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Körperpflege à la Paddington.
Körperpflege à la Paddington.(Foto: StudioCanal)
Freitag, 24. November 2017

Egoman, eitel, abgehalftert: Hugh Grant stiehlt "Paddington" die Show

Hugh Grant spielt den Bösewicht, Elyas M'Barek spricht den drolligen Bären - mindestens zwei Gründe, sich den Film etwas genauer anzusehen und die Hauptakteure zu treffen. Im Interview mit n-tv.de reden die Stars übers Alter, Toastbrot und London.

Paddington kommt gerade rechtzeitig, um uns alle in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Regisseur Paul King macht uns quasi ein Geschenk in dieser so hektischen, oft unerquicklichen Zeit, in der wir uns doch alle etwas Muße gönnen sollten. Er hat Paddington dieses Mal, in der Fortsetzung, viel mehr Freiraum gegeben. Paddington, dieser reizende Bär mit Schlapphut und Dufflecoat, hat nicht nur bei Familie Brown - gespielt von Hugh Bonneville (Mr. Brown), Sally Hawkins (Mrs. Brown), Madeleine Harris (Tochter Judy), Samuel Joslin (Sohn Jonathan) und Julie Walters (Mrs. Bird) - ein Zuhause gefunden, er wird auch von den Kinobesuchern in der ganzen Welt verehrt. Und er ist in seiner Londoner Nachbarschaft ein geschätztes Mitglied der Gesellschaft: Höflich, zuvorkommend und immer fröhlich - außerdem lieben alle seine Marmeladenbrote, ohne die er nie das Haus verlässt. Als der 100. Geburtstag seiner geliebten Tante Lucy in Peru ansteht, sucht Paddington nach einem geeigneten Geschenk. Fündig wird er im Antiquitäten-Laden von Mr. Gruber (Jim Broadbent): Ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch hat es Paddington angetan. Allerdings muss Paddington dafür ein paar Nebenjobs machen - das Chaos ist programmiert. Und dann wird das Buch auch noch gestohlen! Paddington und die Browns begeben sich  auf Spurensuche, doch der Dieb scheint ein Meister der Verkleidung zu sein. Sie geraten auf die Fährte des abgebrannten Schauspielstars Phoenix Buchanan. Gespielt wird dieser eitle Geck mit dem entsprechenden Augenzwinkern von keinem Geringeren als Hugh Grant. n-tv.de hat mit Paul King, Hugh Bonneville, Hugh Grant und Elyas M'Barek, der Paddington wieder seine Stimme in der deutschen Fassung leiht, kurz vor der Premiere in Berlin gesprochen.

Wollte immer cool sein: Hugh Grant.
Wollte immer cool sein: Hugh Grant.

n-tv.de: Wie gefällt es Ihnen in der Paddington-Familie, Mr. Grant?

Hugh Grant: Oh, es ist wunderbar. Der erste Teil ist einfach nur brillant, überhaupt nicht süßlich. Da habe ich nicht lange überlegen müssen, ob ich mitmachen will. Außerdem werden Männer in meinem Alter ja nicht mehr oft gefragt, ob sie irgendwo mitspielen wollen. Ich bin extrem stolz auf diesen Film.

Sie haben einen recht denkwürdigen Brief bekommen ...

Hugh Grant: Oh ja, dieser Brief (lacht) Man würde nach einem egomanen Monster suchen, einem abgehalfterten Typen, der sich dennoch für den Größten hält, und da haben wir an dich gedacht, stand da drin. Ich nehme das aber nicht übel. (lacht)

Grant ist extrem stolz auf den Film.
Grant ist extrem stolz auf den Film.

Paul King: Naja, dieser Phoenix Buchanan konnte nur von einem so smarten Typen wie Hugh Grant gespielt werden. Ich habe in dem Brief nur von einem narzisstischen, eitlen Schauspieler, dessen beste Tage bereits hinter ihm liegen, gesprochen, und nicht von einem Monster!

Und darauf ist er angesprungen?

Paul King: Oh ja, Hugh Grant hat diesen unglaublichen Humor und er ist überhaupt nicht nachtragend.

Kennen Sie das Gefühl, Mr. Grant, wie ein Phönix aus der Asche zu steigen?

(zögert) Ich denke schon, irgendwie. Aber ich bin eher der entspannte Typ. Was meine Karriere angeht zumindest. Vielleicht ein bisschen zu entspannt (lacht). Für Phoenix Buchanan im Film ist es hingegen das Allerwichtigste.

Hat sich auf die Midlife-Crisis vorbereitet: Hugh Bonneville
Hat sich auf die Midlife-Crisis vorbereitet: Hugh Bonneville

Mr. Bonneville, Sie spielen den Mr. Brown in einer veritablen Midlifecrisis - war es schwer, sich vorzubereiten?

