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Verhältnis von Mensch und Natur Mit Humboldt ins Südamerika-Abenteuer

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Wulfs Buch ist bei Randomhouse erschienen und kostet 28 Euro.

(Foto: Verlag Randomhouse)

Naturforscher, Entdecker, Reisender und Wissenschaftler - Alexander von Humboldt war getrieben von dem Wunsch, zu studieren und zu verstehen. 1799 macht er sich auf den Weg nach Amerika. Diese Forschungsreise verändert nicht nur sein Leben für immer.

"Von Cartagena nach Bogotá ist es ein langer Weg. Zuerst marschieren wir zwei Wochen lang durch dichte Wälder zum Rio Magdalena, und anschließend paddeln wir 55 Tage gegen die starke Strömung flussaufwärts", schreibt Alexander von Humboldt 1801 in sein Tagebuch. "Wir sind wieder im Urwald, zusammen mit Krokodilen, Schlangen und Moskitos. Es ist heiß und feucht", berichtet der Sohn einer wohlhabenden preußisch-hugenottischen Familie. "Aber das hält uns nicht davon ab, Hunderte von Pflanzen zu sammeln, Krokodile zu sezieren und viele seltsame Fische zu fangen, die wir in Glasgefäßen konservieren, um sie nach Europa zu schicken."

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Humboldts visionärer Ansatz zum Verständnis der Natur beschäftigt die Autorin Wulf schon seit Jahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor 250 Jahren kam Alexander von Humboldt zur Welt, jener Wissenschaftsbessene, nach dem heute unter anderem eine Universität in Berlin benannt ist. Die Kunsthistorikerin Andrea Wulf hat aus diesem Anlass einen besonderen Versuch unternommen, Humboldt und seiner Art, die Welt zu entdecken, ein Denkmal zu setzen. In einer Mischung aus Graphic Novel und Collage vollzieht sie die Entdeckungsreise nach Südamerika nach, die Humboldt gemeinsam mit dem Franzosen Aimé Bonpland in den Jahren 1799 bis 1804 unternahm. Die Basis dafür bilden ganz wissenschaftlich Humboldts Werke, Tagebücher, Aufzeichnungen und Briefe.

Die Idee dazu war der Deutsch-Britin gekommen, als sie die Originale der Tagebücher einsehen konnte. "Als ich diese Tagebücher gesehen habe, war mir klar, dass ich ein Buch machen musste, was Humboldts künstlerische Seite zeigt", erzählte Wulf dem Deutschlandfunk. Kurz zuvor hatte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Dokumente erworben und digitalisiert. Zusammen mit der Illustratorin Lilian Melcher entwirft Wulf einen Reisebericht Humboldts und hält sich auch diesmal an ihren Leitsatz, dass Humboldt die Natur fühlen wollte.

Abenteuerlust und Wissensdurst

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Humboldt hat auf seinen Reisen ganze Bücher mit seinen Bebobachtungen und Gedanken gefüllt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schon deshalb grauste ihm vor der von der Mutter vorgesehenen beruflichen Laufbahn eines Beamten in preußischen Staatsdiensten. Um einem an "Rechnungsbücher vergeudeten Leben" zu entgehen, studiert Humboldt an der Bergakademie in Freiberg, außerdem noch Geografie, Pflanzenkunde und Altertumswissenschaften.

"Mit 22 war ich bereits Bergassessor und oft auf Reisen. In Brandenburg inspizierte ich Kohle, in Schlesien Eisen, Gold im Fichtelgebirge und Salzminen in Polen." Seine Abenteuerlust und vor allem seinen Wissensdurst kann das nicht stillen. Als seine Mutter stirbt, ist er frei und reich und kann sich seinen Traum erfüllen, Entdeckungsreisen in ferne Länder zu unternehmen.

Am 5. Juni 1799 sticht er vom spanischen La Coruna aus in See. Humboldt führt eine ganze Reihe modernster Messinstrumente mit sich, darunter Sextanten, Quadranten und Teleskope, Hygrometer, Barometer und Thermometer. Wulf folgt Humboldt auf seinen verschiedenen Reiseetappen, zitiert aus seinen Tagebüchern und zeigt auch immer wieder seine akribischen wissenschaftlichen Aufzeichnungen, Tabellen ebenso wie Tierzeichnungen.

Spannend und inspirierend

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Die Abenteuer des Alexander von Humboldt: Eine Entdeckungsreise; Halbleinen, durchgängig farbig illustriert
EUR 28,00
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Die Reise entwickelt dabei den Sog eines Abenteuerromans. Werden die teuren Instrumente unversehrt bleiben? Gelingt es den Reisenden, Überfälle, Naturkatastrophen und Krankheiten zu überstehen, um mit ihrer kostbaren Fracht nach Europa zurückzukehren? Kann Humboldt als Nichtschwimmer wirklich seine Flussreise überleben? Mehr als 250 Seiten und fünf Jahre später verlässt Humboldt an Bord einer französischen Fregatte die Vereinigten Staaten. Er ist nun berühmt und inspiriert auch andere Wissenschaftler zu Forschungen.

Im Gepäck hat Humboldt bei seiner Heimkehr nicht nur seitenlange Aufzeichnungen und unzählige Exponate, sondern vor allem die Überzeugung, dass die Menschen dabei sind, das fragile Gleichgewicht der Natur zu zerstören. Wulf nennt ihr Buch eine illustrierte Entdeckungsreise, es ist quasi die Fortsetzung ihrer umfangreichen Humboldt-Biografie von 2015.

Humboldt sei immer Wissenschaftler und Künstler gewesen, sagt Wulf. Dieser Doppelidentität kommt der farbenprächtige Band möglicherweise am nächsten. Einerseits ist das Collagen-Prinzip seiner eigenen Art der Aufzeichnung nachempfunden, andererseits fügen die Illustrationen und fiktiven Gespräche dem überlieferten Material eine weitere Ebene hinzu. Das alles ist spannend und unterhaltsam gleichermaßen und eine wunderbare Gelegenheit, diesen leidenschaftlichen Forscher neu oder wieder zu entdecken.

Quelle: n-tv.de

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