Unterhaltung

Tumulte bei Puccinis "Turandot"Star-Tenor fällt aus - Londoner Operndirektor springt ein

29.01.2026, 16:57 Uhr
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Extrem schwierige Tenorpartie: Roberto Alanga in einer früheren "Turandot"-Aufführung. (Archivbild) (Foto: AFP)

In der Londoner Royal Opera ist die Not groß. Nach dem zweiten Akt von Puccinis "Turandot" fällt der Star-Tenor des Abends plötzlich aus. Damit das Drama seinen Abschluss finden kann, springt der Musikdirektor in Turnschuhen ein. Nicht alle im Publikum sind entzückt.

Auftritt in Kapuzen-Shirt und Turnschuhen statt im Theaterkostüm: Der Musikdirektor der Londoner Royal Opera ist mitten in der laufenden Vorstellung für den plötzlich erkrankten Star-Tenor Roberto Alagna eingesprungen. Wie die "Times" berichtete, war Alagna nach dem zweiten Akt von Puccinis "Turandot" am Dienstagabend wegen Unwohlseins ausgefallen und konnte die Aufführung nicht zu Ende bringen.

In Rekordzeit musste ein Ersatz für die herausfordernde Rolle gesucht werden - und wurde schließlich in Person von Musikdirektor Richard Hetherington gefunden. Bevor der Vorhang sich zum dritten Akt hob, kam ein Mitarbeiter auf die Bühne und erklärte dem Publikum, dass die Vorführung weitergehe - allerdings werde die Figur des Prinz Calàf nicht zu sehen sein, da sie von einem Nicht-Opernsänger übernommen werde.

Noch in seiner üblichen Arbeitskleidung stand Hetherington hinter dem Vorhang und sang, während die Choreografin des Stücks im Kostüm auf der Bühne die Bewegungen des Prinzen Calàf vollführte. Dem Bericht zufolge waren nicht alle Zuschauer mit der Notlösung zufrieden: Einige Besucher seien in Buh-Rufe ausgebrochen, weil die berühmteste Arie des Stücks - "Nessun dorma" - ausgelassen wurde, hieß es in der "Times".

"Bei all den jungen Tenören, die das seit ihrer Pubertät unter der Dusche singen, hattet ihr niemanden, der Roberto Alagna für Nessun dorma ersetzen konnte?" ereiferte sich eine enttäuschte Besucherin im Onlinedienst X. Eine Sprecherin des Royal Opera House sagte der Nachrichtenagentur AFP, den Besuchern sei per Mail eine Rückzahlung von 50 Prozent ihres Ticketpreises angeboten worden.

Allerdings werteten nicht alle Besucher den mutigen Einsatz des Musikdirektors derartig ungnädig. Die "Times" schildert die Reaktion der Besucherin Katy Daly aus Richmond, die Hetherington von ihrem Balkonplatz aus sehen konnte. "Er hatte offensichtlich einen vollen Arbeitstag hinter sich, und dann sollte er buchstäblich mit zehn Minuten Vorwarnung eine der schwierigsten Tenorpartien singen, die Puccini je geschrieben hat. Ich dachte nur: 'Wow, dieser Mann verdient eine Medaille.'" Als die Arie dann ausfiel und das Publikum in Buh-Rufe ausbrach, habe sie gedacht: "Das ist einfach nur peinlich. Wie können sich Menschen nur so benehmen?" Hetherington habe eine "wunderbare" Stimme, sagte sie, das Publikum habe sich dann beruhigt.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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