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Blutbad am Bletterbach Die Bestie will nicht schweigen

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Die Bletterbachschlucht wird wegen ihrer teils 20 Meter hohen Steinwände auch Südtirols "Grand Canyon" genannt.

(Foto: imago/robertharding)

Ein Unwetter, ein abgelegenes Bergdorf, drei zerstückelte Leichen: Im Thriller "Der Tod so kalt" will ein Zugezogener nach 30 Jahren das Schweigen der Bewohner brechen und den Mörder finden. Und dann kommt auch noch ein Urzeitmonster ins Spiel.

Es ist der 28. April 1985, der das Bergdorf Siebenhoch in dem Thriller-Debüt "Der Tod so kalt" von Luca D'Andrea verstummen lässt. Tagelang tobt ein gewaltiges Unwetter über den Südtiroler Alpen, drei junge Einheimische kehren von einer Wanderung nicht zurück. Ein Suchtrupp macht sich unter Lebensgefahr auf den Weg zur Bletterbachschlucht und entdeckt die Leichen von Evi, Kurt und Markus - zerstückelt und aufs Brutalste entstellt. Der Mörder wird nie gefunden.

30 Jahre später ereignet sich weiteres Unheil: Der US-Drehbuchautor Jeremiah Salinger zieht mit seiner Familie nach Siebenhoch, das Heimatdorf seiner Frau. Während er an einem Dokumentarfilm über die Bergrettung in den Dolomiten arbeitet, kommt es zu einem schweren Lawinenunglück, das er in einer Gletscherspalte als Einziger knapp überlebt.

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Südtirol ist seine Heimat: Autor Luca D'Andrea lebt in Bozen.

(Foto: Michele Melani)

Während er gegen seine Schuldgefühle ankämpft, gegen Panikattacken und "die Stimme der Bestie", erfährt er bei einem Ausflug mit seiner Tochter in die Bletterbachschlucht zufällig von den Morden. Salinger wittert eine Geschichte. Und nachdem seine Arbeit an der Bergretter-Doku so tragisch endete, will er sich beweisen, dass er noch immer schreiben kann.

Er beginnt Fragen zu stellen – und stößt auf Schweigen. Denn bei den Einheimischen kommt seine Herumschnüffelei nicht gut an. Auch wenn sie mit ihm abends im Wirtshaus mal ein Bier zischen: Für sie bleibt er ein "Walscher", ein Auswärtiger, der sich nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen hat.

Fäuste, Veilchen und ein Skorpion

Doch nichts kann Salinger von seinem Vorhaben abbringen: Nicht die Fäuste der Dörfler, die immer wieder auf ihn einprasseln; nicht die Warnungen seines Schwiegervater, der unter den vier Männern war, die die Leichen fanden; nicht seine Frau, der er versprochen hat, sich ein Jahr lang nur um seine Genesung zu kümmern und die ihm nun androht, ihn zusammen mit der kleinen Tochter zu verlassen.

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Der Thriller ist bei DVA erschienen, hat 480 Seiten und kostet broschiert 14,99 Euro.

Mit Veilchen im Gesicht und einer veritablen Ehekrise im Nacken recherchiert Salinger im Geheimen weiter, ständig auf der Suche nach Vorwänden, um an Informationen zu gelangen. Die Suche nach der Wahrheit wird für ihn zu einer gefährlichen Obsession.

Und dann kommt auch noch "Jaekelopterus Rhenaniae" ins Spiel, ein bis zu 2,5 Meter großer Wasserskorpion mit 50 Zentimeter großen Scheren. Das Spinnentier lebte vor fast 300 Millionen Jahren im Perm, dem Erdzeitalter, das mit einem Massensterben endete. Doch hat der Jaekelopterus in den Höhlen und Seen unter dem Bletterbach, einer Art ökologischen Nische, möglicherweise überlebt?

Entfesselte Naturgewalten, ein abgelegenes Bergdorf, drei zerhackte Leichen, ein Zugezogener, der nach 30 Jahren unbequeme Fragen stellt, und ein Monster aus einer Zeit, die nur noch in Form von Fossilien präsent ist – eigentlich die perfekten Zutaten für einen Thriller. Und "Der Tod so kalt" ist tatsächlich eine aufregend erdachte Story. Doch es gibt ein Aber.

Zum einen ist die Sprache dieses Raue-Bergwelt-Krimis, die Floskel sei erlaubt, reichlich platt. Dialoge wirken oft seltsam holprig und unnatürlich. Die sprachlichen Vorlieben des Autors muss man mögen oder sie nerven einen schon nach wenigen Seiten: das abgewandelte Funkalphabet ("B wie Besessenheit"), die ständige Durchzählerei ("sechs Buchstaben: Bestie") und die immer wiederkehrende direkte Ansprache des Lesers ("Ob ihr's glaubt oder nicht", "eins müsst ihr wissen").

Zum anderen ist der Plot teilweise sehr konstruiert und die Geschichte braucht lange, bis sie Fahrt aufnimmt. Als D'Andrea dann das Tempo anzieht, kommt zwar mit jeder neuen Wende Spannung auf. Aber die unzähligen Familienszenen, die er zwischen entscheidenden Kapiteln platziert, hemmen die Handlung doch arg. Ein wenig mehr Stringenz hätte dem 480-Seiten-Wälzer vermutlich gutgetan.

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Quelle: ntv.de

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