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Should I stay or should I go?
Should I stay or should I go?(Foto: dpa)
Donnerstag, 11. Januar 2018

"Commuter" pendelt ins Nichts: Liam Neeson lässt sich gern ansprechen

Ein Mann sitzt in einem Zug. Eine Frau spricht ihn an. Was zuerst noch nach einer Mischung aus "Flirten am Feierabend" und "Orient Express" klingt, entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Thriller. Nach "Non-Stop" und "Unknown Identity" arbeitet Liam Neeson für "The Commuter" (Der Pendler) ein weiteres Mal mit Regisseur Jaume Collet-Serra zusammen und beweist erneut sein Können als Action-Held - eine Rolle, für die er anscheinend eine besondere Sympathie hegt. Seit zehn Jahren pendelt der Versicherungsmakler Michael MacCauley (Liam Neeson) jeden Tag aus seinem beschaulichen Vorort nach Manhattan und zurück. Doch an diesem Tag ist alles anders: Eine mysteriöse Fremde, Joanna (Vera Farmiga),setzt sich zu ihm und verspricht ihm eine hohe Belohnung, wenn er für sie einen ganz bestimmten Passagier findet, der etwas besonders Wertvolles transportiert. Michael erhält nur zwei Hinweise: einen falschen Namen und den Zielbahnhof des Unbekannten. Als er zögert, macht Joanna ihm unmissverständlich klar: Sie hat nicht nur das Leben der Passagiere in ihrer Hand, sondern auch das von Michaels Familie - Michael ist Teil einer Verschwörung geworden. Er kann nur mitspielen oder einen Ausweg finden - und ihm bleiben nur wenige Haltestellen Zeit. Im Interview mit n-tv.de erzählt der 65-Jährige, dass er gerne mit seinem Regisseur tanzt, sich auch gerne von schönen Frauen ansprechen lässt und wo er seine Energie hernimmt. Unterstützt wird er von Regisseur Jaume Collet-Serra  - man merkt den beiden an, dass hier ein eingespieltes Team sitzt.

n-tv.de: Mr. Neeson, wie reagieren Sie, wenn eine fremde Frau Sie in einem Zug anspricht?

Liam Neeson: (lacht) Schauen Sie - es handelt sich um Vera Farmiga. Wer würde sich nicht gerne von Vera Farmiga ansprechen lassen?

Auch wieder wahr ...

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LN: Sie ist dermaßen attraktiv. Und sie war tatsächlich auf meiner Wunschliste mit "Schauspielerinnen, mit denen ich nochmal zusammen arbeiten möchte". Freundlicherweise hat Jaume mir diesen Wunsch erfüllt. Ich habe sie vor Jahren gesehen in Jaumes Psycho-Thriller "The Orphan". Und dann in "The Departed". Und dann habe ich mir quasi alle Filme angesehen, in denen sie mitgespielt hat, aber vor allem habe ich "Bates Motel" "gebingewatched".

Jaume Collet-Serra: Für mich ist ebenfalls ein Traum in Erfüllung gegangen. Nach der Arbeit mit Vera in "The Orphan" wollte ich sie immer mit meinem anderen Lieblingsschauspieler zusammenbringen - und das ist nun endlich wahr geworden. Mit diesen beiden großartigen Schauspielern zusammenzuarbeiten, ist der größte Spaß, den ein Regisseur haben kann. Ich habe während der Dreharbeiten wahrscheinlich die ganze Zeit vor mich hingelächelt.

Wussten Sie denn von Liams geheimsten Wünschen, was Vera Farmiga angeht?

JCS: (lacht) Wir haben natürlich schon das eine oder andere Mal über Vera gesprochen. Und jetzt haben sich zwei Fans einen Traum erfüllt ... (lacht)

Das nächste Mal dann ein bisschen mehr von Frau Farmiga, einverstanden?

JCS: Das stimmt, aber so ist die Rolle nunmal. Aber ich verspreche, dass wir sie das nächste Mal länger sehen werden. Sie wissen ja: In der Kürze liegt die Würze.

Fährt öfter mal mit dem Zug: Liam Neeson.
Fährt öfter mal mit dem Zug: Liam Neeson.(Foto: AP)

Kann man Sie beide denn eigentlich auch im wirklichen Leben in der Bahn antreffen?

LN: Naja, die Strecke, um die es im Film geht, liegt quasi vor meiner Haustür in New York, ich habe dort eine kleine Wohnung. Und natürlich bin ich auch schon öfter mit der Bahn gefahren in den letzten 20 Jahren. In letzter Zeit nicht mehr so häufig.

JCS: In Spanien bin ich früher sehr viel Bus und Bahn gefahren, das ist in Europa ja durchaus üblicher. Und zum Recherchieren bin ich auch öfter mit der Bahn gefahren, die Liam eben erwähnt hat, na klar. Ich habe das immer zu verschiedenen Uhrzeiten, Tages- oder Jahreszeiten gemacht, damit man ein Gefühl für das Bahnfahren bekommt. Doch das Beste ist, dass man ein Gefühl für die Menschen bekommt, die da hin und her pendeln. In New York spielen sich ganze Leben vor deinen Augen innerhalb einer Stunde ab, wenn du Bahn fährst, die Leute sind so vielfältig.

Der Film ist richtig schnell - das sieht nach harter körperlicher Arbeit aus.

