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"Trügerische Nähe" fesselt Susanne Kliem seziert das Landleben

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Schreibt gern über menschliche Abgründe: Susanne Kliem.

Vier Erwachsene, ein Pubertierender und eine schöne junge Frau, die die Männer um den Finger wickelt, auch Frauen in ihren Bann zieht und deren mysteriöses Auftreten Tod und Verderben bringt - das klingt nach Landleben. Oder?

Die Autorin Susanne Kliem liebt es, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sie ließ bereits am Theater morden oder zwischen Tannenbäumen, brachte Gänsehaut-Gefühl ins TV-Studio und hat sich nun dem Landleben gewidmet. Diesem Leben, nach dem wir uns ab und an sehnen und das einige Menschen sich dann tatsächlich eines Tages leisten, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Landleben, nach dem der kultivierte Stadtmensch sucht, hat relativ wenig mit dem Landleben eines Landwirts oder Weinbauern zu tun. Es geht um schöne alte Höfe, um modernste Ausstattung und auf keinen Fall will man auf etwas verzichten - das Landleben soll eine Ergänzung darstellen und man sollte es mal gemacht habe. Vor allem, wenn man noch eine kleine Dependance in der Großstadt hat.

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"Trügerische Nähe" ist bei carl's books erschienen, 352 Seiten, broschiert, 14,99 Euro.

So oder so ähnlich sehen das jedenfalls die beiden Paare Nora und Alexander und Marlis und Johannes. Alle sind Mitte/Ende 40, die Männer kennen sich aus Studienzeiten und sie entwickeln den Traum, zusammen "aufs Land" zu ziehen. Alexander ist ein anerkannter Wissenschaftler, den es immer mal wieder in andere Betten getrieben hat, Nora ist eine ausgebrannte Galeristin, die zu sich selbst finden will und ihrer Ehe auf dem Hof noch eine Chance geben möchte, jedoch immer wieder von Selbstzweifeln geplagt ist.

Die Frauen mögen sich. Marlis wirkt anfangs sehr lebensfroh, sehr anpackend, sie möchte die eher in sich gekehrte Nora oft aufmuntern, kommt so ganz zu ihr aber nicht durch. Auch ihr Mann Johannes, Architekt, wirkt ausgleichend. Nora und Alexander haben ihren pubertierenden Sohn dabei, der - man kann es sich denken - höchstgradig genervt ist von dem Umzug aufs Land. die Nähe zur Natur kommt ihm eher unspannend vor, bis ... ja bis Livia, Marlis' Tochter, sich zu den beiden Familien gesellt.

Livia umweht ein Geheimnis, ist aber auch so schön, dass sie auf verschiedene Arten die Hofbewohner in ihren Bann zieht. Dass sie lügt und intrigiert, stellt sich peu à peu heraus - aber was will sie damit bezwecken?

Misstrauen und Eifersucht statt reiner Landluft

Schließlich ein Mord im Idyll. Kaum zu glauben, die Gemeinschaft ist zerstört und verstört. Wie das immer so ist, wenn man Dinge nicht wahrhaben will oder sehen möchte. Bis zu diesem Zeitpunkt sind dem Leser bereits alle Figuren vertraut, ans Herz gewachsen, man hat seine Meinung gefasst und tappt dennoch im Dunkeln, wer von diesen Figuren, die einem irgendwie bekannt vorkommen, so eine ungeheuerliche Tat begangen haben könnte. Susanne Kliem versteht es, den Leser auch immer wieder auf eine andere Fährte zu locken. Ist es denn für sie nun mittlerweile Routine, Bücher zu schreiben? "Nein", lacht Kliem, die 1965 am Niederrhein geboren wurde, beim Fernsehen und fürs Theater gearbeitet hat und für die das Schreiben eine Leidenschaft ist. "Jedes Buch ist eine neue Herausforderung. Dieses Mal bestand die Herausforderung vor allem darin, die Geschichte aus der Perspektive mehrerer Personen erzählen zu lassen. Das macht es schwer, 'die eine Wahrheit' zu sehen."

"Trügerische Nähe" kommt ohne großes Gemetzel aus, es braucht keine "Action", um Spannung zu erzeugen - Kliem erzeugt die Spannung im Zwischenmenschlichen. Und wieder, wie bereits in anderen Büchern zuvor, wird die Frage, wem man vertrauen kann, zunehmend schwerer zu beantworten, je näher sich die Protagonisten kommen. Dass eine einzelne Person, in dem Fall eine so junge wie Livia, es schafft, die Menschen, die bereits Lebenserfahrung haben, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und die sich nach Harmonie und Ruhe gesehnt haben, gegeneinander auszuspielen, ohne dass man aber allzu schlecht oder entsetzt über sie denkt, sondern eher nachdenklich wird und sich nach ihren Gründen fragt - das ist eine ganz große Stärke des Buches.

Wer Lust hat auf ein schnelles, fesselndes Buch mit ein paar "Aha!"-Momenten, der wird "Trügerische Nähe" lieben.

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Quelle: ntv.de

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