Essen und Trinken

Scharfmacher Ganz ohne Viagra

Glaube versetzt Berge, sagt man. Medizin muss nicht bitter schmecken, wenn sie helfen soll. Mann (und Frau) muss nur dran glauben ...

Zu allen Zeiten haben Gewürze Menschen verführt. Ganze Heldentaten wurden vollbracht, um in den Genuss eines besonderen Gaumenkitzels zu gelangen. Risikoreiche und Jahre dauernde Handelsreisen wurden unternommen. Vermögen wurden mit Pfeffer und Muskat gemacht ? oder auch verloren, wenn die "Nelkenschiffe" mit ihrer kostbaren Fracht aus Indien untergingen. Zu manchen Zeiten wurde Pfeffer gar in Gold aufgewogen.

Bis heute nennt man Menschen, die rücksichtslos nur nach Geld und Macht gieren, abfällig "Pfeffersäcke". Die Bezeichnung entstand wohl im Mittelalter für Händler der Hanse, die ihren Reichtum dem Gewürzhandel verdankten. Und bei dem es nicht zartfühlend zuging.

Pfeffer war ursprünglich in Asien, insbesondere in Indien, als Medizin, als Gewürz und auch als Aphrodisiakum gebräuchlich. Alexander der Große brachte diesen Scharfmacher nach Europa. Seine Lust steigernden Effekte verdankt es ätherischen Ölen und dem Piperin. Dieses Alkaloid entfacht durch seine Schärfe das innere Feuer und die Schleimhäute der Genitalien (von innen!). Aber bitte: Immer frisch mahlen, sonst verfliegen die ätherischen Öle, bevor sie ihre viel versprechende Wirkung so richtig entfalten können.

Als Namensgeberin für die Lustförderer musste mal wieder die griechische Göttin der Schönheit, der Liebe und der Lust, Aphrodite, herhalten. Um männlichen Begierden den ersehnten Erfolg zu bescheren und sie nicht wie Seifenblasen an weiblichen Festungen zerschellen zu lassend, haben Quacksalber aller Jahrhunderte sinnige und unsinnige "Mittelchen" ersonnen. Tausende Tiger, Nashörner, Moschusochsen und zahlreiche andere Tierarten wurden für menschliche Spielchen umgebracht. Törnen Sie sich also lieber mit Pfeffer, Chili, Basilikum, Vanille usw. an, da verletzen Sie das Artenschutzabkommen nicht! Und im Übrigen gilt hier wie bei jeder Medizin: Man muss dran glauben ...

Damit Sie eventuell mit Ihrem Glauben Berge versetzen können, bereiten Sie einen leckeren "Gewürzbraten" zu, den meine Freundin Fira erfunden hat.

Zutaten (für 4 Personen):

500 g Schweinskotelett im Stück
1 EL Olivenöl
Gewürzgurken (am besten Cornichons)
Knoblauchzehen (oder 1 Dose kleine Champignon-Köpfe)
Ketchup
Senf
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Edelsüßpaprika
Chili
Salz
Soßenbinder, evtl. Creme fraiche

Zubereitung:

Auf einer Untertasse eine dünne Schicht Salz ausbreiten. Darüber eine dicke Schicht frisch gemahlenen Pfeffer streuen, bis das Salz bedeckt ist. Darüber wieder so viel Edelsüßpaprika, bis kein Pfeffer mehr zu sehen ist. Je nach Geschmack, Bedarf und Lust (siehe oben) Chili dazugeben. Alles gut mischen.

Das Fleisch vom Knochen ausschälen (oder das vom Fleischer machen lassen) und mit einem spitzen Messer mehrmals tief einstechen. In diese Schlitze die Gewürzmischung füllen. Die Löcher abwechselnd mit Gurken- und Knoblauchstücken verschließen. Wer keinen Knoblauch mag, nimmt dafür die Mini-Champignonköpfe.

Die Grillfolie (sie sollte doppelt sein und nicht zu knapp bemessen) mit dem Öl bestreichen. Darauf ca. 2 EL Ketchup geben. Das Fleischstück darauf setzen und gut mit Senf bestreichen. Die Folie gut verschließen. Dabei auf genügend Luft im Päckchen achten, sonst platzt es beim Braten evtl. auf.

Bei 220 Grad etwa 1,5 bis 2 Stunden im Herd braten.

Nach Ende der Garzeit das Päckchen vorsichtig (!) öffnen und das Fleisch herausheben. Abdecken und 10 Minuten ruhen lassen, erst dann in Scheiben schneiden.

Den Bratensaft aus der Folie in einen Topf gießen, aufkochen und binden. Nach Belieben mit Creme fraiche abschmecken. Dazu passen Sauerkraut und Salzkartoffeln oder Kartoffelbrei.

Tipp: Als "Mitternachtsbraten" ist der Gewürzbraten eine Super-Aufmunterung für die Partygäste. Dazu den Fond nicht binden, sondern pur dazu reichen. Evtl. vorher entfetten. Baguette passt am besten dazu. Natürlich ist der Gewürzbraten nicht nur Mitternacht der Renner, sondern generell auf einem Buffet. Das Fleisch schmeckt übrigens auch kalt aufgeschnitten sehr gut.

Viel Spaß usw. wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de