Unterhaltung

Der Eismacher Wenn Kilian Kerner einen "Day Off" hat

kkjella2.PNG

Liebe ist Liebe ist Liebe: Emma Dragunova, Kilan Kerner und Jella Haase.

(Foto: robin kater)

Nach seinem Laufsteg-Comeback im Januar kündigt Kilian Kerner nun seine nächste Show im Rahmen der Berliner Fashion Week an. Er zeigt unter dem Namen KXXK seine neue "watch & buy" Kollektion "Day Off & der erste Moment". Es geht um Sommer, Sonne und einen freien Tag - einen Tag, von dem alle träumen, an dem man machen kann, was man will. An einem solchen Tag könnte sogar eine Begegnung zweier Menschen zum ersten Moment einer großen Liebe werden. Kilian Kerner, der Kapuzenpullover und Cola light liebt, fühlt sich frei, das spürt man, denn er hat es sich bewahren können, beim Entwerfen einfach nur das zu machen, was er möchte. Über die Liebe, darüber, wie es ist Dozent zu sein, warum er auf dem Regiestuhl gesessen hat, seine große Liebe Tennis und sein Lieblingseis hat n-tv.de mit dem 40-Jährigen gesprochen.

n-tv.de: What's new, Kilian??

Kilian Kerner: Oh je, so viel! Ich habe eine neue Kooperation mit Eiscreme-Kultmarke Häagen Dasz. Es gab einen Aufruf: "Design the Extraordinary" - angelehnt an "Project Runway" - dadurch wurde ich zum Mentor von 30 Studenten aus dem Lette-Verein. Die Aufgabe war, sich von den Verpackungen einzelner Sorten der Top-Seller, die von Künstlern bereits neu gestaltet wurden, inspirieren zu lassen. Die jungen Talente sind in sechs Gruppen aufgeteilt, also zu fünft, und müssen zusammen jeweils eine Kollektion zum Flavour entwerfen. Mit der Vorgabe "Evening Wear", "Men's Wear", "Unisex", "Women's Wear" und so weiter.

kkeis.PNG

Der Designer als Dozent - Neues reizt Kilian Kerner immer.

(Foto: robin kater)

Und was ist deine Aufgabe?

Ich begleite sie über die Wochen und stehe mit Rat und Tat zur Seite. Die Studenten sind vom 1. bis 4. Semester.

Was ist das Schönste an dieser Aufgabe?

Meine Erfahrungen weiterzugeben! Der Designprozess ist durch, gerade hatten wir das erste Fitting und am 6. Juli wird das Ganze vor der Mercedes Benz Arena live präsentiert und die Gewinner gekürt.

Welche Rolle spielt das Eis für deine Kollektion?

Das ist ja alles zeitgleich entstanden. Meine Kollektion heißt "Day Off - der erste Moment" und eine meiner größten Inspirationsquellen ist das Eis. Ich erwecke quasi Eis zum Leben auf dem Catwalk.

Bei den jetzigen Temperaturen sicher nicht verkehrt. Was werde ich denn anziehen können, wenn mir nach "Salted Caramel" ist oder "Cookies & Cream"?

Mit "Salted Caramel" fängt die Show an, das ist auch mein Lieblingseis. Es wird wild und laut. Ich habe mich dabei gefragt, was man gerne an seinem freien Tag macht. Und ich hab mich gefragt, ob man seiner großen Liebe an einem freien Tag begegnen könnte und wie das dann aussähe.

Die Idee kam dir sicher, als du selbst frei hattest, oder?

Genau. Sonntagmorgen im Bett und der Gedanke: "Geil, heute hast du frei!" Und dann dachte ich, zu dem Thema könnte ich mal 'ne Kollektion entwerfen.

Was machst du zuerst an einem freien Tag?

Ich versuche, keine E-Mails zu beantworten, sehr wenig zu reden, ich gucke Netflix und spiele Tennis. Tennis ist nach wie vor auch eine wirklich große Inspiration für mich.

Das heißt, die Kollektion sieht wie aus?

