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Wie Kaya Yanar Deutschland sieht "Wir sind alle kleine Formel-1-Fahrer"

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Für die Liebe zog Kaya Yanar in die Schweiz.

(Foto: Nadine Dilly)

Kaya Yanar ist seit 15 Jahren einer der erfolgreichsten Komiker Deutschlands und hat mit seiner Sendung "Was guckst du?!" eine neue Art der Komik eingeführt: Ethno-Comedy. Der gebürtige Frankfurter mit türkischen Wurzeln lebt mittlerweile in der Schweiz und überzeugt auch dort mit seinen Sketchen über Land und Leute. Zum Interview mit n-tv.de in Berlin zeigt sich der 43-Jährige zwar gewohnt humorig, aber auch ernst. Bei seiner neuen Tour "Planet Deutschland" erzählt er, wie es ist, wenn Menschen den gesamten Erdball in Schwarz-Rot-Gold sehen.

n-tv.de: Es ist Ihr Beruf, Menschen zu unterhalten. Gibt es auch einen ernsten Kaya Yanar?

Kaya Yanar: Ja klar, gibt es den, wenn ich etwas Ernstes sehe oder wenn etwas Trauriges passiert. Wenn zum Beispiel meine Katze überfahren wird, das ist mir vor zwei Jahren passiert. Da lag ich in der Ecke und habe geheult. Ich habe genau dieselben Gefühlsregungen wie jeder andere auch. Aber die Art und Weise wie ich die Welt betrachte, ist aus einem humorvollen Blickwinkel.

Sie sind also eher der Katzentyp. 

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Ich liebe alle Tiere und ich mag auch Hunde, aber ich bin ein Katzennarr. Wir haben selbst zwei Katzen zu Hause - die Missy und den Poncho. Der ist meine Lieblingskater und ich liebe ihn sehr. Der entspricht genau meinem Charakter: verspielt, verschmust und tolerant. Der verzeiht einem alles.

Darf man überhaupt sagen, dass man eine Lieblingskatze hat oder ist das nicht eher wie bei Kindern?

Man merkt es doch trotzdem, auch bei Kindern. Die wissen ganz genau, ob sie Lieblingskind von Mama oder Papa sind. Ich bin absolut sicher, dass man das nicht verstecken kann. Bei uns ist das mit den Katzen ein offenes Geheimnis.

Können Sie mir spontan einen Witz erzählen?

Zwei Deppen gehen spazieren, sagt der eine: Lass mich auch mal in die Mitte. 

Finden Sie sich eigentlich selbst lustig?

Ich bin mein größter Kritiker. Ich gucke mir mittlerweile wahnsinnig gerne die alten "Was guckst du?!"-Folgen an und sage mir dann: Du hast ja richtig gutes Zeug damals gemacht, auch wenn du es nicht zugegeben hast. Ich wollte mich damals nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen und faul werden.

Bei Ihrer neuen Tour sprechen Sie über Deutschland, deutsche Eigenheiten und Klischees. Aber sind Deutsche überhaupt lustig?

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Absolut. Man muss nur gucken, wo man nach Comedy schaut. Komiker sind nicht lustig. Aber bei deutschen Gesetzestexten könnte ich mich weglachen. (Zitiert) "Laute Geräusche beim Sex sind nur erlaubt zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends. Davor und danach gilt es als Ruhestörung, wenn sich die Nachbarn beschweren …" Es sei denn, man treibt es mit dem Nachbarn (kichert).

Ihre Wurzeln liegen in der Türkei, aufgewachsen sind Sie in Deutschland, mittlerweile wohnen Sie in der Schweiz. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Meine Heimat wird immer Deutschland sein. Je älter ich werde, desto wichtiger werden mir meine Wurzeln und die sind in Frankfurt am Main. Wenn ich nach langer Zeit das Hessische höre, erinnert mich das an meine Kindheit - und ich hatte eine gute Kindheit. Aber mein Zuhause ist dort, wo meine Freundin ist und das ist momentan die Schweiz. Denn sie ist mein Lebensmittelpunkt.

Sind Sie typisch deutsch? Und was heißt das überhaupt?

Schnell Auto fahren ist typisch deutsch, weil Deutschland das einzige Land ohne Tempolimit ist und das merkt man vor allem im Ausland. Meine Freundin hat sich anfangs nicht zu mir ins Auto setzen können, weil ich sehr flott fahre und auch mal drängele. Wir sind alle kleine Formel-1-Fahrer (Yanar selbst fährt Mini Cooper). Typisch deutsch ist auch, im Ausland Urlaub zu machen und sich darüber zu beschweren, warum das nicht so ist wie in Deutschland. Ich war zum Beispiel neulich in Irland und habe mich gefragt, ob die keine Autobahnen bauen können. Da fange ich an zu meckern, dass wir das in Deutschland besser machen. Infrastruktur, Organisation und Pünktlichkeit sind Dinge für mich, die typisch deutsch sind.

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Yanar spricht auch über "Flora, Fauna und die anderen Mädels".

(Foto: Nadine Dilly)

Ihr aktuelles Comedy-Programm trägt den Namen "Planet Deutschland". Das klingt nach einem Vortrag über globale Erwärmung oder Klimawandel. Thematisieren Sie auch solche Bereiche?

Dann habe ich das wohl gründlich versiebt vom Marketing her (Blick zum Manager). Aber ich streife solche Themen. Ich bin Vegetarier und mache mir meine Gedanken um den Planeten. Ich mache aber auch viel Comedy über Flora, Fauna und die anderen Mädels. Manche Leute sehen auf dem Planeten nur Deutschland und sie sehen dieses Land momentan gefährdet, was auch immer das heißen mag.

Damit sind wir beim Thema Politik. Ist das ein Tabu für Sie auf der Bühne?

Mich interessiert Politik als Privatmensch, aber ich spreche darüber nicht auf der Bühne. Erstens machen das andere Leute besser - zum Beispiel Volker Pispers. Und zweitens interessiert mich mehr, was im Alltag passiert - zum Beispiel zwischen einem türkischen Gemüsehändler und einem deutschen Kunden. Da suche und finde ich Comedy. Aber in dem Moment, wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich politisch: Ich heiße Kaya Yanar, habe türkische Eltern, komme aber aus Frankfurt.

Sie haben Hausverbot in einem Kölner Hotel. Gab es eine wilde Rockstar-Party oder was war da los?

Ich bin sehr tollpatschig, tue mir ständig weh und lasse Sachen fallen. In diesem Hotel hatte ich ein Nutella-Brötchen in der Hand und habe es auf das Bett fallen lassen. Dann habe ich versucht, es mit einem nassen Handtuch wegzukriegen. Das sah dann nicht mehr aus wie Nutella, sondern wie Bremsstreifen. In dem Moment kam das Zimmermädchen rein und hat geschrien und dann wollte ich es ihr erklären und habe an dem Bettlaken geleckt. Das fanden die nicht lustig (lacht).

Mit Kaya Yanar sprach Lisa Schwesig

Die Tour "Planet Deutschland" ist ab 30. September in ganz Deutschland zu sehen. Alle Termine finden Sie hier.

 

Quelle: ntv.de