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"Ich will begehrt werden" Jane Birkin und ihr ewiger Kampf um Liebe

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Jane Birkin Ende der 1960er-Jahre - da war sie gerade Anfang 20, aber schon Mutter und geschieden.

(Foto: imago images / United Archives)

Jane Birkin, die Schauspielerin, Sängerin, lange die Frau an Serge Gainsbourgs Seite, führt Tagebuch, seit sie elf ist. In den "Munkey Diaries" gewährt sie intime Einblicke in ihr Leben. Britische Upper Class, Swinging London, Pariser Boheme - alles dabei. Aber vor allem: ihr Kampf um Anerkennung.

Jane Birkin - man kennt sie als Schauspielerin, als die hauchende und stöhnende Partnerin von Serge Gainsbourg im legendären "Je t'aime … moi non plus", als Namensgeberin der Luxustasche Birkin Bag von Hermès. Nun hat die 1946 geborene Britin ihre "privaten Tagebücher" veröffentlicht, die "Munkey Diaries", benannt nach dem Plüschaffen, der seit Kindertagen an ihrer Seite war. So lange, bis Serge Gainsbourg starb und sie ihm den Affen mit ins Grab legte. Da waren sie schon seit zehn Jahren kein Paar mehr. Ein großer Liebesbeweis, einer von vielen.

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Jane Birkins "Munkey Diaries" sind bei Penguin bereits erschienen; Teil zwei soll noch 2020 herauskommen.

(Foto: Penguin)

Die nach eigenen Angaben unveränderten Tagebucheinträge - nur sehr wenig habe sie "weggelassen, was andere hätte verletzen können" - hat Birkin ergänzt durch Kommentare, Anekdoten, die ihr beim Lesen einfielen, und Erinnerungen, die ihr wichtig waren mit aufzuführen. So erlaubt das Buch einen sehr intimen, ungeschönten Einblick in ihre Gedankenwelt. Zudem ist es eine Zeitreise in die Welt der späten 50er, der 60er und 70er Jahre - und in die Welt der britischen Upper Class, des Swinging London und später der französischen Boheme.

Birkin kam aus "gutem Hause", mit Kindermädchen und Ausbildung im Internat. Und mit häufigen Auslandsreisen - Frankreich, Italien, Mittelmeer-Kreuzfahrten … Vater David Birkin gehörte zur "Spitzenhändler-Bourgeoisie" Birkin Lace, Mutter Judy war Schauspielerin und eine echte Schönheit. Sie bekamen drei Kinder - Janes über alles geliebter Bruder Andrew, etwa ein Jahr älter als sie, ist ein erfolgreicher Drehbuchautor und Regisseur; vier Jahre nach Jane kam ihre Schwester Linda zur Welt.

Schonungslos mit sich selbst

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Jane Birkin mit Serge Gainsbourg - und ihrem Korb, den sie immer dabeihatte, bis Hermés ihr die Birkin Bag entwarf.

(Foto: imago images / Cinema Publishers Collection)

Wo Jane Birkin in den "Munkey Diaries" mit anderen sanft und schonend umgegangen ist - mit sich selbst tat sie das nicht. Wie ein schmerzhafter Faden zieht sich durch all die Jahre, beginnend mit elf, als sie ins Internat kommt, ihr großer Mangel an Selbstvertrauen, das Gefühl, nicht zu genügen. Eine schlechte Schülerin, schlechte Frau, schlechte Mutter, schlechte Schauspielerin zu sein. Hässlich zu sein, keine Brüste zu haben, aber krumme Beine …

Nur so ist eigentlich auch ihre überstürzte, frühe Hochzeit mit dem berühmten und sehr erfolgreichen Komponisten John Barry zu erklären - als sie sich kennenlernten, da war sie erst gerade 17 und Barry 30. Birkins Vater versuchte erfolglos den Heiratstermin zu verschieben, "man sieht Barry, der gewinnt … und mich, die John Barry durchs Haus zu seinem Jaguar E-Typ folgt, in den ich mit meinem Korb einsteige". Wenn ein so erfolgreicher Mann sie begehrt - das ist ein Push für ihr Selbstbewusstsein. Sein Begehren hält allerdings nicht lange an - schon sehr bald vertraut sie ihrem Tagebuch an, wie wenig sie sich von ihm beachtet fühlt, wie wenig begehrt, wie untervögelt. Wie viel sie weint, sich aus Verzweiflung selbst verletzt, ihm Szenen macht, er genervt ist … Kurz nachdem Tochter Kate geboren wird, im August 1967, verlässt sie John Barry, geht zurück zu ihren Eltern. Da ist sie gerade mal 20.

