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Tragikomödie "So viel Zeit" Da werden sogar Bochums Steine weich

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Haste mal 'ne Gitarre, Alter?

dpa

Scorpions-Fans und Scorpions-Hasser kommen in "So viel Zeit" voll auf ihre Kosten: Ihr Gastauftritt ist quasi das Sahnehäubchen auf einem sowieso schon feinen Film, der mit ungeheurer Leichtigkeit von Freundschaft, Tod und Liebe erzählt.

Das war's - man kann es nicht anders sagen. Als Rainer erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben haben wird, ist das natürlich ein Schock. Sein Leben hatte er sich anders und vor allem länger vorgestellt. Und überhaupt - was wurde eigentlich aus seinen "Sex, Drugs and Rock'n'Roll"-Anfängen? Nichts, denn Rainers Leben läuft ganz und gar nicht so, wie er sich das als junger Mann erträumt hatte. Jan Josef Liefers spielt diesen Rainer, einen Ritter der traurigen Gestalt, dessen Job ihn langweilt, dessen Frau ihn verlassen hat und dessen Sohn sich einen cooleren Papa gewünscht hat, auf unglaublich sympathische Art und Weise.

So richtig sympathisch finden ihn seine alten Kumpels allerdings nicht, denn es gibt eine Sache, die Rainer bereits vor 30 Jahren so richtig verbockt hat: Er hat den Durchbruch seiner Band "Bochums Steine" auf offener Bühne ruiniert. Seine Bandkollegen Bulle (Armin Rohde), Konni (Matthias Bundschuh), Thomas (Richy Müller) und besonders Ole (Jürgen Vogel) haben ihm das nie verziehen. Das verfolgt ihn bis heute. Ist die Nachricht seiner Ärztin, dass er nicht mehr lange zu leben hat, nun tatsächlich das Ende der Durchsage?

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Richy Müller und Jürgen Vogel gehören zu "Bochums Steine".

(Foto: dpa)

Da kennen Sie Rainer aber schlecht. Nach kurzen Momenten des durchaus verständlichen Selbstmitleids beschließt der Rock-Rentner, noch einmal alles zu geben und startet durch. Denn eine Sache wenigstens will er in seinem Leben richtig machen - und vor allem zu Ende bringen: Das Comeback von "Bochums Steine"! Dass er seinem Sohn damit beweisen kann, dass er doch nicht der unzuverlässige Schluffi ist, für den man - vor allem seine Ex-Frau - ihn halten könnte, soll dabei nur einer der netteren Nebeneffekte werden.

Carpe Diem

Doch wie werden seine alten Bandkollegen und der damalige Manager (sehr herrlich: André M. Hennicke) auf den Vorschlag reagieren? Kann Rainer sie überzeugen, dass es nie zu spät ist, seinen Traum zu leben? Zu verlieren hat er ja tatsächlich nichts mehr. Und wider Erwarten wendet sich das Blatt, die Karten werden neu gemischt und Rainer zieht die Königin - in Form von Laura Tonke.

*Datenschutz

Jeder seiner alten Kumpels, angefangen bei Jürgen Vogel (dem Enttäuschten) und Richy Müller (dem unentschlossenen Schwerenöter) über Armin Rohde ("Der mit dem Zahnarztbohrer tanzt") bis hin zu Matthias Bundschuh (HäshTägauchMännerkönnengeschlagen werden, seelisch), hat nach kurzer Überredung seitens Rainer große Lust, die alten Zeiten auferstehen zu lassen. Wenn ihnen nur nicht immer das Schicksal - oder sie selbst sich? - ans Bein pinkeln würde ...

"So viel Zeit" basiert auf Motiven von Frank Goosens gleichnamigem Roman und wurde von Regisseur Philipp Kadelbach ("Parfum", "Nackt unter Wölfen", "Unsere Mütter, unsere Väter") inszeniert. Neben dem großartigen männlichen Star-Ensemble feiern wir ein Wiedersehen mit der wunderbaren Alwara Höfels, bekannt vor allem aus "Fack ju Göhte", und der bereits erwähnten Laura Tonke. Die Mitglieder der legendären Band Scorpions spielen sich der Einfachheit halber selbst.

"So viel Zeit" bietet dem Zuschauer trotz des ernsten Themas durchaus Vergnügen. Man wird zum Nachdenken angeregt darüber, was denn nun wirklich wichtig ist im Leben. Und ob die alte Weisheit - "Carpe Diem" (Nutze den Tag") - nicht doch sehr viel mehr ist als ein abgenudelter Kalenderspruch.

"So viel Zeit" läuft ab sofort im Kino.

Quelle: n-tv.de

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