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Auf den Spuren Agatha Christies Wenn der Orient-Express wieder rollt

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Alle bitte einsteigen - der Orient-Express ist wieder unterwegs.

Christina Martin / Fox Entertainment Group

Den Orient-Express umweht ein mystischer Hauch. Ein Hauch, den sich schon Agatha Christie zunutze macht, als sie ihn 1934 zum Tatort erwählt. Anlässlich des Heimkinostarts von "Mord im Orient-Express" kommt der Zug wieder auf die Schiene - ein besonderes Erlebnis.

"Plötzlich gab es einen Ruck. Beide Männer drehten sich rasch zum Fenster um und sahen den langen, erhellten Bahnsteig langsam vorbeiziehen. Der Orient-Express hatte seine Dreitagereise quer durch Europa angetreten."

Mit diesen Worten nimmt die Handlung in Agatha Christies Roman "Mord im Orient-Express" Fahrt auf. Als die legendäre Krimibuchautorin ihr Werk Anfang 1934 veröffentlicht, ist der Orient-Express der "König der Züge" und der "Zug der Könige". Quer über den Kontinent reicht sein Streckennetz - von Paris über München, Wien und den Balkan bis nach Budapest, Bukarest und Istanbul. Und sein Innenleben ist - für damalige Verhältnisse - der pure Luxus: Waggons aus Teakholz, Fensterrahmen aus Mahagoni, Bettlaken aus Seide, Besteck aus Silber und Sanitäranlagen aus Marmor sind nur einige der spektakulären Highlights, die die Fahrgäste erwarten.

Bildschöne Frauen und königliche Hoheiten

Die Passagierlisten wiederum setzen sich aus dem Who is Who der High Society zusammen - oder zumindest denen, die sich ihr zugehörig fühlen. Der "Spiegel" etwa charakterisiert die Schar derer, die regelmäßig im Orient-Express einchecken, 1948 so: "In Nerz gekleidete Geheimagentinnen, Herren mit Monokel und Bärtchen, undefinierbare Häuptlinge irgendwelcher Volksstämme, bildschöne Frauen, von denen niemand weiß, wovon sie leben, königliche Hoheiten auf der Flucht und indische Maharadschas."

Doch auch Agatha Christie gehört dazu. Sie selbst durchquert erstmals in den 1920er-Jahren Europa mit dem Orient-Express. Zu ihrem Roman, in dem ihr Meisterdetektiv Hercule Poirot einem Komplott an Bord des Zuges auf die Spur kommt, inspirieren die Starautorin dabei zwei reale Ereignisse: zum einen die Entführung des Sohns von Flugpionier Charles Lindbergh, zum anderen ein katastrophaler Schneesturm, der den Orient-Express 1929 in der Türkei zum Erliegen bringt. Mehrfach wird Poirots Paradefall bis heute auch auf die Leinwand gebannt. Jüngstes Beispiel: die Verfilmung von Starregisseur Kenneth Branagh. 2017 kommt seine Version von "Mord im Orient-Express" ins Kino. Jetzt gibt es den Streifen als DVD, Blu-Ray und digitalen Download.

"Dann wird es aber ungemütlich"

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Hier lässt es sich speisen.

(Foto: Christina Martin / Fox Entertainment Group)

"Nein, der Film wurde nicht in den Originalwaggons gedreht, sondern in England", erklärt Edouard Vappereau, Event-Manager in Diensten der staatlichen französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, mit Blick auf die neueste Agatha-Christie-Adaption. "Die Waggons, die man im Film sieht, sind Nachbildungen, die größer als die Originale sind - das machte es für die Kameras einfacher."

Während uns Vappereau dies erzählt, sitzen wir mit ihm an einer gedeckten Tafel, die wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Nicht irgendwo, sondern zwischen Paris und Reims - im Speisesaal eines Zugs, der aus sechs echten Orient-Express-Waggons aus den 1920er-Jahren besteht. Ganz so, wie wohl auch Agatha Christie die Reise seinerzeit erlebt hat. Bei Höchstgeschwindigkeiten von rund 130 km/h ruckeln wir angenehm vor uns hin. "Er könnte bis zu 160 km/h fahren", verrät Vappereau. "Dann wird es aber ungemütlich. Die Tische und Stühle würden richtig zu wackeln beginnen."

Touristenattraktion in spe

Nachdem 2009 auch die allerletzte Orient-Express-Verbindung eingestellt worden war, begann die SNCF 2015 damit, einige alte Waggons originalgetreu wiederherzurichten. Rund 20-mal pro Jahr schickt sie diese nun wieder auf die Schienen - jedoch nur für Geschäftskunden, Pressevertreter und spezielle Events. Individuell lassen sich keine Tickets für die Orient-Express-Erfahrung buchen. Noch nicht, wie Vappereau betont. Dazu seien erst noch weitere Arbeiten, etwa an der Technik des Zuges, vonnöten. "Wie man sehen kann, ist es eine alte Dame. Sehr schön, aber auch mit einigen Macken. Wir wollen allerdings perfekt sein."

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Eine Runde Chillout gefällig?

(Foto: Christina Martin / Fox Entertainment Group)

Dass es noch viel perfekter geht, fällt schwer zu glauben, wenn man sich einen Waggon weiter in einen der flauschigen Ohrensessel plumpsen lässt. Und so lässt sich prophezeien, dass das Gefühl, einmal für ein paar Stunden ein König im "Zug der Könige" zu sein, bald zu einer veritablen Touristenattraktion werden dürfte. Und keine Sorge: Mordgedanken wollen dabei keine aufkommen. Ein Verbrechen, wie es Agatha Christie in ihrem Roman beschrieben hat, hat es nach allem, was bekannt ist, im Orient-Express nämlich nie gegeben.

Der Film "Mord im Orient-Express" ist ab sofort als DVD, Blu-Ray und Download erhältlich.

Mord im Orient-Express [dt./OV]
EUR 8,98
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de