Unterhaltung

"Wie ein Becken voller Broker" Wieso Kontra K die Musikbranche nicht mag

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Wenn Kontra K einmal Leinwand gegen Bühne eintauscht, dann muss die Rolle auch passen.

(Foto: imago images / STAR-MEDIA)

Kontra K zählt zu Deutschlands erfolgreichsten Rappern. Die letzten vier Alben stürmen alle gleich auf Platz eins der Charts. Manipulationen über Streaming-Dienste sind nicht das einzige, was den gebürtigen Berliner an der Musik-Branche stört. Im Interview mit n-tv.de erklärt er außerdem, warum ihm der Tierschutz so wichtig ist und eine Schauspielkarriere vorerst noch warten muss.

n-tv.de: Mit Rock am Ring und Rock im Park hat für dich der Festival-Sommer begonnen. Überwiegt bei dir die Vorfreude oder die Gewissheit, dass viel Stress auf dich zukommt?

Kontra K: Sowohl als auch. Was das betrifft, bin ich ein richtig perfektionistischer Arsch. Ich mag meinen Job, aber ich will ihn auch gut machen. Wir haben sehr viel geprobt und ein neues riesiges Bühnenbild. Da muss man sich erstmal richtig eingrooven.

Dein Album ist zum vierten Mal in Folge auf Platz eins der Album Charts gestartet. Wärst du enttäuscht gewesen, wenn es nicht so gekommen wäre? Immerhin hast du gleich mal Rammstein vom Thron gestoßen.

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Nein, wäre ich nicht. Wenn ich das Zepter abgebe, dann an so eine Band. Mit Rammstein um Platz eins zu buhlen, ist doch die größte Ehre überhaupt. Das ist wie ein Ritterschlag. Ich hab ohnehin schon mehr erreicht, als ich mir erhofft habe.

Sarah Connor hat dich dann mit ihrem neuen Album von Platz eins verdrängt. Dabei hat die provokante erste Liedzeile für Schlagzeilen gesorgt: "Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt" beginnt ihre Single "Vincent". Viele Radiosender haben den Song deswegen aus dem Programm genommen. Was hältst du von diesem Song-Einstieg?

Das war bestimmt gewollt. Es ist schade, dass man bei Künstlern immer eine Story braucht, weil die Leute sonst vergessen, wer der Typ überhaupt ist. Das ist schade, aber auch Ansporn, bessere Musik zu machen. Wenn du gute Musik machst, brauchst du keine krasse Presse.

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In deinen Alben lag immer schon ein Schwerpunkt auf dem Thema "Motivation". Im neuen Album sind die Songtexte viel hinterfragender und kritischer gegenüber der gesamten Musik-Branche.

Ich mag die Branche nicht. Es sind viele Menschen, die nicht die Liebe für das teilen, was sie vermarkten. Es ist wie ein Becken voller Broker. Und in dem Becken schwimmen Aktien, die aus Liebe zur Musik alles tun. Die Broker zerreißen das, indem sie einen Wert dafür bestimmen.

Wenn du die Branche schon mit einer Art Aktienhandel beschreibst, dann wird dich die Doku zu Chart-Manipulationen über Streaming-Dienste sicher nicht überrascht haben?

Überhaupt nicht. Es liegt in der Natur aller Lebewesen, sich den leichtesten Weg zu suchen, um an Nahrung zu kommen. Im Tierreich ist es Nahrung, beim Menschen ist es Knete. Wenn du es runterbrichst, endet es mit einem vollen Kühlschrank. Der Mensch ist natürlich schlauer und geht das ein bisschen durchtriebener an. Ich bin Sportler, meine Ehre würde so eine Manipulation ankratzen. Ich hab' echte Fans und das sieht man vor der Bühne.

Ich glaube, Spotify sollte da einfach besser aufpassen. Die anderen Streaming-Dienste kriegen es ja auch hin. Vielleicht steckt dahinter auch ein wenig Politik, weil Spotify oft behauptet 'Wir machen die Charts'.