Der verlebte, bizarre Serge

1968 wird die Ehe geschieden - da hatte sie schon die wohl prägendste Begegnung ihres Lebens: "Gerade habe ich einen Film namens 'Slogan' in Frankreich beendet. Darin ist ein Mann, den ich liebe, und sein Name ist Serge Gainsbourg. Er wirkt sehr bizarr, aber ich liebe ihn, er ist so anders als alles, was ich kenne, ziemlich verlebt, aber voller Lauterkeit", schreibt sie im August 1968 in ihr Tagebuch.

Mit dem französischen Künstler, Provokateur, Multitalent wird sie bis 1980 zusammenleben. Es ist ein Leben voller großer Gefühle, Abstürze, Partys, Alkohol, Skandale; auch eine Art Jet-Set-Leben mit Konzerten und Dreharbeiten mal hier, mal da, viel Zeit in Hotels, in Flugzeugen. Viele bekannte Namen fallen - es wird gefeiert, getanzt und getrunken mit Klaus Kinski, Michail Baryschnikow, Nana Mouskouri und Mathieu Carrière, Aristoteles Onassis, Roman Polanski und Mick Jagger. Im Juli 1971 wird Charlotte Gainsbourg geboren, die heute eine bekannte Schauspielerin und Sängerin ist. Sie und ihre ältere Halbschwester Kate werden mal mitgenommen auf Reisen, aber oft sind sie bei wechselnden Kindermädchen.

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Auch wenn Jane Birkin sich von Serge Gainsbourg durchaus geliebt und auch begehrt fühlt - an seiner Seite kommt dennoch das alte Muster wieder: Sie fühlt sich klein, nicht ebenbürtig, oft nur als Anhängsel des genialen Künstlers, "nur eine Puppe von Serge". Viel tut sie ihm zuliebe, um ihm zu gefallen, mit ihm mithalten zu können, lässt sich etwa von anderen Männern begrapschen, während Serge danebensitzt und sagt: Lass ihn doch. Sie geht mit ihm in dreckige Stundenhotels, kauft Sexspielzeug für ihn. Erduldet seine Launen. Aber er ruiniert sich, trinkt und trinkt, jede Nacht, "ich versuche ihn am Trinken zu hindern, dann gebe ich auf, und jetzt gehe ich immer öfter allein nach Hause." Und Serge? Er sagt, "das sei sein Leben und ich sei langweilig, ihm damit auf die Nerven zu gehen".

"Verblüfft, einfach geliebt zu werden"

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Jane Birkin und Jacques Doillon 1987.

(Foto: imago/Leemage)

Als sie dann schließlich 1979 Jacques Doillon, den französischen Regisseur, kennenlernt, beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt - sie genießt Doillons Zuneigung, ist "verblüfft, einfach geliebt zu werden und dass der sanfte Junge mich wirklich interessant findet". Aber die Loslösung von Serge ist schwer, scheint unmöglich - Jane träumt von einer Liebe zu dritt, dann wäre sie so glücklich wie noch nie. Sie spürt wieder große Lust zu leben, wo sie vor Kurzem noch "so verzweifelt sterben wollte".

Die Liebe zu dritt funktioniert nicht, Jaques will sie an seiner Seite, Serge will sie nicht gehen lassen … Schließlich beendet sie im September 1980 ihr "außergewöhnliches Leben an der Seite eines außergewöhnlichen Mannes", verlässt Serge, befreit sich von ihm, seiner Macht, "seiner Autorität, seiner Überheblichkeit". Sie verlässt ihn und geht zu Jaques - aber so recht kommt sie nicht von Serge los, er fehlt ihr sehr, sie bekommt ihn nicht aus ihrem Kopf, will mit Jaques nicht an Orte, wo sie zuvor mit Serge war … Eine sehr schmerzhafte, sehr zerrissene Zeit. Dann wird sie schwanger, von Jaques - hier enden die "Munkey Diaries", 1982. (Mit der Geburt von Tochter Lou beginnt Teil zwei der Tagebücher; sie sollen noch in diesem Jahr erscheinen.)

Durch die fast vollständige Wiedergabe ihrer Tagebucheinträge meint man Jane Birkin sehr genau kennenzulernen - die ungeschminkten Einblicke in ihre Gefühlswelt, sei es als Teenager oder als erwachsene Frau, vermitteln den Eindruck einer intimen Nähe. In den "Munkey Diaries" geht es fast ausschließlich um ihre Familie, Freunde, das Alltagsleben und natürlich die Höhen und Tiefen der Liebe, um ihre Gefühlswelt. Ihre eigene Arbeit, ihre Filme, Theaterstücke und Chansons erwähnt Birkin kaum in ihrem Tagebuch. Eher noch die Erfolge ihrer jeweiligen Männer. Das ist berührend und oft schmerzhaft zu lesen, ihre vielen Selbstzweifel, ihr oft unerfüllter Hunger nach Liebe und Anerkennung, ihre Selbstmordgedanken. Und nach einer Weile auch ermüdend - wäre man eine Freundin, würde man sie in den Arm nehmen und sagen: Mach dich nicht so klein, du bist großartig!

Quelle: ntv.de