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Psycho-Thriller "The Housemaid"Dunkle Geheimnisse hinter wollweißen Fassaden

14.01.2026, 16:34 Uhr WhatsApp Image 2026-01-13 at 15.49.10Von Nicole Ankelmann
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Nina (Amanda Seyfried, r.) ist oft etwas übergriffig. (Foto: Leonine Studios)

Millionenfach verkauft sich das Buch "The Housemaid - Wenn sie wüsste" von Freida McFadden. Nun kommt der Psycho-Thriller ins Kino und nimmt sich und seine Protagonisten lange zu ernst, um durchweg gut zu sein.

Von der sogenannten "BookTok"-Community gefeiert, hat es Freida McFaddens erster Roman ihrer "The Housemaid"-Reihe über das etwas andere Hausmädchen Millie Calloway jetzt auch ins Kino geschafft. Für die Verfilmung des 2024 erschienen und millionenfach verkauften Bestsellers verantwortlich zeichnet mit Paul Feig ein Regisseur, der sich gern Stoffen mit weiblichen Hauptfiguren widmet - darunter "Brautalarm", "Nur ein kleiner Gefallen" und das "Ghostbusters"-Remake von 2016 mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig als Geisterjägerinnen.

Zudem konnten in der Vergangenheit schon andere Filme ein großes Publikum überzeugen, die wie "The Housemaid" auf erfolgreichen Psycho-Thrillern weiblicher Autorinnen beruhen. Zu nennen wären da unter anderem "Gone Girl" von Gillian Flynn, gekonnt filmisch umgesetzt von David Fincher, und "Girl on the Train" von Paula Hawkins, Regie führte hier Tate Taylor. Dieses Mal ist es eben nicht das "Girl", sondern die "Maid", die im Zentrum der Ereignisse steht. Doch geht die Rechnung auf?

An den Kinokassen ein Erfolg

Finanziell bisher auf jeden Fall, so viel vorab. Beim US-Start kurz vor Weihnachten konnte der Film bereits so viel Geld einspielen, das ad hoc eine Fortsetzung angekündigt wurde. In Großbritannien stieß "The Housemaid" direkt "Avatar: Fire and Ash" vom ersten Platz der Kinocharts. Was jetzt erstmal vielversprechend klingt, sagt leider nicht allzu viel über die tatsächliche Qualität des Thrillers aus, sondern ist wohl eher den "Vorschlusslorbeeren" geschuldet - eben den bereits genannten und deutlich besseren "Girl irgendwas"-Verfilmungen sowie natürlich dem Hype um die Vorlage selbst. Doch worum geht es eigentlich?

Millie Calloway (Sydney Sweeney) hat's nicht leicht. Sie wohnt in ihrem alten Schrottauto und ist verzweifelt auf der Suche nach einem Job, um nach einigen schwierigen Jahren in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Und so bewirbt sie sich unter anderem bei Nina Winchester (Amanda Seyfried) als Haushaltshilfe für die noble Villa, die die vorzugsweise Wollweiß tragende Blondine gemeinsam mit ihrem attraktiven Ehemann Andrew (Brendan Sklenar) und der gemeinsamen Tochter Cecelia (Indiana Elle) bewohnt.

Der Feind im eigenen Haus

Millie kann es selbst kaum glauben, als sich Nina tatsächlich für sie entscheidet und ihr neben ihrem Gehalt freie Kost und Logie im spärlich möblierten Zimmer unter dem Dach des Hauses anbietet. Der Rest ist dagegen größer und protziger als beim Durchschnitt: Ballettunterricht für die arrogante, aber untalentierte Tochter, mehrere SUVs vor der Tür, Kücheninsel und Kühlschrank ebenso völlig überdimensioniert wie die Treppe in die oberen Stockwerke.

