Bücher

Vom Heimkind zum Hollywoodstar Cool, lässig, Steve McQueen

Er ist einer der "Glorreichen Sieben“, "Cincinatti Kid“, "Bullitt“ und "Thomas Crown“ in einer Person - ständig auf der Flucht, ständig hinter jemandem her. Auf dem Pferd, dem Motorrad oder im Ford Mustang. Er liebt das Tempo und die Filmwelt liebt ihn, den lässigen Draufgänger: Steve McQueen.

McQueen_08_full.jpg

Steve McQueen: Draufgänger, Actionheld, Naturbursche. Hier beim Zelten in der Sierra Madre. (© 2010 John Dominis, Time Inc. / courtesy Schirmer/Mosel)

Steve McQueen (24. März 1930 - 7. November 1980) kennt jeder. Seine blauen Augen, seine lässige Art, sein Charisma vergisst keiner, der ihn je in einem Film gesehen hat. Und davon gibt es jede Menge. 30 Filme in 26 Jahren. Da wäre etwa der Westernklassiker "Die glorreichen Sieben“, in dem McQueen einen Revolverhelden an der Seite von Yul Brynner, Charles Bronson, James Coburn und Horst Buchholz mimt. Der Film ist McQueens Durchbruch.

Ebenso bekannt und geliebt: "Gesprengte Ketten“. McQueen spielt einen in deutscher Kriegsgefangenschaft sitzenden US-Bomberpiloten, dessen Lebensaufgabe es ist, sich von niemandem die Freiheit nehmen zu lassen. Eine Rolle, die McQueen auf den Leib geschrieben scheint. McQueen ist ein Einzelkind, seinen Vater hat er nie kennengelernt. Er kommt früh in ein Heim - für schwer erziehbare Jungen -, schlägt über die Stränge, aber das bleibt immer im Rahmen.

kette.jpg

Steve McQueen in "Gesprengte Ketten": die Motorradverfolgungsjagd im Film ist legendär.

(Foto: picture-alliance / obs)

Es folgen die Handelsschule und danach die Marine. Auch dort eckt er mehrmals an, rettet einen Kameraden vor dem Ertrinken, sitzt aber auch kurze Zeit im Militärgefängnis. Dennoch habe er positive Erinnerungen an diese Zeit gehabt, sagt seine erste Frau Neile heute.

Wortkarger Actionheld

In "Gesprengte Ketten“ kann McQueen den lässigen Draufgänger mimen, der er auch im Privatleben ist. Und er kann sich seiner wahren Leidenschaft widmen: dem Tempo. McQueen, der über sich selbst gesagt hat, dass er nicht wisse, ob er ein rennfahrender Schauspieler oder ein schauspielernder Rennfahrer sei, macht eine waghalsige Motorradflucht im Film legendär. Sie ist ein Klassiker des Actionkinos, ebenso wie seine mehr als zehnminütige, atemberaubende  Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco in "Bullitt“. McQueen fuhr das Motorrad in "Gesprengte Ketten“ selbst und saß auch am Steuer des Ford Mustangs in "Bullitt“. Stuntmen brauchte der Actionheld und Rennfahrer fast nie.

McQueen_04_full.jpg

Cover des LIFE-Magazins,12. Juli 1963 (© 2010 John Dominis, Time Inc. / courtesy Schirmer/Mosel)

"Bullitt“ wurde von der Kritik zunächst verrissen, ebenso wie der Rennfahrerfilm "Le Mans", beim Publikum kam der Film mit dem wortkargen McQueen als Polizisten aber an. Ebenso wie "Papillon“, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Henry Charrière, in dem auch Dustin Hoffman brilliert. Bekannt sind auch "Flammendes Inferno“ oder "Thomas Crown ist nicht zu fassen“ - in dem McQueen an der Seite von Faye Dunaway einen smarten Bankräuber spielt.

Die Kritik liebte McQueen für einen anderen Hollywoodstreifen: Im "Kanonenboot am Yangtse-Kiang“ spielt McQueen einen wortkargen Matrosen - und wird für einen Oscar nominiert.

Charismatischer Publikumsliebling

Der Rennfahrerfilm "Le Mans“ erntete auch keine positiven Bewertungen der Kritiker. Er dürfte aber McQueens Favorit gewesen sein. Denn auch privat fuhr er Auto- und Motorradrennen und nahm sogar am legendärsten, den 24 Stunden von Le Mans, teil. Als er 1980 überraschend bei einer Krebsoperation an Herzversagen stirbt, besitzt McQueen 135 klassische Motorräder und 35 Oldtimer, darunter ein Porsche Spyder Baujahr 1958, ein Jaguar XK-SS und ein Ferrari Lusso. Den Ferrari bekommt er von seiner damaligen Frau Neile zum 33. Geburtstag geschenkt.

McQueen_Cover_full.jpg

Steve McQueen (© 2010 John Dominis, Time Inc. / courtesy Schirmer/Mosel)

Nur rund zwei Monate darauf tritt John Dominis für kurze Zeit in das Leben von Steve und Neile. Der Fotograf des US-Magazins "Life“ begleitet die "McQueens“ für eine Fotostrecke. Die Bilder, im Band "Steve McQueen“ im Verlag Schirmer/Mosel erschienen, geben Einblick in eine Zeit, in der McQueen gerade Gas gibt in seiner Karriere - und in seinem Privatleben. Er ist noch nicht auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, der Zenit liegt noch vor ihm.

Typisch McQueen

Und dennoch ist an den Bildern von Dominis zu erkennen, dass McQueen das Tempo liebt, den Stillstand hasst. 81 Abbildungen zeigen 81 verschiedene Facetten eines Menschen, jede typisch für den coolen Draufgänger aus dem Kino der 1960er und 1970er Jahre.

McQueen_05_full.jpg

Steve McQueen mit Zigarette, Rotwein und Frau Neile im Thermalbecken von Big Sur. (© 2010 John Dominis, Time Inc. / courtesy Schirmer/Mosel)

Die Bilder entstehen alle im Mai und Juni 1963. Während dieser Zeit ist Dominis gewissermaßen ein "Teil der Familie“, wie Neile heute sagt, die das Vorwort zum Bildband verfasst hat. Die Fotos zeigen McQueen in seinem privaten Umfeld. Sie sind nicht gestellt, wirken natürlich und charismatisch. Sie sind "typisch McQueen“ - wie das Foto von ihm im Thermalbad beweist: die Zigarette lässig im Mundwinkel, die Flasche Rotwein auf dem Beckenrand, der nackte Rücken seiner Frau neben ihm. Ein Foto, das auch aus einem seiner Filme stammen könnte: Der Actionheld erholt sich nach einer aufreibenden Verfolgungsjagd mit dem Wissen, dass es nicht seine letzte gewesen ist.

Bestellen Sie "Steve McQueen" im n-tv-Shop

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema