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"The Dark Knight Rises" beschließt die Batman-Trilogie Scheitern, Aufstehen, Weitermachen

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Batman (Christian Bale) versucht, Bane (Tom Hardy) die Stirn zu bieten - doch kann er noch so viel Kraft aufbieten?

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

Drama, Baby, Drama! Zum Abschluss der Batman-Trilogie mit Christian Bale will Regisseur Christopher Nolan nochmal alles auffahren, was er hat. Nur gerät dabei der Superheld etwas in den Hintergrund. "The Dark Knight Rises" ist dafür dramatisch, politisch, bedeutungsschwanger - und macht immer noch Spaß.

Die Spannung ist natürlich groß. Nach dem fulminanten "The Dark Knight" legt Regisseur Christopher Nolan mit "The Dark Knight Rises" den Abschluss seiner Batman-Trilogie vor. Ein Sommerblockbuster, ein unbeschwertes Kinovergnügen - bis ein Amokschütze bei einer Premiere in Aurora im US-Bundesstaat Colorado zwölf Menschen tötet und Dutzende verletzt. Die USA, Menschen weltweit und reagieren geschockt. "Ich bin der Joker" - jener Gegenspieler, den Batman in "The Dark Knight" zur Strecke bringt -, soll der mutmaßliche Täter der Polizei gesagt haben. - über seine Tat und über seine Motive. Darüber kann man bisher nur Mutmaßungen anstellen. Vorbilder und Ursachen für die Tat in den Filmen zu suchen, bringt jedoch nichts.

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Bruce Wayne mit Selina Kyle (Anne Hathaway): Die beiden haben noch etwas zu klären, ...

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

"The Dark Knight Rises" beginnt acht Jahre nach "The Dark Knight", in dem Batman (Christian Bale) jenen Joker besiegte. Der dunkle Ritter hatte damals die Verantwortung für den Tod des in der Öffentlichkeit als Helden gefeierten Staatsanwalts Harvey Dent übernommen und wurde fortan gejagt. Wobei kaum einer weiß, dass Dent inzwischen zum auf Rache sinnenden Two-Face geworden war - sein Heldentum also eine Farce ist. Der Mann hinter Batman, Bruce Wayne, zog sich daraufhin zurück und verbarrikadierte sich auf seinem Anwesen. Gebraucht wird er ohnehin nicht mehr: In den Augen der Öffentlichkeit haben die letzten Maßnahmen von Staatsanwalt Dent das Verbrechen im Moloch Gotham City eingedämmt. So beginnt der Film als Superheldenfilm ohne Superheld. Der dunkle Ritter braucht lange, bis er aus seinem Versteck auftaucht, und er braucht lange, bis er sich auf seine Stärken besinnt. Die Menschen in Gotham City zählen da schon gar nicht mehr auf ihn.

Doch das Böse erhebt sich wieder. Und damit ist weniger die diebische und zwielichtige Selina Kyle (Anne Hathaway) gemeint, die als Catwoman ihr Unwesen treibt und ein beunruhigendes Interesse an Bruce Waynes Fingerabdrücken zeigt. Viel mehr Sorgen sollte sich Gotham City um Bane (Tom Hardy) machen. Der etabliert im Untergrund der Stadt ein eigenes Reich, dem die Polizei nur schwer auf die Spur kommt. Als er schließlich die Börse angreift und Bruce Wayne in der Folge bankrott geht, streift Batman wieder seinen schwarzen Anzug über. Der dunkle Ritter kehrt zurück - doch er unterliegt und Bane übernimmt die Stadt.

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... denn Kyle hat natürlich noch eine weitere Identität.

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

Viel mehr sollte man über die wendungsreiche Handlung nicht verraten. Bis sie in Fahrt kommt, braucht es allerdings eine Weile. Regisseur Nolan lässt sich Zeit. Er führt den Zuschauer langsam heran an den gealterten und hinkenden Helden und seine Gegenspieler, die nie das sind, was sie zu sein scheinen. Zudem wird das Energieprojekt von Waynes Geschäftspartnerin Miranda Tate (Marion Cotillard) erklärt, das auch zu einer Neutronenbombe mit ungeheurer Sprengkraft umgebaut werden kann. Und John Blake (Joseph Gordon-Levitt) wird vorgestellt, der idealistische Polizist, der Commissioner Gordon (Gary Oldman) zur Seite steht.

Masken werden abgenommen, Brücken abgerissen

Stand in "The Dark Knight" noch das Duell zwischen Joker und Batman im Vordergrund, hat Nolan nun sein Ensemble gehörig erweitert - wobei natürlich Butler Alfred (Michael Caine) und Lucius Fox (Morgan Freeman) nicht vergessen werden sollen. All diese Figuren werden bis an ihre Grenzen getrieben, sie werden am Ende nicht mehr die sein, die sie einst waren. Sie werden ihre Masken abnehmen, die Brücken abreißen und neu beginnen.

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Hoffnung: Polizist John Blake (Joseph Gordon-Levitt) kommt Bane auf die Schliche.

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

Das gilt natürlich vor allem für Batman selbst. Nach jahrelanger Abstinenz tritt er wieder auf die Bildfläche, findet aber nur schwer seine alten Kräfte. Er scheitert und fällt erneut in ein tiefes Loch. Und er braucht wiederum lange, um sich erneut aufzuraffen. Der Held wirkt hier wie ein moderner Prometheus, der scheitert und weitermacht, scheitert und weitermacht, scheitert und weitermacht. Statt Feuer, wie der Held der griechischen Mythologie, will Batman den Menschen Gerechtigkeit bringen. Er trägt seine Maske, weil er ein anonymes Vorbild sein will. Er weigert sich, Menschen mit Waffen zu töten, selbst wenn sie übermächtig sind. Und das sind sie.

In der Selbstfindung der Hauptfigur erinnert "The Dark Knight Rises" stellenweise an "Batman Begins", den ersten Teil dieser Trilogie, die - das kann man nun nach dem dritten Teil sagen - ihren Platz in der Filmgeschichte sicher hat. Dazu trägt auch die Wiederkehr der Armee der Schatten von Ra's al Ghul bei.

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Was will Bane - und warum will er es?

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

Man merkt dem sehr langen Film an, dass Nolan den großen Bogen finden will, dass er noch möglichst viel erzählen will über Batman, Bruce Wayne und Gotham City, dass diese Figur und diese Stadt noch lange nicht ausgeschöpft sind. Entsprechend komplex und vielschichtig ist die Handlung geworden. Dabei verhaspelt sich Nolan hier und da, überlädt den Streifen mit Anspielungen und Verweisen, lässt Lücken und Löcher und erzählt angerissene Elemente nicht zu Ende. Dabei will "The Dark Knight Rises" nicht weniger als die Frage stellen, in welchem System wir leben wollen. Nicht nur die Occupy-Bewegung und das Versagen der Finanzmärkte haben hier ihre Spuren hinterlassen.

Mob an der Macht und jakobinischer Terror

Da werden Menschen nur wegen eines Verdachts verhaftet und hinter Gittern gehalten - dank der Gesetze des zum Verbrecher gewordenen und dann gestorbenen Staatsanwalts Dent. Da lösen Bane und Co mit dem Überfall auf die Börse eine Kettenreaktion aus, die zu Chaos und Anarchie führt. Da übernimmt der Mob die Macht über Gotham City und richtet im Stile des jakobinischen Terrors über die Vertreter der Oberschicht, über die Vorstände großer Konzerne. Da fragen sich Polizisten, ob Gesetze bei der Aufklärung von Verbrechen nicht zu Fesseln werden können. Nolan bezieht dabei noch stärker als in den Vorgängerfilmen die Welt mit ein, die um Gotham City herum existiert. Es geht nicht mehr um einen einzelnen Irren, der eine Stadt erpresst und terrorisiert - hier steht etwas Größeres auf dem Spiel.

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Und was hat es mit dem Energieprojekt von Miranda Tate (Marion Cotillard) auf sich (hier mit Lucius Fox - Morgan Freeman)?

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

Auf der einen Seite ein System, das auf autoritären Gesetzen beruht, um vermeintliche Verbrecher zu bekämpfen. Auf der anderen Seite Bane und seine Komplizen, die die Börse überfallen und über die Oberschicht richten lassen. Nolan wurde im Vorfeld unterstellt, einen zutiefst konservativen, ja faschistischen Streifen gedreht zu haben, der Bane als Vertreter der Occupy-Bewegung darstelle und diese damit verteufele. Nolan dagegen hat stets betont, ihm sei es nicht um einen politischen Film gegangen. Tatsächlich ist die Hauptfigur, Batman, keiner der beiden Seiten völlig zugetan. Einerseits steckt hinter ihm der Milliardär Bruce Wayne, der natürlich vom bestehenden System profitiert, andererseits geht es ihm von Anfang an um Gerechtigkeit - mitunter auch gegen gesetzliche Vorschriften.

