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Nilam Farooq hat was zu sagen "Ich habe mich zum Einzelgänger gemacht"

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Die Süße und das Biest ... und es gibt doch Yetis!!!

(Foto: DreamWorks)

Das Hollywoodstudio DreamWorks kennen wir als Produzenten von "Shrek", "Madagaskar", oder "Kung Fu Panda". Jetzt gibt es ein neues Animations-Abenteuer: "Everest - Ein Yeti will hoch hinaus". Es geht um das Teenager-Mädchen Yi (Stimme im Original: Chloe Bennet, im Deutschen von Nilam Farooq gesprochen) das auf dem Dach ihrer Wohnung in Shanghai einen verängstigten Yeti findet. Yi kann ihren Augen kaum trauen, doch nachdem sie sich das Vertrauen des magischen Geschöpfs erarbeiten konnte, tauft sie ihn schließlich auf den Namen Everest. Immerhin ist das gleichzeitig auch die Heimat des Wesens - und genau dorthin will dieses auch unbedingt wieder zurück. Gemeinsam mit ihren Freunden Jin und Peng begibt sich Yi mit Everest auf eine abenteuerliche Reise durch ganz China, um ihren neuen Gefährten wieder mit seiner Familie zu vereinen. Nilam Farooq hat sich auf ihre erste Sprech-Rolle gefreut, im Interview verrät sie warum und auch, dass sie noch viel mehr zu sagen hat.

n-tv.de: Ein süßer Film - geht für Erwachsene und Kinder, oder?

Nilam Farooq: Ja, die Erwachsenen hören bestimmt etwas anderes heraus als die Kinder, aber das war ja auch der Plan.

Du sprichst das mutige Mädchen Yi - bist du im echten Leben auch so mutig?

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Nilam hat 'ne Schacke? Finden wir gar nicht!

(Foto: imago images / Future Image)

99 Prozent meiner Freunde würden sagen, Nilam hat 'ne Schacke und ist mutig (lacht) - und das beziehe ich jetzt auf solche Dinge wie Mutproben. Ich bin ein Adrenalinjunkie, ich bin tendenziell immer die Erste, die vorgeht oder etwas ausprobiert. Aber ob ich emotional mutig bin, weiß ich gar nicht, das kommt auf die Situation an. Grundsätzlich würde ich mir diese Eigenschaft schon zuschreiben.

Du warst also auch in der Schule immer die, die nach vorne geschoben wurde?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe mich schon als Klassensprecherin aufstellen lassen, nur um zu gucken, ob ich gewählt werde.

Und?

Ich wurde gewählt, habe aber die Wahl nicht angenommen. Das finde ich schon irgendwie mutig, auch wenn das wirklich vollkommen daneben von mir war.

Hattest du danach noch Freunde?

(lacht) Erstaunlicherweise schon, obwohl ich eher eine Einzelgängerin war. Ich war schon immer sehr frei und direkt.

Warum Einzelgängerin? Passt jedenfalls gut zur Rolle …

Ja, Yi und ich, wir sind uns tatsächlich ähnlich in einigen Dingen. Ich wurde nicht gemobbt, ganz und gar nicht, ich habe mich eher selbst zum Einzelgänger gemacht. Ich fand einfach oft andere Sachen interessant, als beispielsweise meine Klassenkameraden gerade gut fanden.

Du hast sehr bunte Wurzeln, bist in Berlin Wilmersdorf aufgewachsen und hast ja eine sehr schöne Kindheit gehabt, wenn ich das so richtig einschätze.

Das ist so, stimmt.

Jetzt hat der Wind sich gedreht, es gibt wieder mehr Ausländerfeindlichkeit, die AfD ist in einigen Landtagen vertreten, macht das Angst? Oder eher wütend?

Das macht mich sehr sauer! Mir ist klar, dass man die Gründe für die Unzufriedenheit als erstes herausfinden und nicht pauschalisieren sollte, trotzdem bin ich schockiert über diese Entwicklung, die sich seit einigen Jahren heranschleicht und breitmacht. Ich habe, ehrlich gesagt, kein Verständnis für Protest-Wähler, kein Verständnis für die Leute, die sagen: "Ich hab' ja nichts gegen Ausländer, aaaber, …!" Wer Afd wählt, der wählt ein Gesamtpaket, das ist einfach so, und in diesem Paket steckt so viel Menschenverachtung, dass man diese Partei meiner Meinung nach nicht wählen darf. Ja, wir leben in einer Demokratie in der Meinungsfreiheit herrscht, aber Menschenverachtung geht nun mal gar nicht. Punkt. Das müsste ja jeder verstehen, der mich sieht.

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Zusammenhalten, wenn der Wind sich dreht!

(Foto: DreamWorks)

Du hast aber nicht den Impuls wieder zu bloggen?

Das schaffe ich gar nicht. Ich will ja auch nicht ständig sagen, dass alle doof sind. Ich habe auch noch keine Lösungen anzubieten. Es müssen natürlich Initiativen gestartet werden - aber ob ich das Rezept dafür habe? Weiß ich nicht ….

