Kino

"Bohemian Rhapsody" feiert Queen Hommage an eine "musikalische Nutte"

Freddie Mercury wusste es schon kurz vor seinem Tod: "The Show Must Go On". Und so kommt nun, knapp 27 Jahre später, die Filmbiografie "Bohemian Rhapsody" ins Kino, die ihn und seine Band Queen feiert. Nicht nur etwas für Fans.

"Ich bin nur eine musikalische Nutte, Liebling." Das ist lediglich eines der vielen knalligen Zitate, die Freddie Mercury nachgesagt werden. Und auch sonst galt der einstige Sänger von Queen als reichlich extrovertiert - jedenfalls dann, wenn er vor Publikum auftrat. Der Beiname "Bühnen-Derwisch" wurde ihm nur allzu gern verliehen.

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Und das, obwohl der 1946 in Sansibar als Farrokh Bulsara geborene Musiker mit indischen Wurzeln auf den ersten Blick so gar nicht das Klischee eines Rockstars erfüllte. Aufgewachsen in einer dem zoroastrischen Glauben verpflichteten Familie, schien dem jungen Mann mit Teilzeit-Schnauzer und Dauer-Überbiss seine Karriere im Showbusiness nicht gerade in die Wiege gelegt worden zu sein. Hinzu kam: So ein Paradiesvogel wie Mercury auf der Bühne auch war, umso schüchterner galt er in seinem Privatleben. Daran ändert auch nichts, dass er seine Homosexualität, zu der er sich zwar in seinem Umfeld ab Mitte der 70er-Jahre bekannte, doch sein Leben lang nie öffentlich, exzessiv auslebte.

So schillernd wie der Sänger war auch die Band, der er vorstand. Mehr als 200 Millionen Tonträger haben Queen verkauft. Ab ihrem zweiten Longplayer "Queen II" platzierte die Gruppe jedes ihrer bis dato 15 Studioalben in ihrer britischen Heimat in den Top Ten - allein sieben davon auf Platz 1. Ähnlich erfolgreich war die Band ab 1975 und ihrem vierten Werk "A Night At The Opera" auch in Deutschland. Mal ganz abgesehen davon, dass sie mit einem Song wie "We Are The Champions" eine Hymne für die Ewigkeit schuf. Bei Kritikern jedoch fand der Sound von Queen oftmals nur wenig Anklang - egal, ob es um die als zu bombastisch-überladen empfundenen Anfänge ging oder um spätere Phasen der Marke "Radio Ga Ga", in denen die Gruppe eher poppig-naiv daherkam.

Alle Augen auf Mercury

Wirkliche Anerkennung fanden Queen erst, nachdem ihr Frontmann 1991 mit 45 Jahren den Folgen seiner Aids-Erkrankung erlegen war. Und nachdem Mercury mit dem nur wenige Wochen vor seinem Tod veröffentlichten Song "The Show Must Go On" ein Ausrufezeichen gesetzt hatte, das kaum stärker hätte nachhallen können. Vielleicht hat es deshalb ganze 27 Jahre gedauert, bis ihm und seinen einstigen Mitstreitern Brian May, Roger Taylor und John Deacon nun ein filmisches Denkmal gesetzt wird. "Bohemian Rhapsody" - angelehnt an den gleichnamigen Kultsong vom Album "A Night At The Opera" - rollt die Queen-Geschichte von ihren Ursprüngen an auf. Das heißt, nicht ganz: Im Wesentlichen ist der Film doch vor allem die Hommage an eine Person - Freddie Mercury.

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Aber das ist der echte: Freddie Mercury 1985 beim "Live Aid"-Auftritt in London.

(Foto: picture alliance / -/epa PA/dpa)

Zum einen liegt das am Drehbuch, das seinen Fokus voll und ganz auf den Sänger der Gruppe richtet. Es beginnt bei dessen Einstieg beim Queen-Vorgänger Smile, in dem May (Gwilym Lee) und Taylor (Ben Hardy) bereits gemeinsame Sache machen. Es geht weiter bei Mercurys Beziehung zu Mary Austin (Lucy Boynton), seiner frühen Liebe und lebenslangen Freundin. Es setzt sich fort beim privaten Coming-out des Sängers, bei seinem Abgleiten in homosexuellen Hedonismus und seiner vorübergehenden Abkehr von Queen. Und es kulminiert beim Auftritt der Gruppe im Rahmen des Mammutkonzerts "Live Aid", bei dem - wie immer - alle Augen vor allem auf Mercury gerichtet sind.

Zum anderen liegt es aber auch am famosen Einsatz von Mercury-Darsteller Rami Malek, dass der Streifen auch für Nicht-Queen-Fans eine grandiose Intensität erreicht. Und das, obwohl auch und gerade die Musik der Gruppe im Film eine durchaus tragende Rolle spielt. Und obwohl der unter anderem aus der Serie "Mr. Robot" bekannte Malek nicht die erste Wahl für die Verkörperung des Queen-Frontmanns war. Zuvor waren etwa Johnny Depp und "Borat"-Darsteller Sacha Baron Cohen für die Rolle gehandelt worden.

Tohuwabohu hinter den Kulissen

Gegen Cohens Verpflichtung sollen jedoch die Queen-Mitglieder um Brian May höchstpersönlich ihr Veto eingelegt haben. Schließlich haben sie es nicht aus der Hand gegeben, bei der Entstehung von "Bohemian Rhapsody" ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Das dürfte auch dafür sprechen, dass der Film einigermaßen authentisch daherkommt. Doch nicht nur um die Besetzung der Hauptrolle gab es so manches Tohuwabohu. So soll der eigentliche Regisseur des Films, "X-Men"-Wiederholungstäter Bryan Singer, irgendwann einfach nicht mehr am Set erschienen sein. Gegen Ende der Dreharbeiten wurde er deshalb durch Dexter Fletcher ersetzt.

Im Ergebnis sieht man das "Bohemian Rhapsody" zum Glück nicht an. Dass der Film praktisch beim "Live Aid"-Auftritt der Band Halt macht und Mercurys gesundheitlichen Niedergang und Tod in seiner Erzählung ausspart, dürfte vielmehr von Anfang an geplant gewesen sein. Schließlich sollen die Zuschauer das Kino im Queen-Rausch und nicht mit gemischten Gefühlen verlassen. Nur als während des Abspanns "The Show Must Go On" erklingt, kommt bei denen, die das tragische Ende des Sängers miterlebt haben, dann doch so etwas wie Melancholie auf. Jedenfalls so lange, bis endgültig die Lichter im Saal wieder angehen. Denn ja, die Show, sie muss ja weitergehen.

"Bohemian Rhapsody" läuft ab 31. Oktober in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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