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Nobelpreisträger für Literatur Schriftsteller V. S. Naipaul ist tot

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V. S. Naipaul (1932 - 2018)

(Foto: dpa)

Die Buchwelt trauert um einen scharfgeistigen Beobachter der Gegenwart: Sir V. S. Naipaul - der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2001 - hat seine Augen für immer geschlossen. Der gefeierte Autor starb in seiner Wohnung in London.

Der Literatur-Nobelpreisträger V. S. Naipaul ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Der ursprünglich aus dem Inselstaat Trinidad und Tobago stammende Autor mit indischen Vorfahren war im Jahr 2001 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Naipaul starb nach Angaben aus seinem Umfeld am Samstag in seinem Haus in London.

Der als "Humanist der Moderne" gefeierte Autor galt als feinsinniger Beobachter mit einem ungewöhnlich guten Gespür für die Zusammenhänge der modernen Welt. Zu den Werken des 1932 geborenen Schriftstellers mit indischen Wurzeln zählen neben Erzählungen und Novellen eine Reihe von Romanen, unter anderem "Ein Haus für Mr. Biswas", in dem Vidiadhar Surajprasad Naipaul, wie sein vollständiger Name lautet, seine Kindheit und das Leben auf der Insel Trinidad beschreibt.

Seine Novellen und Romane drehten sich unter anderem um Fragen der ethnischen Zugehörigkeit und der kulturellen Identität, um die Folgen der kolonialen Unterdrückung und um die "Entwurzelung und Verlogenheit des Menschen", wie es in einer Würdigung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" heißt.

Ins Deutsche übersetzt wurden neben "Ein Haus für Mr. Biswas" aus dem Jahr 1961 auch Titel wie "Herr und Sklave" von 1974 oder "An der Biegung des großen Flusses" von 1980. Den Literatur-Nobelpreis erhielt Naipaul "für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen", wie es damals in der Laudatio hieß. Bei seinem deutschen Verlag Hoffmann und Campe erschienen unter anderem auch Romane wie "Ein Weg in der Welt" aus dem Jahr 1995, "Land der Finsternis" von 1997 und "Auf der Sklavenroute" im Jahr 1999.

Naipaul scheute auch mit Blick auf die Politik nicht vor offenen Worten zurück. Für Aufsehen sorgte Ende der 1990er Jahre etwa seine scharfe Kritik an dem damaligen britischen Premier Tony Blair. Dieser sah sich so schwer getroffen, dass er Naipaul Berichten zufolge daraufhin als "Pirat" an der Spitze einer "sozialistischen Revolution" bezeichnete, die nichts weniger als das "Ideal der Zivilisation" in Großbritannien zerstören wolle.

Naipaul sei friedlich und zuhause gestorben, teilte seine Frau mit. "Er war ein Riese in allem, was er erreicht hat, und er starb in Kreis seiner geliebten Menschen, nachdem er ein Leben voll wunderbarer Kreativität und Streben gelebt hatte", heißt es in einer Erklärung von Lady Naipaul. Ihr Mann war 1989 in Großbritannien für seine Verdienste in den Ritterstand erhoben worden.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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