Kino

Komödie "Sweethearts" Gauner-Klamauk mit weiblicher Dezenz

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Franny (Karoline Herfurth) ist sicher nicht die Geisel, die sich Räuberin Mel (Hannah Herzsprung) gewünscht hat.

Nach "SMS für dich" kommt mit "Sweethearts" die zweite Komödie unter der Regie und schauspielerischen Mitwirkung von Karoline Herfurth in die Kinos. Die 34-Jährige stellt sich der Mehrfachbelastung scheinbar mit Leichtigkeit.

Mit "SMS für dich" konnte Karoline Herfurth in der Dreifach-Rolle als Drehbuchautorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin bei Zuschauern und Kritikern punkten. Die rührige Geschichte der Kinderbuchautorin Clara, die ihren Liebsten bei einem Unfall verliert und durch fehlgeleitete SMS schließlich einen neuen findet, erhielt von der Deutschen Film- und Medienbewertung sogar das Prädikat "besonders wertvoll".

Die Latte für den zweiten Film Herfurths lag also entsprechend hoch. Wieder war die 38-Jährige - an der Seite von Monika Fäßler - für das Drehbuch, die Regie und die Darstellung einer der Hauptfiguren zuständig. Eine Mehrfachbelastung, der sie sich scheinbar mit Leichtigkeit gestellt hat. Die Romantik spielt dieses Mal aber eher eine untergeordnete Rolle, Klischees kommen dagegen nicht zu kurz.

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Mel ist verzweifelt. Die alleinerziehende Mutter, gespielt von Hannah Herzsprung, würde ihrer kleinen Tochter gern ein besseres Leben bieten, doch ist sie in ihrem eigenen ein paar Mal zu oft falsch abgebogen. Nun sieht sie ihre einzige Chance, der Tristesse des Plattenbaus zu entkommen, in einem Diamantenraub. Doch auch dabei geht schief, was schiefgehen kann, und so hat sie statt fetter Klunker in der Tasche plötzlich mit Franny (Herfurth) eine psychisch labile und völlig planlose Geisel an der Backe.

Gemeinsam fahren die zwei in Mels Rostlaube durch die Gegend - auf der Flucht vor echten Gangstern, brutalen Ex-Freunden, der Polizei in Form von Streifenbulle Harry (Frederick Lau) und SEK-Leiterin Ingrid von Kaiten (Anneke Kim Sarnau) oder auch einfach nur vor ihren inneren Dämonen. Nach und nach entspinnt sich zwischen den beiden extrem ungleichen Frauen ein zartes, aber ehrliches Band der Freundschaft. Und immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht.

Psycho-Ticks und Slapstick-Momente

Die leider etwas biedere Plakatgestaltung spiegelt die recht rasant erzählte Geschichte nicht wider. Mel und Franny sind als Zweiergespann weitaus eigenwilliger und präsenter, als hier dargestellt. Ihre Figuren schwanken zwischen Drama, dem der eigentliche Humor des Films innewohnt, Brutalo-Ausbrüchen, Psycho-Ticks und Slapstick-Momenten.

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Dieses Plakat wird dem Film nicht gerecht.

(Foto: Warner Bros. )

Mel und Franny müssen sich trotz aller Gegensätzlichkeit irgendwann aus der Not heraus aufeinander ein- und verlassen und werden nach und nach zu Freundinnen. Im echten Leben wäre diese Konstellation nur schwer vorstellbar, aber das hier ist ja immer noch ein Film.

Der etwas angetrottelte Polizist Harry, der nach einem missglückten SEK-Einsatz wieder Streife fährt, entdeckt alsbald ein Herz für Geiseln - zumindest für eine bestimmte. Und Anneke Kim Sarnau ist die Figur der knochentrockenen SEK-Leiterin Ingrid van Kaiten quasi auf den Leib geschrieben. Dazu gesellen sich allerlei Nebenfiguren, die für weitere komische Randmomente sorgen. Harrys Kollege bringt sein neugeborenes Baby mit auf Streife. Cordula Stratmann mimt - wie schon in "SMS für dich" - die Chefin von Herfurths Figur und ist in ihren Ansichten und Aussagen gewohnt schonungslos. Ein bisschen Klischee steckt dabei in nahezu jeder Figur, doch lässt sich das verschmerzen. Auch, dass nicht immer alle ganz logisch handeln, könnte man dem Drehbuch an der einen oder anderen Stelle ankreiden.

Trotzdem bietet "Sweethearts" unterhaltsame 107 Minuten voll trockenem Humor und auch rührenden Momenten. Der Film ist ein weiblich besetztes Roadmovie, das es vielleicht nicht mit "Thema & Louise" aufnehmen kann, das aber auch gar nicht will. Zu  Auf jeden Fall ist er ein erfrischender Gegenentwurf  zum sonst üblichen Action-Komödien-Einerlei aus deutscher (und häufig männlicher) Hand. Dass das vor allem daran liegt, dass die Gewerke Drehbuch, Regie und Cast vorrangig weiblich besetzt sind, ist nur die Vermutung.

"Sweethearts" läuft ab dem 14. Februar im Kino.

Quelle: n-tv.de

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