Eine Mischung aus sehr elegant und sportlich. Ich dachte am Anfang auch wirklich, dass es ruhiger wird, aber im Gegenteil, alles wird sehr laut (lacht).

kkstudents.PNG

Teamarbeit - oft gar nicht so einfach für einen Designer, aber immer gut!

(Foto: robin kater)

Eis assoziiere ich tatsächlich eher mit Ruhe, mit Gemütlichkeit …

Gemütlich ist die Kollektion trotzdem, aber es ist ein wilder Mustermix geworden, sehr viele Prints, und es geht auch viel um den ersten Moment, wenn du jemanden triffst, in den du dich verliebst. Das löst ja ein Feuerwerk aus - und das ist da alles reingeflossen in die Stücke.

Du bist ja sehr kooperationsfähig - wie passiert dir das immer wieder?

Ich weiß es auch nicht. (lacht) Aber ich freue mich darüber jedesmal wirklich sehr. Vielleicht merkt man einfach, dass ich hochprofessionell arbeite. Außerdem habe ich eine echt gute Managerin. Das, was ich mache, ist glaubwürdig und wird mit Leidenschaft umgesetzt. Und ich mache immer ein bisschen mehr als nötig, vielleicht ist das das Geheimnis. Die anderen Dozenten im Lette-Verein haben mir jedenfalls gesagt, dass ich mich sehr involviere. Und die Studenten haben sich gut aufgehoben gefühlt, obwohl das etwas komplett Neues für mich war.

Was war die beste Erfahrung daran, den anderen auf den Weg zu helfen?

Dass ich gemerkt habe, was ich bisher alles gelernt habe im Laufe der Zeit. Und dass ich das nun weitergeben kann. Es ist ja nicht einfach, zu mehreren Designern eine Kollektion zu entwerfen, das muss Hand in Hand gehen. Da muss man sein Ego rausnehmen und das fiel einigen nicht so leicht. Dafür habe ich aber Verständnis, das würde es mir auch nicht.

Könnte man bei dir als Dozent durchfallen?  

Ja, schon, wenn mir die Arbeitseinstellung nicht gefällt. Und die Ausrede, man hat viel zu tun, gilt nicht, denn es ist ja für alle gleich. Manchmal muss man eben die Nacht durcharbeiten. Die Realität ist kein Ponyhof, da gibt es Vorgaben und es geht nicht immer nur um das Ego eines Designers.

Du bist das beste Beispiel dafür, wie man klarkommt, wenn man viel zu tun hat.

Stimmt. Ich zeige eine eigene Kollektion auf der Fashion Week im E-Werk, dann die Party, dann das Event vor der Mercedes Benz Arena, der Onlineshop startet zwei Tage nach der Präsentation, dann noch der Film …

Der Film?

kkjella.PNG

Diese eine Liebe wird nie zu Ende geh'n - wann werd' ich dich wiedersehn'n? Tja, das fragten sich schon Die Ärzte 1988 ...

(Foto: robin kater)

Den bringen wir eine Woche nach der Show. Es geht um ein frisch verliebtes, lesbisches Paar - Jella Haase und Emma Drogunova - das einen "Day Off" miteinander verbringt. Ich habe Regie geführt. Und war dabei schon so glücklich! Diese Liebe, die die beiden spielen, die kann sich jeder Mensch nur wünschen. Ist nur drei Minuten lang, aber wie ein Kinofilm! Ein kleiner. (lacht)

Apropos Liebe - wie steht es darum denn bei dir?

Es gab jemanden und das merkt man der Kollektion auch an, denke ich. Leider musste er beruflich dann wegziehen und naja, das war's dann leider. Es war gerade so richtig am Entstehen, aber eine Fernbeziehung kann ich mir nicht vorstellen. Ich brauche den Alltag mit jemandem, das liebe ich, doch dieses Warten auf jedes zweite Wochenende, das schaffe ich nicht. Ist aber alles nicht schlimm, denn es hat mich zu etwas Gutem inspiriert. Hätte ich ihn nicht kennengelernt, dann wäre die Kollektion sicher nicht so fröhlich geworden, es ging mir einfach richtig gut. Das war es also wert (lacht).

