Unterhaltung

"Mach jetzt nicht den Clooney" Sebastian Bezzel ist gern der "Wolf"

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Für Sebastian Bezzel war der Mr. Wolf in "Die Gangster Gang" die erste richtige Synchronrolle.

(Foto: Viktor Strasse)

In der Actionkomödie "Die Gangster Gang" spricht Sebastian Bezzel den bösen Wolf. ntv.de erzählt der "Eberhoferkrimi"-Star, warum ihn das wahnsinnig freut, wie die Zusammenarbeit mit Max Giermann und Kurt Krömer lief und wieso er es richtig findet, dass Mr. Snake Mr. Snake und nicht Herr Schlange heißt.

ntv.de: Herr Bezzel, in dem neuen Kinofilm "Die Gangster Gang" sprechen Sie den bösen Wolf. Warum ist der Wolf eigentlich immer der Böse?

Sebastian Bezzel: Ich glaube, weil er nicht domestizierbar ist im Gegensatz zum Hund. Da hat man sich in der Menschheitsgeschichte gesagt: Okay, der Wolf reißt ab und zu unsere Tiere, er ist komisch, diffus, nicht wirklich sichtbar, weil er relativ scheu ist. Und dieses Geheul ist natürlich ein bisschen unheimlich. Im Gegensatz zum Hund hat sich der Wolf, oder ein Teil von ihm, nicht domestizieren lassen. So, glaube ich, kam er über die Jahrhunderte zu seinem bösen Image.

Wollten Sie der böse Wolf sein? Oder hätten Sie vielleicht lieber eine andere Figur gesprochen?

Tatsächlich hatte ich ein Casting und musste vorsprechen. Allerdings war das für zwei andere Rollen. Dann kam der Anruf, dass ich jetzt aber den Wolf spiele. Da habe ich mich wahnsinnig gefreut, weil diese Figur ein sehr charmanter, intelligenter, witziger Typ ist. Wobei auch die anderen Figuren in dem Film grandios sind, es ist wirklich sehr lustig.

Der Film "Die Gangster Gang" basiert auf den "Böse Jungs"-Comics von Aaron Blabey. Kannten Sie die bereits, als Sie der Rolle Mr. Wolf zusagten?

Nee, die Comics kannte ich nicht. Auf die hat mich erst während der Aufnahme der Synchronregisseur aufmerksam gemacht. Ich habe mir auch sofort auf die To-do-Liste geschrieben, dass ich die für meine Kinder besorge. Die sind jetzt so im Grundschulalter, da kann man die Bücher wunderbar lesen.

Gefällt Ihnen eigentlich das Ende des Films? Dass die Bösen böse bleiben und "Die Gangster Gang" sogar noch wächst, ist an sich ja kein echtes Happy End …

Ich sehe es als offenes Ende. Ob sie jetzt … nein, sie sind gut. Die haben alle einen guten Charakter. Sie sind nicht wirklich böse, sie klauen halt gerne Sachen. Vielleicht finden sie ja einen Weg, ihr gefährliches Hobby weiterzumachen, aber eben für das Gute. So ein bisschen wie in "Catch Me If You Can": Da ist es am Schluss auch so, dass der Leonardo DiCaprio nach mehreren Gefängnisaufenthalten irgendwann für das FBI arbeitet, weil er so ein toller Betrüger und Fälscher ist, dass sie sagen: Wir könnten dich gut gebrauchen.

Sie sagen "offenes Ende". Es scheint tatsächlich so, als hätten sich die Macher die Tür für eine Fortsetzung offen lassen wollen. Wissen Sie da mehr?

Da weiß ich noch gar nichts, aber bitte sehr gerne. Bitte, bitte. (lacht)

Heißt das, Sie wären auch wieder dabei dann?

Ich würde das sofort wieder machen. Das hat echt Spaß gemacht.

"Die Gangster Gang" ist beziehungsweise soll ja auch eine Komödie sein. Auf einer Skala von eins bis zehn, wie lustig ist der Film?

Das liegt immer im Auge des Betrachters. Ich fand ihn absolut auf einer 8 … plus. Ich mag so was. Ich finde auch, dass diese computeranimierten Filme super für Action geeignet sind, weil man da gut übertreiben kann. Was mir an dem Film auch einfach saugut gefällt: Jedes Minidetail ist liebevoll, lustig und witzig gemacht. Wie sie gucken - die kleinsten Gesichtsausdrücke, kleine Striche im Gesicht - wie sich ein Charakter verändert, wie mit Rhythmus gearbeitet wird, das finde ich toll. Wenn man so was mag … es ist natürlich auch sehr schnell. Ich habe mich sehr amüsiert.

Also Humorlevel 8+. Und Actionlevel? Weil Sie sagen ja, es ginge alles sehr schnell …

10. (pfeift) Voll drauf! (lacht)

Gab es denn Action und lustige Sachen auch bei der Synchronisation? Oder war das eher eine trockene Angelegenheit?

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Wie "liebevoll, lustig und witzig gemacht" die Gesichtsausdrücke der Figuren in "Die Gangster Gang" sind, gefällt Bezzel "einfach saugut".

