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"Der letzte Tango in Paris" Regisseur bestreitet sexuellen Missbrauch

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Maria Schneider soll beim Dreh zu "Der letzte Tango in Paris" nicht über eine Vergewaltigungsszene informiert worden sein.

(Foto: imago/Milestone Media)

Eine Zeitung gräbt ein altes Interview aus und plötzlich hören daraus alle, was zum Zeitpunkt des Erscheinens keiner so verstanden hatte: Die Vergewaltigung im Film "Der letzte Tango in Paris" soll echt gewesen sein. Nun spricht Regisseur Bernardo Bertolucci.

In einem Interview von 2013 soll der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci zugeben, seine damals 19-jährige Hauptdarstellerin Maria Schneider vorab nicht über die Vergewaltigungsszene in seinem Film "Der letzte Tango in Paris" informiert zu haben. Die Aufregung war entsprechend groß, als nun weltweit unzählige Medien, darunter auch n-tv.de, die Geschichte aufgriffen. Nun hat sich der heute 76-jährige Bertolucci erneut in der Sache geäußert.

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In einem Statement, aus dem etwa das Branchenportal "Variety" zitiert, erklärte Bertolucci, der Aufschrei basiere auf einem "lächerlichen Missverständnis" dessen, was wirklich passiert sei. "Vor Jahren fragte mich jemand am Cinemathèque Francaise nach den Details zu der berühmten 'Butter'-Szene. Ich habe erklärt, aber vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, dass ich zusammen mit Marlon Brando entschieden habe, Maria nicht darüber zu informieren, dass wir Butter verwenden werden. Wir wollten ihre spontane Reaktion auf diesen ungewöhnlichen Gebrauch [der Butter] hervorrufen."

"Ein wenig vergewaltigt"

Hier liege seiner Meinung nach das Missverständnis begraben. "Jemand dachte, dass Maria nicht über die Gewalt informiert gewesen sei. Das ist falsch. Maria wusste alles, weil sie das Skript gelesen hatte, in dem alles beschrieben war. Das einzig Neue war die Idee mit der Butter", so Bertolucci. "Viele Jahre später habe ich erst erfahren, dass es das war, was Maria verletzt hat. Nicht die Gewalt, mit der sie in dieser Szene konfrontiert war. Diese stand im Drehbuch."

Schneider selbst hatte sich vor ihrem Tod zu der umstrittenen Szene geäußert. 2007 sagte sie in einem Interview, sie habe sich "ein wenig vergewaltigt" gefühlt. "Ich hätte meinen Agenten oder einen Anwalt anrufen müssen und zum Set bestellen sollen, denn man kann jemanden nicht einfach dazu zwingen, etwas zu tun, das nicht im Skript steht, doch das wusste ich damals noch nicht."

Ob Schneider sich mit dieser Aussage auf die gesamte Szene oder lediglich den Aspekt der Butter bezieht, lässt sich dem Interview nicht eindeutig entnehmen. Nun also steht es Aussage gegen Aussage. Nur das Originalskript zum Film könnte wohl tatsächlich Klarheit schaffen.

Quelle: n-tv.de, ame/spot

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