Klingt vernünftig …

Ja, ich habe gelernt, dass ich mich nicht mehr in etwas verlieren darf, das keinen Sinn hat. Das ist für mich dann ok. Es war eine wunderbare Zeit. Und ich liebe es auch, mich zu binden, nicht "unzuverlässig" zu sein. Das ist etwas Schönes. Ich möchte auf jeden Fall einmal das haben, was wir in dem Film zeigen.

Du bist also nicht demotiviert oder frustriert?

Nein, gar nicht. Es ist schwer, in Berlin jemanden zu finden, mit dem man sich verbunden fühlen kann. Meine Mutter sagt immer, dass ich mich mal wirklich auf jemanden einlassen soll. Aber ich weiß jetzt, nach dieser letzten Erfahrung, dass ich dazu in der Lage bin!

Zurück zur Kollektion: Die Sachen sofort im Onlinestore bestellen zu können, ist ja toll für die Konsumentin, aber der absolute Stress für dich und dein Team, oder?

Naja, wird sind darauf vorbereitet. Einige Sachen werden vorproduziert, bei anderen sammeln wir die Bestellungen erst und dann geht es in die Produktion. Das hat beim letzten Mal ja auch funktioniert.

Wie groß ist dein Team?

So 20 bis 22 Leute, auf die ich mich total verlassen kann! Da sind alles freie Mitarbeiter, die mir wiederum große Freiheit geben.

kilian_shopper2.png

Zuletzt erfolgreich mit der Koffer- und Taschenmarke Samsonite ...

(Foto: Kilian Kerner/ Samsonite)

Ich bin wirklich neugierig: Wie sehen die Eiscreme-Stücke letztendlich aus?

Ich habe so Schlagwörter wie "crunchy", "velvet", "crispy", fließend, "schmelzend" vor Augen gehabt, und die Schnitte sind schon klassisch, mit kleinen Details. Es gibt romantische Kleider, coole Prints, auf jeden Fall sehr sommerlich. Es hat mich extrem inspiriert und hat Spaß gemacht. Und es wurden immer mehr Outfits, die ich aus Eis gemacht habe.

An wen denkst du, wenn du entwirfst?

Ich glaube, meine Mode ist jünger geworden, aber ich habe niemanden besonders mehr im Blick. Ich habe gar keine Zwänge. Es soll tragbar sein, nicht zu irre (lacht). DIE Kundin gibt es nicht.

Bist du wieder ähnlich drin im Fashion-Zirkus wie früher? Du hattest ja ein Pause gemacht und dich bewusst distanziert.

Es hat jetzt eine ganz andere Qualität für mich: Ich arbeite viel, aber ich nehme mir auch die Zeit, Dinge zu tun, die mir Kraft geben. Ich gehe Tennis spielen, ins Fitnessstudio, telefoniere mit meinen Freunden, versuche, einen Tag nichts zu tun. Das klappt nicht immer. Aber oft mache ich den Computer abends auch mal aus, anstatt mir den Kopf so zuzuballern, dass ich nicht einschlafen kann. Ich habe in den letzten drei Jahren gemerkt, was mir Kraft bringt und was mir Kraft raubt. Ich lasse mich nicht mehr unter Druck setzen und setze mich auch selbst nicht unter Druck. Ich muss niemandem gefallen. Es muss mir  gefallen und denen, die es kaufen wollen, aber es kann mir egal sein, was ein Einkäufer zu der Kollektion sagt, denn ich bin ja unabhängig von Läden.

Klingt nach einem vernünftigen Plan.

Man muss nicht immer überall sein! Was ich am meisten brauche, ist Zeit, in der ich nicht sprechen muss! Ich bin gern mal Sonntag allein. Außer vielleicht mit meinem Trainer auf dem Platz (lacht). Aber ich rede dann eben nicht. 

Mit Kilian Kerner sprach Sabine Oelmann

Kilian Kerner zeigt seine Kollektion "Day Off" am 1. Juli um 21.30 Uhr im ewerk in Berlin.

Quelle: ntv.de