Kino

"A Rainy Day in New York" Gatsby, noch nicht great, à la Woody Allen

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Liebe an der Uni - gar nicht so einfach, sie in die Großstadt zu transferieren.

(Foto: dpa)

Timothy Chalamet mimt den Spross einer New Yorker Upper-Class-Familie, der seiner Freundin, einem süßen Landei, seine Stadt zeigen darf. Dass sie sich zum Reporter-Luder entwickelt und er mit einer kleinen Schwester endet, ist nur die Kurzversion eines trotz aller offenen Fragen gelungenen Woody-Allen-Films.

Das Gegenteil von einem "Sommernachtstraum"? "A Rainy Day in New York" vielleicht. Man muss Woody Allens neuestem Film durchaus zubilligen, dass er auch als '"Lustspiel" durchgehen könnte, denn das ist er eindeutig. Die Figuren verlustieren sich geradezu in der Stadt der Städte, sie sind oft sehr lustig und sie spielen hervorragend.

Wir müssen an dieser Stelle natürlich darüber sprechen, dass es um Woody Allens Ruf nicht zum Besten steht, hängt doch immer noch der Vorwurf im Raum, dass er seine Adoptivtochter Dylan als Kind missbraucht haben soll. Ex-Partnerin Mia Farrow und Dylans Bruder Ronan sagen eindeutig, dass es sich so zugetragen hat, andere halten sich mit Schuldzuweisungen zurück oder beschuldigen selbst. Fakt ist, dass es keine Anklage gab, nur ein Gerichtsurteil, in dem ihm grobes Fehlverhalten gegenüber seiner Tochter vorgeworfen wird.

Die Tatsache, dass er seit 1997 mit der 35 Jahre jüngeren Soon-Yi-Previn - ebenfalls eine Adoptivtochter Mia Farrows mit ihrem ehemaligen Partner André Previn - verheiratet ist, trägt nicht unbedingt dazu bei, ihm das Unschuldslamm, als das er sich seit eh und je geriert, abzukaufen. Tatsache ist, dass wir nie herausfinden werden, was wirklich geschah und wer recht hat, auf jeden Fall ist diese wahre Geschichte ein Trauer- und überhaupt kein Lustspiel.

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Die einen sagen so, die anderen sagen so: Woody Allen scheint mit allem zurechtzukommen.

(Foto: dpa)

Und damit kommen wir zu "A Rainy Day In New York". Wieder geht es um eine junge Frau, wieder geht es um ältere Männer. Ein junger Mann darf in diesem Fall die Geschichte erzählen und trägt Züge eines gar knabenhaften Woody Allen. Er heißt bezeichnenderweise Gatsby und ist noch weit davon entfernt, "great" zu sein, aber auf dem besten Wege dahin. In sein Tweedsakko wird er noch wachsen und auch in seine Rolle als New Yorker Upper Class Boy fängt er am Ende der Komödie an, besser hineinzupassen. Doch beginnen wir von vorne: Gatsby (herrlich tollpatschig: Timothée Chalamet) plant mit seiner College-Liebe Ashleigh (zuckersüß, so süß, dass es für Gleichaltrige sicher nervig ist, für ältere Semester einfach nur entzückend: Elle Fanning) ein romantisches Wochenende in New York.

Halbnackt auf der Feuerleiter

Ashleigh soll für ihre College-Zeitung den berühmten Regisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen und in der verbleibenden Zeit möchte Gatsby ihr seine Stadt zeigen - dieses Vorhaben erweist sich jedoch als überaus schwierig, denn Ashleigh wird von Pollard nach dem Interview zu einem Screening seines neuesten Films eingeladen. Während sie mit ihm, dem Midlife-Crisis-Gebeutelten, seinem Drehbuchautor Ted Davidoff (Jude Law) und dem gefeierten Filmstar Francisco Vega (Diego Luna) von einer unerwarteten Situation in die nächste schlittert, muss sie Gatsby immer wieder vertrösten. Alte New-York-Klassiker wie Bemelmans Bar und eine Kutschfahrt durch den Central Park werden immer wieder verschoben.

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Zwischen Unschuld vom Lande und Luder: Asleigh (Elle Fanning).

(Foto: dpa)

Ganz auf sich allein gestellt, lässt Gatsby sich schließlich im Regen durch die Straßen New Yorks treiben. Und trifft dabei auf Chan (Selena Gomez), die schlagfertige jüngere Schwester seiner Ex-Freundin. Während Ashleigh sich von einem Herrn älteren Semesters nach dem anderen um den Finger wickeln lässt und in äußerst prekäre Situationen gerät, die am Ende nur auf einer Besetzungscouch enden können und mit keinem journalistischen Code zu vereinbaren wären, oder halbnackt auf einer Feuerleiter im Regen landet, hat Gatsby einen "Deep Talk" mit seiner Mutter (Cherry Jones), der für ihn alles verändert und ihm endlich erklärt, warum er so ist, wie er ist.

Natürlich sind Chalamet und Fanning die beiden überaus drolligen Hauptfiguren in diesem Srewball-artigen Reigen, vergessen werden darf aber natürlich nicht die große alte Dame New York. In keiner anderen Stadt leidet es sich so heiter, tröstet man sich so schlagfertig, und nirgends verwechselt man so grandios Liebe mit reiner Anziehungskraft wie in dieser Stadt. So ist am Ende eines regnerischen Tages für beide, Gatsby und Ashleigh, nichts mehr so, wie es zu erwarten war.

Woody Allen gibt seinen Figuren den Raum, den sie brauchen, um sich zu entfalten, und deswegen sehen wir einen ungewohnten Liev Schrieber, einen sensationell uncoolen Jude Law und einen sich selbst herrlich auf die Schippe nehmenden Diego Luna.

Inwieweit Allen sich selbst wohl auf die Schippe nimmt? Oder den Zuschauer? Das sehen Sie sich am besten selbst an - denn entweder Sie mögen Woody Allen oder Sie mögen ihn nicht.

"A Rainy Day In New York" startet am 5. Dezember im Kino.

Quelle: ntv.de