Natürlich klingt das alles nicht nur zu schön, um wahr zu sein, das ist es auch, denn Nina legt immer öfter ein wahrlich seltsames Verhalten an den Tag. Sie ist manipulativ, unterstellt Millie Vergehen, die sie nicht begangen hat, und hat völlig irrationale Ausraster, die aus dem Nichts zu kommen scheinen. Einzig Andrew, der sich liebevoll um seine Frau kümmert, weiß um die schwierige Situation und zeigt auch für Millie Verständnis. Das wiederum macht Nina zusätzlich eifersüchtig, was eine baldige Eskalation in den schicken vier Wänden der Winchesters erahnen lässt.

Twists jenseits der Glaubwürdkeit

Natürlich soll hier nicht gespoilert werden - wenngleich angesichts der Verkaufszahlen des Buchs vermutlich viele Kinogängerinnen (die weibliche Form ist an dieser Stelle bewusst gewählt) die zahlreichen Twists, die der Plot bereithält, bereits kennen dürften. So viel aber kann wohl auch den Nicht-Lesenden verraten werden: Es ist alles anders, als es scheint und hintenraus sind die Protagonisten und Protagonistinnen wenig zimperlich, wenn es darum geht, ihren Hintern zu retten.

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Sieht so die wahre Liebe aus? Andrew (Brendan Sklenar) und Nina (Amanda Seyfried) sind die Winchesters. (Foto: Leonine Studios)

Freida McFadden ist nur eine von vielen Autorinnen, die in hoher Schlagzahl Psycho-Thriller auf den Markt werfen, die sich dann doch alle irgendwie gleichen - und das nicht nur hinsichtlich der Covergestaltung. Viele spielen im besseren Milieu irgendeines spießigen Vororts, wo sich hinter den wollweißen Fassaden abstruse Abgründe auftun. Immer geraten Frauen in prekäre Situationen, an denen Männer auf die eine oder andere Weise beteiligt sind. Während früher diese Männer meist die größte Gefahr für jene Frauen darstellten, sind es inzwischen auch schon mal manipulative Frauen, die ihnen nach dem Leben trachten. Soweit, so bekannt und doch an der einen oder anderen Stelle - je nach Talent der Autorin - trotzdem überraschend, häufig aber auch total hanebüchen. Eher leichte Unterhaltung mit einem gewissen Trash-Faktor. Groschenromane der Jetztzeit im Taschenbuchformat für 13,90 Euro.

Überdrehte Story konventionell erzählt

Das gilt eigentlich auch für die überdrehte Story von "The Housemaid - Wenn sie wüsste", die dafür von Paul Feig allerdings dann zu konventionell und zu clean umgesetzt wurde. So besteht die Gefahr, bereits zur Mitte hin vom schönen Schein, den vielen kitschigen und klischeehaften Momenten und der mangelnden Glaubwürdigkeit gelangweilt oder gar peinlich berührt den Kinosaal verlassen zu haben. Alle Figuren sind bis dahin jedenfalls ein bisschen zu bemüht unterwegs. Ihr Agieren changiert meist zwischen aufgesetzt und albern. Erst spät kommen ein wenig Schwung, Spaß und recht viel Blut in die zuvor recht blutleere Sache. Die Story macht eine fast satirische Kehrtwende, doch ist das Komödiantische hier wohl eher ein Zufallsprodukt. Ein Kollateralschaden, der immerhin auf das Konto des Films einzahlt.

Zwei weitere Bücher mit Millie Calloway im Fokus gibt es bislang: "Sie kann dich hören" und "Sie wird dich finden". Zumindest Ersteres wird also ebenfalls in die Kinos kommen, und angesichts des Erfolgs von Teil eins wird dabei vermutlich wieder Paul Feig federführend sein. Bleibt zu hoffen, dass er sich dann ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnt und den Trash-Appeal des Buchs von Beginn an ausschöpft. Seiner Protagonistin beim Bewerbungsgespräch eine hässliche Fake-Brille aufzusetzen, reicht leider nicht.

"The Housemaid - Wenn sie wüsste" läuft ab dem 15. Januar in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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