gemacht, wenn ich nicht der absoluten Überzeugung wäre, dass es richtig ist.

Hätte er denn Schlager gemocht? Er hat immerhin gesungen "Muss i denn ..."

(singt weiter) ... muss i denn, zum Städtele hinaus". Ich kenne das Lied in und auswendig. Elvis liebte den Song. Er hatte so viel Spaß damit. Das ist doch Schlager, oder? Er war immer offen. Elvis hat sogar gejodelt.

Ob sie mal gedacht hat, dass sie eine Art Museumswächterin werden würde?
Ob sie mal gedacht hat, dass sie eine Art Museumswächterin werden würde?(Foto: AP)

Für eine Folge der TV-Show "American Idol" sang Céline Dion im Jahr 2007 mit einem täuschend echten Elvis-Hologramm im Duett. Dion führt das heutzutage immer noch in Las Vegas auf. Könnten Sie sich etwas Ähnliches für Helene Fischer und Elvis vorstellen?

Momentan gibt es dafür noch keine Pläne, weil wir noch nicht so weit sind. Es war damals sehr aufwendig, die Projektion so hinzubekommen, dass sie perfekt aussieht. Ausschließen will ich es aber nicht, dass sich Helene und Elvis als Hologramm auf der Bühne begegnen.

Sie werden selbst bei der Deutschlandtour dabei sein. In welcher Funktion?

Ich werde das Orchester auf der Bühne vorstellen, einige Geschichten über Elvis, seine Vielseitigkeit in der Musik und die Songs erzählen und natürlich auch über die Beweggründe, warum wir die Tour machen und warum Elvis das Gefühl hatte, dass er ein Orchester braucht. Wir werden Heimvideos zeigen, die den privaten Elvis zeigen. Aber der Grundgedanke ist wirklich, Elvis nach Europa zu bringen, weil er hier nie touren konnte. Näher als mit dieser Tour können wir dem Gedanken nicht kommen.

Mit Priscilla Presley sprach Katja Schwemmers

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Tour: Elvis In Concert – Das Original aus Graceland
15.5. Berlin, Mercedes-Benz-Arena
16.5. Oberhausen, König-Pilsener-Arena
20.5. Frankfurt, Festhalle
21.5. München, Olympiahalle
22.5. Wien, Stadthalle

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Quelle: n-tv.de

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