Hugh Bonneville: (lacht) Ich hatte Jahrzehnte, um mich darauf vorzubereiten. Und außerdem habe ich mich bei Hugh Grant erkundigt, wie es sich anfühlt, wenn man so dermaßen alt ist.

Wenn man im ersten Teil bereits gespielt hat, wie ist es dann, an den Set für den zweiten Teil zu gehen? Kommt man da quasi nach Hause?

Hugh Bonneville: Ja. Ich schätze, wir Schauspieler sind aus zwei Gründen wieder dabei: Der erste ist, dass wir alle diesen Bären so liebhaben, und der zweite ist, dass der Regisseur einfach so liebenswert ist. Er ist quasi Paddington. So knuddelig.

Die Chemie am Set stimmte also. Mr. Grant, war es denn anstrengend, immer jemand anders zu sein in dem Film, oder war es eher lustig?

Nur eine von vielen Rollen: Hugh Grant im Nonnenkostüm.
Nur eine von vielen Rollen: Hugh Grant im Nonnenkostüm.(Foto: StudioCanal)

Hugh Grant: Phoenix Buchanan verkleidet sich ja tatsächlich ständig, um seinen schrecklichen Missetaten nachgehen zu können, aber das Lustigste an der ganzen Sache war, er selbst zu sein, dieser psychotische, egomanische Schauspieler.

Herr M'Barek, muss man sich auf "Paddington" als Sprecher denn anders vorbereiten als auf andere Rollen?

Elyas M'Barek: Nicht wirklich. Der Bär ist ja sehr menschlich, er grummelt ein bisschen mehr, aber ansonsten spricht er doch ganz normal. Er bewegt sich wie ein Mensch - also ehrlich gesagt: Er IST ein Mensch, ein sehr netter Mensch. (lacht)

Brauchen wir mehr Paddington-Momente in unserem Leben?

Hugh Grant: Auf jeden Fall. Wir sollten alle etwas bäriger sein, dann wären wir netter. Ich glaube an Paddingtons Philosophie: Sei nett und halte nach dem Guten Ausschau. Das ist doch charmant! Und je mehr ich darüber nachdenke: Es ist auch gar nicht uncool! Als wir Teenager waren, da wollten wir alle cool sein, und dann steckt man irgendwie fest. Zumindest mir ist das wohl so ergangen, Jahrzehnte lang (lacht), dabei wissen wir doch inzwischen: Am attraktivsten sind die Leute, die positiv denken, die liebevoll sind. Wenn es ehrlich gemeint ist, natürlich nur. Denn diese falsche Lieblichkeit, so wie in Los Angeles (lächelt), das ist kontraproduktiv, abstoßend geradezu.

Hugh Bonneville: Paddington steht für "das Andere", "das Fremde" - und wir sollten schleunigst lernen, damit umzugehen. Paddington lehrt uns, die Welt durch seine Augen zu sehen, und diese Welt ist nicht so beängstigend, wie viele das glauben. Diese Welt ist voller Möglichkeiten. Sein Optimismus ist ansteckend, und tatsächlich sieht man die Welt nach den Dreharbeiten ein bisschen mehr aus Paddingtons Perspektive.

Was nehmen Sie mit aus "Paddington 2"?

Elyas M'Barek: Die Botschaft des Film ist: Kümmert euch umeinander, seid ehrlich, helft einander und am Ende wird alles gut.

Hugh Bonneville: Und esst mehr Toast mit Orangenmarmelade!

Gibt Paddington seine eigene Note: Elyas M'Barek.
Gibt Paddington seine eigene Note: Elyas M'Barek.

Sie spielen sonst eher den Sonnyboy, Mr. Grant - wie lebt es sich mit einer Rolle, die so durchweg böse und hinterhältig ist?

Hugh Grant: Ach, bevor ich dieser Sonnyboy wurde, also genauer gesagt vor "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", war ich oft der böse Bursche. Und ehrlich gesagt: Ja, ich freue mich, dass diese Filme alle so erfolgreich waren - aber mehr Spaß macht es, es den Bösewicht zu spielen.

In Ihrem Filmhaus stehen sehr viele Bilder in silbernen Rahmen, die nur eines zum Thema haben: Sie selbst. Haben Sie die alle mit ans Set gebracht?

Hugh Grant: Ja, na klar, bei mir zu Hause stehen auch jede Menge Fotos von mir herum (lacht). So sieht das nun mal aus.

Großartig sind ebenfalls die Action-Szenen auf den Bahngleisen. Und danke auch für den Jean-Claude van Damme-Moment, Mr. Bonneville.