(Foto: 2022 DreamWorks Animation LLC)

Wir hatten viel Spaß. Es ist zwar wegen Corona leider nicht mehr so, dass alle Kollegen im Studio zusammenstehen. Trotzdem macht es total Spaß. Aber es ist richtig anstrengend, weil es teilweise um die Zehntelsekunde geht. Es ist ein unglaubliches Timing, man muss wahnsinnig konzentriert bleiben. Und es ist viel. Man darf nicht den Fehler machen, auf alles zu schauen, sondern immer nur auf die nächsten fünf Takes, mehr nicht. Die muss ich schaffen. Ich habe dann gemerkt, so nach anderthalb Stunden, da war ich drin. Dann kam der Rhythmus und dann macht es richtig Spaß. Und die Belohnung ist schön: Immer wenn man so 30 Takes, eine Sequenz hatte, hat man sich die einmal angeschaut.

Mit Ihren bekannten Sprecherkollegen, Max Giermann und Kurt Krömer, da kamen Sie bei der Synchronisation gar nicht in Kontakt?

Ich habe Kurt Krömer vor Jahren bei einer Talkshow kurz kennengelernt. Die anderen kenne ich alle nicht und die lerne ich heute (bei der Film-Promotion) kennen. Und da freue ich mich sehr.

Zurück zum Film: Mir ist aufgefallen, dass in "Die Gangster Gang" viele englische Wörter und Phrasen fallen, zum Beispiel "den Clooney machen". Was soll das denn heißen? Und stimmen Sie zu: Ist dieser Film wirklich etwas anglizismenlastig?

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Mit Komiker Kurt Krömer hat Bezzel bei "Die Gangster Gang" zum ersten Mal zusammengearbeitet.

(Foto: Universal Pictures / O. Walterscheid)

Äääh, ich finde, das ist selbsterklärend: "Mach jetzt nicht den Clooney mit mir!" Aber, das habe ich wahnsinnig lustig gefunden, im englischen Original war es: "Don't clooney me!" Also "to clooney" als Verbum finde ich sehr, sehr lustig. Dass er (Mr. Wolf) sie (die Gouverneurin Mrs. Foxington) mit seinem Charme zusülzt. Er versucht ja, sie auf seine Seite zu bringen - "jetzt mach ich mal den Clooney bei ihr", so kommt's an. Und sie schaut ihn einfach an und sagt: "Mach jetzt hier nicht den Clooney." Das, finde ich, war ganz gut zu verstehen. Na ja, gut, unsere Sprache ist eh ziemlich mit englischen Lehnwörtern voll. Man sagt heute, wenn irgendwas war: "Sorry!" Oder diese ganzen Fachausdrücke, Computerausdrücke, das ist alles in Englisch. Deswegen hält sich das hier auch noch im Rahmen. Und dass wir aus Mr. Snake nicht Herr Schlange gemacht haben, finde ich, ist auch richtig.

Sie finden das also "richtig" - in einem Film für Kinder. Finden Sie es auch richtig, wenn zu Hause Ihre eigenen Kinder auf die Weise sprechen? Denn die deutsche Sprache wird sich ja, gerade wenn die Jungen alle so "verenglischt" sprechen, über kurz oder lang stark verändern …

Vor Kurzem ist meinem Sohn mal was runtergefallen, dann hat er gesagt: "Whea, sorry." Da habe ich dann gesagt: "Nee, entschuldige dich richtig." (grinst) "Entschuldigung ist was anderes als 'Sorry', was so nebenbei kommt; das ist nicht richtig ernst gemeint." Da hat er mich dann so angeschaut (macht eine perplexe Grimasse). Das (die zunehmende Verwendung von Anglizismen) wird sich zum Großteil nicht vermeiden lassen, aber man kann natürlich dagegen steuern. Meine Frau und ich haben mit unseren Kindern schon, als sie noch ganz klein waren, wie mit Erwachsenen geredet. Wenn man sagt, wie war die Woche beim Skifahren, sagen sie am Anfang immer: "Mega cool!" Aber dann sollen sie es beschreiben. Und dann sollen sie bitte schöne Ausdrücke finden. Es ist einfach wichtig, dass ein Mensch einen großen Wortschatz hat. Und da achten wir drauf. Aber den einen oder anderen Englischen, den kannst du heute nicht mehr vermeiden.

Deswegen muss "der eine oder andere Englische" auch im Film vorkommen? Weil das jetzt quasi Standard ist?

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Sebastian Bezzel sagt, er hat keine so gute Figur wie Mr. Wolf und kann auch weiße Anzüge nicht so gut tragen.

(Foto: Viktor Strasse)

Ja. Aber da regen sich heute alle auf. Ich sage nur, bei Friedrich dem Großen haben alle nur Französisch geredet, am Hof. Man hat damals in der upper Gesellschaft eigentlich dauernd versucht, irgendwas Französisches fallen zu lassen. Also diese Trends gibt's immer wieder.

Um abzuschließen, noch einmal zurück auf Ihre Synchronrolle in "Die Gangster Gang": Mr. Wolf. Der kann ja ziemlich gut tanzen und ihm macht das extrem viel Spaß. Ist das beim echten Sebastian Bezzel auch so?

Nein! (Pause) Ich habe auch keine so gute Figur wie er und kann auch weiße Anzüge nicht so gut tragen. Tanzen kann ich auch nicht besonders gut. Also ich tanze gern. Sagen wir mal so, wenn man ein bisschen was getrunken hat, hilft's durchaus, dass man noch gerner tanzt. Aber ich bin kein großer Tänzer.

"Let's Dance" also eher nicht demnächst?

Nein, aber ich bewundere die Kollegen, die das machen. Das Training ist ja wirklich sehr hart.

Mit Sebastian Bezzel sprach Michael Stahl

Quelle: ntv.de

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