LN: Stimmt, das war es, und ich musste mich auch wirklich gut vorbereiten. Der Zug hat sieben Waggons. Im Film. Bei den Dreharbeiten in den Londoner Studios waren es allerdings nur eineinhalb (lacht). Ganz ehrlich: Ich bin mindestens eine Woche nur gelaufen, um dieses Gerenne zwischen den Waggons zu drehen. Immer nur gelaufen. Eine Woche!

JCS: Wir haben die Waggons immer wieder umgebaut, wir waren am Schluss selbst ganz durcheinander.

Davon merkt man im Film nichts, es sieht nach einem sehr, sehr langen Zug aus! Sie mögen sicher auch "Mord im Orientexpress", oder?

Der Regisseur (2.v.r.) mit seinen Hauptdarstellern Patrick Wilson, Vera Farmiga und Liam Neeson.
Der Regisseur (2.v.r.) mit seinen Hauptdarstellern Patrick Wilson, Vera Farmiga und Liam Neeson.(Foto: AP)

JCS: Ja, natürlich.

LN: Ich erinnere mich vor allem an das Buch. Und den alten Film mit Lauren Bacall und Albert Finney.

"The Commuter" ist ja nicht Ihr erster gemeinsamer Film ...

LN: ... stimmt, es ist bereits der vierte.

JCS: Der vierte schon?

LN: Ja, "Run All night", "Unknown Identity", "Non-Stop" und jetzt "The Commuter":

Was schätzen Sie am meisten an dem anderen?

LN: Wir funktionieren einfach gut zusammen, wir ergänzen uns. Ich würde mal sagen, wir sind die perfekten Tanzpartner, füreinander gemacht (lacht).

Schönes Bild ...

LN: (lacht) Ja, und wir werden immer besser auf dem Parkett. Außerdem brauchen wir nicht viele Worte, um uns zu verstehen. Wir zeigen der versammelten Manschaft auch gerne, wie schnell wir arbeiten können.

JCS: Wenn du das sagst ... (lacht)

LN: Wir vertrödeln keine Zeit.

Klingt ein bisschen wie ein altes Ehepaar ...

So effektiv wie möglich arbeiten ....
So effektiv wie möglich arbeiten ....(Foto: AP)

LN: Naja, wir reden vor dem Dreh eben sehr viel, und dann wollen wir so effektiv wie möglich arbeiten.

JCS: Aus der Sicht eines Regisseurs ist es sehr beruhigend, wenn man sich auf den Hauptdarsteller so dermaßen verlassen kann wie auf Liam Neeson. Und mit neuen Schauspielerin geht man einfach immer ein Risiko ein, ob sie einen auch so verstehen, wie man das möchte. Liam lasse ich einfach machen.

Gab es besondere Momente beim Dreh, besonders witzig, oder gefährlich?

LN: Niemals gefährlich, nein, aber voller Herausforderungen eben. Es ist ja ein Thriller. Wenn man zum Beispiel nach einem Wochenende am Montagmorgen zum Set kommt und, sagen wir mal, noch etwas müde ist, dann ist es hilfreich, wenn man jemanden wie Jaume an seiner Seite hat. Wir unterstützen uns, wir helfen uns aus einem Tief, wenn es sein muss, damit wir wach und frisch und konzentriert an die Arbeit gehen können.

Wo nehmen Sie Ihre Energie her?

JCS: Ganz eindeutig: Red Bull (lacht). Nein, Quatsch, man ist so voller Adrenalin, wenn der Dreh endlich losgeht. An dem Konzept hat man ja schon lange vorher gearbeitet und wenn es dann endlich in die Tat umgesetzt wird, ist man automatisch konzentriert. Es fühlt sich dann gar nicht mehr nach Arbeit an. Ich habe viel eher das Gefühl, dass ich nur noch zugucke, wie es läuft.

LN: Oft ist es so, dass Regisseure gar nicht am Set sind, wir nennen das dann "Video Village", die kann einen halben Kilometer vom Set entfernt sein. Das Gute an Jaume ist, dass er da ist, präsent. Das ist toll für einen Schauspieler, zu merken, dass dein Regisseur physisch anwesend ist. Das hat Vera Farmiga neulich auch gesagt, dass es ihr dadurch viel leichter fällt, wenn sie weiß, dass Jaume da hinter der Kamera steht.

JCS: Ich bin einfach ein Control Freak ... (lacht)

Könnten Sie beide nicht bald an einer romantischen Komödie arbeiten?

JCS: Liam hat wahnsinnig schöne romantische Komödien gedreht. Ich bin jetzt nicht so der romantische Typ. Komisch vielleicht, aber nicht romantisch.

Ich frage doch nur, weil ich auf die Fortsetzung von "Tatsächlich Liebe ..." warte.

LN: Wir haben einen Sequel gedreht!

Ja, aber nur 15 Minuten für den Red Nose Day.

LN: Das muss reichen (lacht).

Was sind denn Ihre Wünsche für 2018, Mr. Neeson?

LN: Ach, einfach leben. Und Filme mit Jaume machen. Wissen Sie, ich habe wirklich Glück: Meine sogenannte Karriere läuft und ein paar Projekte stehen an, ich habe Kinder ... Ich bin zufrieden.

Mit Liam Neeson und Jaume Collet-Serra sprach Sabine Oelmann

"The Commuter" startet am 11. Januar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de