Hugh Bonneville: (lacht) Sehr gerne.

Ist so knuddelig wie sein Bär: Paul King.
Ist so knuddelig wie sein Bär: Paul King.

Paul King: Das hat eine Weile gedauert, bis er das drauf hatte, und eine Menge Technik brauchten wir auch noch, aber inzwischen ist er sehr dehnbar (lacht).

Mr King, Sie sind ein großer Charlie-Chaplin-Fan, was macht das mit Ihnen bei Ihren Dreharbeiten? Und was ist Ihr Lieblingsmoment am Set gewesen?

Paul King: Am Set sind immer die Drehs mit den Schauspielern das Beste: Zum Beispiel, als Hugh Grant die Browns in seinem Wohnzimmer erwischt. Alle drei auf einmal interagieren zu sehen, freut mich einfach unbändig. Und bei Charlie Chaplin habe ich mir abgeguckt, wie der Wechsel zwischen sehr traurigen und sehr lustigen Momenten verlaufen sollte. Ich glaube, das gelingt mir inzwischen auch ganz gut (lacht).

Und Ihr Lieblingsmoment als Sprecher des Paddington, Herr M'Barek?

Elyas M'Barek: Ich höre beim Synchronisieren ja die Originalstimme von Ben Wishaw. Der macht das großartig. Aber mir macht natürlich vor allem Spaß, meinem Paddington eine eigene Note zu verpassen.

Kannten Sie Paddington aus Ihrer Kindheit?

Mehr pink, bitte!
Mehr pink, bitte!(Foto: StudioCanal)

Elyas M'Barek: Ich kannte die Bücher gar nicht, bevor man mir damals angeboten hatte, Paddington zu sprechen. Ich hatte natürlich von Paddington gehört, aber ich musste mich erst erkundigen.

Paddington ist extrem tollpatschig, er macht Fehler. Er wäscht eine rote Socke mit weißer Wäsche und schon ist alles pink. Können die kleinen Dinge manchmal die Welt verändern?

Elyas M'Barek: Das kann schon passieren, ja. Man erlebt das doch selbst oft als Kettenreaktion. Und wenn dann alles pink wird oder auch weicher, dann wäre das doch eine gute Sache.

Michael Bond, der Autor der Bücher, ist erst in diesem Jahr gestorben. Das ganze Team war traurig, denn den Beginn der Dreharbeiten hat er noch mitbekommen.

Happy family!
Happy family!(Foto: StudioCanal)

Hugh Bonneville: Ja, er war gerade fertig mit seiner neuesten Paddington-Story. Es ist wirklich zu traurig. Er hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Meine Eltern haben mir Paddington früher vorgelesen, die Storys haben die ideale Bettgeschichten-Länge. Später habe ich sie selbst gelesen. Deswegen war ich sehr gespannt, als ich hörte, dass der Stoff verfilmt werden soll. Legt euch nicht mit MEINEM Bären an, dachte ich. Aber ich war sehr glücklich, dabei sein zu können.

Paul King: Ich hätte zu gern gewusst, wie er den fertigen Film nun findet. Er war so inspirierend, selbst in seinem hohen Alter von 91 Jahren hat er täglich geschrieben. Wir vermissen ihn sehr.

Man wünscht sich so einen Paddington ins Leben - jemanden, der immer nur das Gute sieht, der selbst immer nur versucht, etwas Gutes zu machen, auch, wenn es nicht immer gelingt, oder?

Paul King: Ja, wir alle wollen lieben und geliebt werden. Und für viele in London ist es quasi normal, einem kleinen Bären zu begegnen, im Laden, im Bus, bei der Arbeit. (lacht)

Das könnte in die Hose gehen - wenn man denn eine anhätte ...
Das könnte in die Hose gehen - wenn man denn eine anhätte ...(Foto: StudioCanal)

Apropos London: Die Stadt spielt eine weitere Hauptrolle in dem Film - diese wunderschöne Stadt, die in letzter Zeit von Anschlägen und Terror heimgesucht wurde - wie viele andere Großstädte auch. 

Hugh Bonneville: Ich war mit Paddington beim Bürgermeister von London und der betont ausdrücklich: Großbritannien ist offen und unsere Herzen sind es auch! London bleibt diese großartige, lebendige Metropole, und da wo Terror ist, bekämpfen wir ihn. Der erste Film war ein Liebesbrief an London, der zweite jetzt ist eine riesige Umarmung.

Mit Hugh Grant, Hugh Bonneville, Elyas M'Barek und Paul King sprach Sabine Oelmann

"Paddington 2" läuft derzeit in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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