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"Ich liebe eine Frau" TV-Star Christina Hecke outet sich

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Acht Jahre lang hat Christina Hecke ihre Beziehung zu einer Frau geheim gehalten. Damit ist jetzt Schluss.

(Foto: imago images/Future Image)

Vor der Kamera mimt Christina Hecke unter anderem die Frau an der Seite von Henning Baum und Til Schweiger. Privat lassen sie Männer allerdings kalt, wie sie jetzt mit ihrem Buch öffentlich macht. Und sie stellt auch gleich noch ihre Ehefrau vor.

In der Komödie "Hot Dog" spielte Christina Hecke die Frau von Til Schweiger, bekam danach mit ihm sogar eine Beziehung angedichtet. In der Sat1-Serie "Der letzte Bulle" ist sie mit der von Henning Baum gespielten Titelfigur liiert. In ihrem Privatleben trägt der Mensch an ihrer Seite allerdings den Namen Stefanie Henn.

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Die Schauspielerin hat eben ein Buch mit dem Titel "Mal ehrlich - Mein Blick hinter unser Leben" veröffentlicht und nimmt das zum Anlass, sich zu outen. Wie sie in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung verrät, ist sie bereits seit zwei Jahren mit der Berliner Fotografin Stefanie Henn verheiratet.

Schon mit sechs Jahren habe sie gemerkt, dass sie anders sei als andere Mädchen, berichtet Hecke in dem Gespräch. Damals habe sie sich an Weihnachten heimlich in den Keller verdrückt. "Ich hatte total Freude an Werkzeug und Basteln. Im Keller hatte mein Vater an der Wand Werkzeug und da stand ein altes Radio, das habe ich auseinandergebaut. Für mich war es der absolute Oberknaller, dass es wieder funktionierte, als ich es zusammengebaut hatte. Davon war ich total fasziniert. Dann bin ich natürlich stolz wie Oskar zu meiner Familie gegangen und habe das erzählt. Und der erste Spruch war: 'An dir ist ein Junge verloren gegangen!' Dann dachte ich nur: 'Was soll ich damit jetzt anfangen?!'"

Auflehnung gegen Rollenklischees

Das zweite einschneidende Erlebnis fand ebenfalls an Weihnachten statt, wie Hecke weiter erzählt. Damals bekam sie eine pinkelnde Puppe namens Doris geschenkt, die man wickeln und füttern konnte. Für sie der absolute Albtraum. "Ich habe es einmal ausprobiert und fand es vollkommen albern. Ich habe Doris die Haare abgeschnitten und sie in die Ecke gepackt. Das war mein Erlebnis mit ihr. Nur eines von vielen Rollenklischees, mit denen man mich versucht hat zu konfrontieren. Ich wollte lieber die Welt entdecken und nicht in ein Korsett geschnürtes, funktionierendes, rosa angezogenes Tanzbärchen sein. Ich glaube, meine Eltern waren einfach irritiert und es waren Erwartungen da, die ich nicht erfüllen konnte oder wollte."

Den ersten Sex mit einem Mann hatte Hecke mit 13 Jahren. "Viel zu früh. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich schon im Erwachsenen-Club spiele, auch wenn in meinem Kinderzimmer auf der Heizung noch ein Teddybär saß. Das war eine ganz merkwürdige Erwachsenwerden-Phase. Für mein Empfinden ist Sexualität so überbewertet im Verhältnis zu wahrer Intimität. Das Einzige, was wir kennen, ist diese körperliche Nähe. Sex ist wie ein Kompensationsmittel. Und ich hatte irgendwie das Gefühl: Ich will da jetzt auch mitmachen!" Mit 14 Jahren verunglückte sie, als sie nach einem Hörsturz den Bus nicht hörte, versuchte mit 15, sich das Leben zu nehmen. "Ich konnte die Grätsche zwischen dem Gefühl von Wahrheit und meiner Lebensrealität nicht mehr aushalten. Ich hatte das Gefühl, wie ein hautloses Geschöpf in dieser Welt unterwegs zu sein. Ich fand, dass die Leute alle verroht sind."

Veränderungen nach Nahtoderfahrung

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2008 hat Christina Hecke dann einen weiteren schweren Unfall und eine Nahtoderfahrung, lag zehn Tage im Koma. Seither hat sich für Hecke vieles verändert, wie sie im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung weiter verrät: "Mein Bewusstsein ist geschärft, und ich wehre mich nicht mehr dagegen. Ich habe erkannt, dass Höflichkeit die hübscheste Form der Boshaftigkeit ist. Ich musste einfach lernen, mich davon freizumachen, gemocht zu werden. Aber das ist eine sehr schöne Erfahrung und ein ziemlich guter Weg."

Auf diesem Weg geholfen hat ihr ihre Ehefrau Stefanie Henn, der sie im Vorwort ihres Buches dankt. "Meine Frau Steffi hat auf ihre Weise auf ihrem Lebensweg erkannt, dass es nicht der richtige Weg ist, die eigene Sensibilität zu leugnen. Und auf diesem Weg haben wir uns gefunden. Unsere Beziehung ist nur deshalb eine so tiefe Liebe, weil wir beide die Wahrheit als oberstes Prinzip fahren. Und nicht irgendein romantisches Tüdellü, ein schönes Frühstück hier und eine tolle Reise da. Das interessiert uns nicht. Wir haben uns für den Weg entschieden, zu sagen, unsere Seele darf der Kapitän sein und nicht das Modell 'Funktionieren müssen'."

Seit acht Jahren sind Hecke und Henn ein Paar, seit zwei Jahren auch verheiratet. Bislang hielt die 40-Jährige ihre Liebe geheim, doch damit soll nun Schluss sein. "Ich kann kein ehrliches Leben führen, wenn ich an einer Stelle immer lüge. Ich habe mich nicht für ein Coming-Out, sondern für die Wahrheit meiner Liebes-Beziehung entschieden. Ich liebe eine Frau, na und? Ich wollte die Liebe zu meiner Frau nicht länger verschweigen. Und ich wollte einen Referenzpunkt für andere anbieten." Und macht sie sich Sorgen über die Auswirkungen, die das auf ihren Job haben könnte? "Die Angst bietet sich immer an. Oh Gott, man könnte mich nicht mehr mögen! Ich könnte Jobangebote oder Follower verlieren. Aber ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht: Wenn ich mich für Angst entscheide, dann entscheide ich mich für das Gefängnis. In dem Moment, wo ich mich für die Kraft entscheide, entscheide ich mich für die Freiheit."

Quelle: ntv.de, nan