Kino

Im Kino: "Die Gangster Gang" Die Bösen werden wieder gut ... hoffentlich

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Die Mitglieder der Gangster-Gang werden unter anderem von den Schauspielern Sebastian Bezzel ("Tatort"), Kurt Krömer ("Conni & Co.") und Joyce Ilg ("Dahoam is Dahoam") synchronisiert.

(Foto: 2021 DreamWorks Animation LLC)

Aaron Blabeys "Böse Jungs"-Comics sind zwar nicht ganz so bekannt wie beispielsweise "Die Wilden Kerle", doch gibt es sie auch erst seit 2016. Jetzt kommt der Stoff um die gefährlich-komische Gangster-Gang aus Mr. Wolf, Mr. Snake, Mr. Shark, Mr. Piranha und Ms. Tarantula in die deutschen Kinos. Ein an sich spaßiger Animationsfilm, der dennoch nachdenklich stimmt.

Können die Bösen wieder gut werden? Das ist eine Frage, die aktuell nicht nur der neue Animationsfilm "Die Gangster Gang" aus dem Studio "Dream Works" stellt, sondern die auch viele Menschen ganz real umtreibt. Menschen, denen der Angriff des "bösen" Russlands auf die Ukraine auch Sorge um die eigene Sicherheit bereitet, weil sie Angst haben, der Krieg könnte auf Deutschland übergreifen.

Dass die Bösen wieder gut werden könnten, würden sich wohl die meisten wünschen. Doch die Botschaft des Films nach dem Drehbuch von Etan Cohen lautet gegenteilig: "Am Ende ist es immer die gleiche alte Geschichte: Die Bösen sind böse und die Guten sind gut", sagt das Meerschweinchen Professor Marmalade in "Die Gangster Gang".

Der vom bekannten Stimmenimitator Max Giermann ("Switch reloaded", "Extra 3", "Die Puppenstars") synchronisierte Professor ist eine Figur, die der Film-Öffentlichkeit genauso wie den Zuschauern lange Zeit als integre Person erscheint. Tatsächlich aber ist Professor Marmalade sehr viel böser als die fünf Gangster der Gangster-Gang zusammen.

Meerschweinchen mit Professorentitel plant Böses

Der schneidige Taschendieb Mr. Wolf (gesprochen von Sebastian Bezzel), der scharfzüngige Safeknacker Mr. Snake (Kurt Krömer), der Meister der Verwandlung Mr. Shark (Fynn Kliemann), das Mini-Muskelpaket Mr. Piranha (Jannis Niewöhner) und die flinke Hackerin Ms. Tarantula (Joyce Ilg) sind "nur" Kleinkriminelle. Auch machen sie kein Geheimnis aus ihren bösen Absichten. "Seht genauer hin, dann seht ihr, dass ich böse bin", trällert etwa Mr. Piranha vor der versammelten High Society aus der Film-Tierstadt.

Professor Marmalade dagegen ist ein undurchsichtiger, manipulativer und beinharter Opportunist. Ein Charakter, der seinen äußerst bösen Plan durchziehen will, egal, was es kostet. Gleichgültig, in welch schlimme Lage er damit die anderen bringt. Ohne sich zu kümmern, welch Leid er damit anzurichten vermag.

Komisch, aber dennoch passend in die aktuelle Zeit

Beim Schauen dieser amerikanischen Actionkomödie, produziert von Damon Ross und Rebecca Huntley, kommt man nicht umhin, immer wieder an die Lage in der Ukraine zu denken. Das liegt allerdings nicht daran, dass "Die Gangster Gang" ihrem Genre nicht gerecht werden würde - der Film enthält durchaus komische Bilder und auch die ein oder andere actiongeladene Handlungssequenz.

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Grimme-Preisträger Max Giermann spricht den bösen Professor Marmalade.

(Foto: Viktor Strasse)

Der Zuschauer sieht dennoch einen auf gefährliche Weise entrückten Egomanen Putin im bösen Professor Marmalade, seine russische Kleptokratenclique in der gierigen Gangster-Gang sowie ein schutzlos ausgeliefertes ukrainisches Volk in der unschuldigen tierischen Stadtbewohnerschaft einfach, weil die realen Ereignisse zu erschütternd sind. In der aktuellen Zeit ist es unmöglich, einen lustigen Film anzuschauen und dabei alles andere zu vergessen.

Dass in der "Die Gangster Gang"-Pressevorführung, die auf den Tag genau eine Woche nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, dem Kriegsbeginn in Europa, stattfindet, wenig Lachen zu hören ist, passt in dieses Bild. Wenn, dann sind es fast ausschließlich Kinder, die lachen, als Mr. Shark verkleidet als Mona Lisa die Mona Lisa klaut. Oder als Mr. Snake sämtliche Meerschweinchen auffrisst, um sie medienwirksam aus ihrer Käfig-Gefangenschaft zu befreien.

"Böse Jungs"-Comics dienen als Grundlage

Erwachsene hingegen lässt dieser Film, dem die "Böse Jungs"-Comics von Aaron Blabey (im amerikanischen Original "The Bad Guys") als Grundlage sowohl für die Geschichte als auch für die Animationen dienen, in ziemlich pessimistischer Stimmung zurück. Denn wer aus dem Film "Die Gangster Gang" von Regisseur Pierre Perifels ("Kung Fu Panda") geht, der geht mit der Botschaft: Die Hoffnung auf eine nachhaltige Besserung der Bösen ist illusorisch.

Wer mag, kann sich ein anderes, hoffnungsfroheres Ende ausdenken. Oder, was tatsächlich etliche Journalisten gemacht haben: die Filmvorführung früher verlassen. Dann bleibt vielleicht eine andere Botschaft hängen, denn etwas früher in "Die Gangster Gang" sagt Mr. Piranha über den sich scheinbar erfolgreich zum Guten gewandelten Mr. Snake: "Selbst der Fieseste, Gemeinste, Manipulativste - der Böseste der Bösen kann wieder gut werden."

"Die Gangster Gang" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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