Im Film geht es um Familie und wie wichtig sie ist - wie sieht es bei dir aus?

Ganz wichtig! Mama, Papa und Bruder - das ist der Kern für alles. Meine Mutter hat 10 Geschwister, und ich bin so aufgewachsen, dass Geschwister zusammenhalten. Mein Bruder ist die wichtigste Person in meinem Leben, weil es niemanden gibt, der die Dinge, die in der Familie passieren, so mit mir empfindet wie er. Familie ist wirklich der größte Wert - neben Gesundheit und Zeit.

Ist er jünger?

Fünf Jahre jünger.

Du bist also die tolle große Schwester …

(lacht) Ich würde sagen, ja! Jüngere Geschwister haben ja immer einen Welpenschutz, und einfacher haben sie es auch, weil man als Ältere ja schließlich vorgearbeitet hat, gerade im Teenager-Alter.

Also ich habe meinen kleinen Bruder zu einem guten Typen, zu einem Frauenversteher gemacht, würde ich sagen …

(lacht) Das würde ich absolut unterschreiben, und das wird mein Bruder später auch noch sehen.

Hast du Lieblingsfilme? Lieblingsmärchen?

Ich war nie ein Prinzessinnenmädchen. Aber ein wirklich einschneidender Animationsfilm für mich war "Der König der Löwen". Aber auch "Asterix und Obelix", als Comic und als Film. Märchen eher nicht.

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Nilam Farooq hatte schon ein "Blind Date mit dem Leben" ...

(Foto: www.imago-images.de)

Ich habe dich in "Rate your Date" und "Blinddate mit dem Leben" gesehen: wie ist es jetzt, in "Everest", die ganze Emotion in die Stimme zu legen?

Das wollte ich schon immer machen, denn die Stimme ist so wichtig für einen Schauspieler! Ich habe ganz viel gelernt. Zum Beispiel, dass Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung manchmal gar nicht zusammen passen im Bezug auf die Tonalität von Dingen. Der Ton macht eben die Musik. (lacht). Man muss sehr deutlich sprechen, normalerweise nuschel' ich gern mal was weg. Dabei hat Sprache so eine große Macht, sowohl inhaltlich als auch von der Betonung.

Der Film spielt in China - nicht ganz unkompliziert. Aber Reisen bildet und bringt einen zu sich selbst, würdest du dem zustimmen?

Total. Ich bin viel gereist, und gerade wenn du alleine reist oder in kleineren Gruppen, macht das etwas mit dir. Auf der Reise selbst und dann, wenn du in dein Umfeld zurückkommst. Die Frage, die sich dann immer stellt, ist die nach der Heimat, wo kann man sich wohlfühlen? Was mache ich mit den Erfahrungen? Das kommt im Film sehr gut rüber, finde ich, denn die Reise ist ein großer Traum, aber am Ende des Tages sitzt man wieder zusammen am Tisch und schätzt sein Zuhause.

Auf welcher Reise hast du am meisten gelernt?

In der Atacama-Wüst in Chile. Das war für mich eine der größten Offenbarungen. Mein Herz ist zu einem Teil dort geblieben. Das liegt sicher daran, dass das meine erste wirklich große Reise war. Und ich habe dort einen Film gedreht, denn sonst hätte ich Chile wahrscheinlich gar nicht auf meiner Liste gehabt. Ich habe dort gemerkt, dass ich eine Affinität zum Spanischen habe, dass ich dieses Lockere und dieses Leben im Hier und Jetzt großartig finde. Die Menschen sind laut und die Farben sind bunt, zumindest in Santiago! Und dann die Natur! In dieser Wüste ist alles anders: Die Sterne, die Stille, die Geysire, die "Mondlandschaft". Dann habe ich Spanisch gelernt und weiter Südamerika bereist.

Die Heimatländer deiner Eltern geben auch viel her…

(lacht) Oh ja, Pakistan kenne ich ein bisschen, ich war dort zwei Mal, kann aber die Sprache nicht, und Polen steckt sehr viel in mir! Sprache, Kultur, die erste Hälfte meines Lebens war ich ganz oft dort. Und essen (lacht) - übers Essen geht auch immer viel! Ich liebe es, dass sich zwei Menschen - wie meine Eltern - gefunden haben, aus zwei Kulturen, aus zwei Welten vielleicht sogar, und sich vereint haben. Mein Bruder und ich sind das Ergebnis einer solchen Vereinigung zweiter Kulturen. Jeden Tag beweisen meine Eltern uns, dass Unterschiede einen nicht trennen müssen, sondern dass man sie schätzen lernt. Ich habe viel Toleranz mitbekommen, denke ich, und die Neugier auf andere. Und das ist etwas, das auch der Film rüberbringt:  Selbst wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, kann Kommunikation funktionieren.

Mit Nilam Farooq sprach Sabine Oelmann

"Everest - Ein Yeti will hoch hinaus" startet am 26. September im Kino

Quelle: n-tv.de

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