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Sport und Training sind immer schon zentrale Themen deiner Songs. Jetzt habe ich eine alte Album-Kritik gelesen, in der deine Musik als Einlauf-Tracks für Boxer beschrieben wird. Schmeichelt dir das als Kampfsportler?

Ja sowieso (lacht). Ich lebe das, bin selbst Trainer und gehe jeden Tag zum Sport. Ein besseres Kompliment gibt es doch nicht. Aber wie viel Motivation kann ich noch unterbringen? In Songs ist dieses Thema mittlerweile weniger dominant. Viel wird sich an meiner Denkweise aber nicht mehr ändern. Vielleicht werde ich noch etwas weiser mit den Jahren.

Wirst du dann mit dem Alter nicht nur weiser, sondern auch ruhiger? Immerhin hast du in den letzten fünf Jahren fünf Alben herausgebracht. Das ist schon eine stramme Taktung.

Ich mache das nicht aus Druck heraus. Ich habe noch was zu sagen - jetzt noch mehr denn je. Deswegen heißt das Album auch "Sie wollten Wasser doch kriegen Benzin". Ich hab noch viel mehr Feuer und Drang, etwas zu verändern. Ich liebe das: Ins Studio zu gehen und Musik zu machen. Wenn am Ende etwas Cooles rauskommt, habe ich keinen Bock mit einem fertigen Album zu warten. Die Promophase stresst mich zwar sehr, aber auf der Bühne zu performen, ist mein Lebensinhalt. In fünf bis sechs Jahren ruhiger zu machen: ja. Aber die Bühne brauche ich.

Neben der Musik hast du nun auch mit "Loyal Athletics" dein eigenes Modelabel, die Klamotten trägst du auch selbst bei jeder Show. Gibt es neben der Musik noch andere Bereiche, in denen du dich verwirklichen willst?

Mode ist etwas, bei dem ich mich ausdrücken kann. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich bin kein Konsumkind. Aber ich würde keine Kleidung verkaufen, auf der Kontra K steht. Ich habe überlegt, was würde ich tragen und was würde mich modisch beschreiben - und dann habe ich diese Marke gegründet.

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Auf deinem neuen Album ist auch ein Song mit Veysel. Dein Rap-Kollege hat in "4 Blocks" eine überzeugende Nebenrolle gespielt. Für dich als Berliner wäre das doch sicher auch etwas.

Ich habe tatsächlich schon einige Angebote bekommen - auch größere Rollen in Serien. Aber es muss zu mir passen. Ich denke die Geschichte meines Lebens ist die interessanteste, weil ich das in der Musik noch nicht erzählt habe - also wie ich mein Berlin kennengelernt habe. Ich glaube, das werde ich irgendwann auf ein coole Art und Weise darstellen.

Ich habe zurzeit auch Kontakt nach Hollywood zu Saïd Taghmaoui, einem Schauspieler aus dem Film "La Haine". Mit ihm werden wir erst einmal ein Musikvideo in Marokko zusammen machen. Nächstes Jahr werde ich ihn dann auch mit meiner Familie in den USA besuchen.

Ein weiteres Thema, das dir am Herzen liegt, ist der Tierschutz.

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Stimmt. Ich habe mit jemanden zusammen in Wassenberg eine Auffangstation für Wildtiere gegründet. Dort werden Panther-Babys und Nebelparder gehalten, alles abgesegnet von Veterinären. Ich hab' Geld und will damit was Gutes tun. Wir versuchen, die Tiere dann so lange zu halten, bis wir jemanden finden, der ihnen einen schönen Lebensabend macht. Zuletzt haben wir zwei Panther an ein Gehege in Frankreich vermittelt.

Mittlerweile bin ich auch im Austausch mit Tierrettungsorganisationen, die mich am Anfang noch kritisiert haben. Klar ist ein Gehege für Tiere immer ein begrenzter Lebensraum, aber besser so, als dass es die Art gar nicht mehr gibt.

Mit Kontra K sprach Michael Bauer.

Quelle: n-tv.de