"The Dark Knight Rises" spiegelt hier - eher ungewöhnlich für einen Sommerblockbuster - gesellschaftliche Zustände wider. Doch auch wer den neuen Batman-Film nicht wegen der charakterlichen Tiefe der Hauptfigur, sondern wegen der Action anschauen will, kommt auf seine Kosten. Wobei "The Dark Knight Rises" mehr durch seine Spannung, durch seine düstere Endzeit-Atmosphäre und die Verstrickung verschiedener Handlungsstränge als durch Explosionen besticht. Aber das war schon immer das Markenzeichen des dunklen Ritters. Nach dem etwas langsamen Start wird die Handbremse schließlich gelöst und bis zum Ende auch nicht mehr angezogen.

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Regisseur Christopher Nolan (hier an einer Imax-Kamera) widmet sich nun als Produzent der Neuinterpretation von Superman in "Man of Steel".

(Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC)

Dabei ist es ein Glück, dass Nolan auf eine Verfilmung in 3D verzichtet, denn die Technik bleibt (noch?) in den allermeisten Fällen hinter den Erwartungen zurück. Stattdessen filmte er mehr als die Hälfte des Streifens mit großformatigen Imax-Kameras, deren Klarheit und Tiefenschärfe er lobt. Weltweit kann der Film nun in 102 Imax-Kinos in diesem Format gesehen werden. Laut Nolan profitieren aber auch Besucher normaler Kinos. So oder so wird der Zuschauer in seinen Sessel gedrückt von der Wucht und dem Bombast der Bilder, die die mehr als zweieinhalb Stunden Film bestimmen.

Schwer hat es dagegen Bane, Batmans Gegenspieler. Was weniger an Darsteller Tom Hardy liegt, der eine unheimliche körperliche Präsenz an den Tag legt, als vielmehr an der Übermacht, die Heath Ledger in "The Dark Knight" seinem Joker verliehen hat. Dessen Fratze ist mittlerweile ein so starkes Symbol, gegen das die Maske Banes nichts ausrichten kann. Andererseits: Gerade in Bane, der wie Bruce Wayne von Ra's al Ghul ausgebildet wurde, findet Batman einen ebenbürtigen Gegenspieler, dessen Persönlichkeit und Handlungsmotivation weit vielschichtiger ist, als es zunächst den Anschein hat.

Flinke Finger, vorlautes Mundwerk

Christian Bale dagegen macht, was er bereits in den letzten beiden Batman-Filmen getan hat: Er bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Aber die Fledermausmaske bietet eben nicht die schauspielerische Entfaltungsmöglichkeit, die einer der besten Mimen seiner Generation braucht. Dass er dabei leider weitgehend ohne Selbstironie auskommt, liegt an der dunklen Atmosphäre der Trilogie.

Für dieses Zwinkern sorgt dann wenigstens stellenweise Anne Hathaway als diebische Catwoman. Sie hat nicht nur flinke Finger, sondern auch ein vorlautes Mundwerk. Leider bleibt aber die Erotik zwischen ihr und dem humorlosen Batman auf der Strecke - Funken sprühen anders. Hervorheben sollte man noch Michael Caine, der als Alfred diesmal weniger Platz bekommt, diesen aber bis zur letzten Sekunde nutzt.

"The Dark Knight Rises" erzählt weniger von seinem Superhelden, der ohnehin lange Zeit abwesend ist. Viel mehr stehen die Menschen im Mittelpunkt, die selbst zu Helden werden und Bane die Stirn bieten - ohne Maske, ohne Batmobil, ohne Schnickschnack. Im Vergleich zu "The Dark Knight" ist der neue Batman-Film weniger kompakt und stringent, weniger explosiv und weniger charismatisch. Dafür bietet er mehr Denkansätze. Das ist nicht die schlechteste Idee in der heutigen Zeit.

"The Dark Knight Rises" startet am 26. Juli in den deutschen Kinos. Aufgrund des Attentats in Aurora haben mehrere deutsche Kinoketten . Teilweise wird darum gebeten, beim Kinobesuch auf Verkleidungen zu verzichten.

Quelle: ntv.de

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