Kino

"Psycho" mal 23: "Split" Drei Teenie-Mädchen und eine Bestie

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Mit wem haben sie es gerade wohl zu tun? Die entführten Mädchen Casey, Claire und Marcia und ihr Peiniger Kevin.

(Foto: Universal Pictures)

Im Grusel-Klassiker "Psycho" lebt Norman Bates zwei Leben: sein eigenes und das seiner Mutter. Kevin im neuen Thriller "Split" hat indes gleich 23 Persönlichkeiten, mit denen er ein paar eingekerkerte Teenies foltert. Was wohl Alfred Hitchcock dazu sagen würde?

Der Regisseur von "Split" ist kein Unbekannter. M. Night Shyamalan avancierte mit "The Sixth Sense" 1999 quasi über Nacht zum cineastischen Wunderkind - sechs Oscar-Nominierungen inklusive. Die filmische Gratwanderung zwischen Leben und Tod mit Bruce Willis in der Hauptrolle ist schon jetzt ein Klassiker. Vielleicht kein Klassiker der Marke "Psycho" von Kultregisseur Alfred Hitchcock, aber ein Streifen, der auch nach fast zwanzig Jahren so gut wie nichts von seiner Magie eingebüßt hat.

Shyamalan, bei den Dreharbeiten zu "The Sixth Sense" gerade mal 28 Jahre jung, blieb sich in der Folge treu. Eigentlich alle Filme des US-Amerikaners mit indischen Wurzeln drehen sich um ein fantastisches oder mystisches Sujet. Und mit "Unbreakable - Unzerbrechlich", in dem abermals Bruce Willis mitwirkte, sowie "Signs - Zeichen" mit Mel Gibson glückten ihm kurz nach der Jahrtausendwende noch einmal zwei weitere Filme, die nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Kritikern gut ankamen.

Vom Wunderkind zum Buhmann

Doch auf den Höhenflug folgte der tiefe Fall. Schon die Reaktionen auf "The Village - Das Dorf" 2004 fielen lediglich durchwachsen aus. Richtig auf die Nase flog Shyamalan allerdings das erste Mal zwei Jahre später mit "Das Mädchen aus dem Wasser". Das Fantasy-Märchen wurde gleich vier Mal für eine Goldene Himbeere nominiert. Und tatsächlich erhielt Shyamalan den Spottpreis dann auch in den Kategorien "Schlechtester Regisseur" und "Schlechtester Nebendarsteller".

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Nicht immer gut gelitten: Regisseur M. Night Shyamalan.

(Foto: Universal Pictures)

Von da an brachte der Filmemacher praktisch kein Bein mehr auf den Boden. Ob der Thriller "The Happening", der Fantasy-Streifen "Die Legende von Aang" oder die Science-Fiction-Saga "After Earth" - sie alle wurden von Kritikern buchstäblich in der Luft zerrissen. Aus Shyamalan, dem gefeierten Wunderkind von einst, war auf einmal ein verhöhnter Buhmann geworden.

Comeback im TV

Die erneute Wende läutete das Fernsehen ein. Für die Serie "Wayward Pines" erntete Shyamalan endlich mal wieder lobende Worte. Und auch sein mit dem Mini-Budget von 5 Millionen Dollar in Eigenregie realisierter Horror-Thriller "The Visit" stieß vor zwei Jahren auf ein weitgehend positives Echo. Jetzt war vom Comeback des Regisseurs die Rede. Ein Comeback, das er mit seinem neuesten Streich "Split" gerne fortführen würde. Und schon jetzt ist klar, dass ihm das auch gelingt: In den USA eroberte der Film aus dem Stand die Spitze der Kinocharts. Und bei einem Budget von abermals nur 5 bis 10 Millionen Dollar holte der Streifen mit Einnahmen von mehr als 40 Millionen Dollar seine Produktionskosten schon am Startwochenende um ein Vielfaches wieder rein.

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Was die Thematik angeht, ist bei "Split" wie immer alles beim Alten: Mit dem makabren Thriller steigt Shyamalan mal wieder in finstere Tiefen hinab. Diesmal auch im ganz und gar wörtlichen Sinne. Schließlich spielt der Film über weite Strecken im Keller. Selten zuvor schien ein Werk Shyamalans derart offensichtlich inspiriert von seinem Regie-Vorbild Hitchcock. Und das nicht nur, weil es in "Split" wie in "Psycho" um einen Charakter mit multiplen Persönlichkeiten geht. Auch in Sachen Suspense tritt Shyamalans neuer Film tief in die Fußstapfen des altehrwürdigen Großmeisters spannungsgeladener Szenen.

"Rolle seines Lebens" für McAvoy

Ausgangspunkt der Schauermär ist eine Entführung. Kevin (James McAvoy), wie er mit wirklichen Namen heißt, verschleppt die Teenager-Mädchen Casey (Anya Taylor-Joy), Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula), sperrt sie in seinem Keller ein und terrorisiert sie. Was genau er von ihnen will, bleibt zunächst ebenso ein Rätsel wie die Frage, mit wem es die Opfer wirklich zu tun haben. Denn Kevin ist nicht nur Kevin. Ob Dennis, Barry oder Hedwig - insgesamt vereint der Peiniger 23 unterschiedliche Persönlichkeiten in sich. Das jedenfalls sind die Persönlichkeiten, von denen auch seine Therapeutin Dr. Fletcher (Betty Buckley) weiß, die er von Zeit zu Zeit aufsucht. Doch Kevin fabuliert immer wieder von einer noch weiteren Person, die er nur schlicht "die Bestie" nennt …

Eines steht außer Frage: McAvoy, der in dem Film mehrmals von einer Sekunde auf die andere von einem Charakter in den nächsten schlüpfen muss, erweist sich als Idealbesetzung für den psychisch gestörten Kevin. Das Branchenblatt "Variety" attestierte dem unter anderem aus der "X-Men"-Reihe bekannten Schotten gar, in "Split" die "Rolle seines Lebens" zu verkörpern. So gesehen, kann Shyamalan geradezu froh sein, dass die zunächst auch für die Figur gehandelten Joaquin Phoenix und Leonardo DiCaprio nicht zum Zug kamen.

Darüber hinaus wartet "Split" jedoch auch mit so manchem Klischee, einigen Schwächen im - wie immer von Shyamalan auch selbst verfassten - Drehbuch und einer nur bedingt überraschenden Auflösung auf. Dennoch: Allein um McAvoy zuzusehen, lohnt sich der Gang ins Kino. Und Freunde düsterer Mystery-Kost werden ganz sicher auch nicht enttäuscht sein, wenn am Ende wieder das Licht angeht. Mit "Split" setzt Shyamalan seinen Kurs in Richtung alter Stärke fort. Bei "The Sixth Sense" ist er allerdings noch lange nicht wieder angekommen.

"Split" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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