Kino

Dreier im Kino Neurosen, Teuflisches und Vorhersehbares

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Brühl, in Hollywood angekommen, und Delivigne, vom Laufsteg auf die Leinwand. Beides eine gute Idee.

(Foto: dpa)

Eine Familie, die mit dem Sexualdrang ihres Kindes umgehen muss; ein Regisseur, den das Leben ausgelaugt hat; ein Flug ins Land, wo die Doofen keinen Zutritt haben: mit Schily, Eidinger, Brühl, Delivigne und Clooney.

Dora - oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern

"Ich will auch ein Paar sein!", ruft Dora und rennt weg. Dora ist ein erwachsenes Mädchen, sieht süß aus und hat schöne Kleider. Sie lebt ein ganz behütetes Leben mit ihrer Familie. Nur eines ist anders: Dora ist geistig eingeschränkt. Und dennoch entdeckt sie nun die Sexualität, wie alle Gleichaltrigen. Der Film von Stina Werenfels zeigt in wunderschönen, einfühlsamen, aber auch harten, weil reellen Bildern, wie das Leben sich anfühlt, wenn man "ein bisschen anders ist als die anderen". Und wie die Umwelt reagiert, wenn ein Mensch, der nicht in die Norm passt, genau das will, was alle anderen auch wollen. Victoria Schulz spielt Dora, Jenny Schily die Mutter, Lars Eidinger ist Doras Liebhaber Peter und Urs Jucker der Vater - alle beeindrucken. Wenn Dora in der Badewanne liegt und ihren Körper entdeckt, während die Mutter auf dem Klodeckel sitzt und Märchen vorliest, und wenn Dora abends dann im Bett ausrastet, weil sie einfach nicht behindert sein will und ihre Mutter nicht aufhören kann, an ein zweites Kind zu denken, dann kommt einem der Film von Stina Werenfels fast körperlich nahe. Dass Papa mit ihr zu einer Burlesque-Party geht, auf der Mama das Catering macht, ist vielleicht etwas unrealistisch angesichts der Tatsache, dass sie soeben noch versucht hatte, ihrem Vater einen Zungenkuss zu geben. Sex zwischen Behinderten ist die eine Sache - Sex zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten eine andere. Ein schwieriges Thema. Schwierig auch, ein gutes Ende zu finden.

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Die Augen des Engels

Bei Filmen, die auf Tatsachen beruhen, weiß man ja, wie es ausgeht. Bei diesem hier nicht so ganz, außer, dass der Prozess jetzt vorbei ist. Wirklich klar ist trotzdem nichts. Der Mordfall um Amanda Knox hat auch heute nicht an Interesse eingebüßt und basierend auf dieser aufsehenerregenden Geschichte drehte Michael Winterbottom nun einen Justizthriller nach wahren Begebenheiten und einen Film über die Suche nach Wahrheit sowie dem eigenen Ich. In "Die Augen des Engels" sehen wir Daniel Brühl in der Hauptrolle. "Mit Michael Winterbottom zusammen zu arbeiten war, als würde man einen Langstreckenlauf machen. Ich mag seine, sagen wir mal, irre Art, an Themen ranzugehen," so Brühl gegenüber n-tv.de. Er ist ein Filmemacher in der Sinnkrise, der sich und seine eigenen Motive ständig hinterfragt, bis er das Vertrauen in sein Können verliert. Bis ihm die Studentin Melanie (Cara Delivigne) begegnet: "Die ist großartig, super, fantastisch, ein kleiner Vulkan, von dem man nicht weiß, wann die nächste Eruption kommt" schwärmt Brühl. "Sie ist total uneitel, sehr herzlich und unkompliziert. Und wahnsinnig lustig. Genau wie Kate Beckinsale, die hat im kompletten Gegensatz zu ihrem feinen Aussehen einen dermaßen derben Truckerhumor, dass man vom Glauben abfallen möchte. Fantastisch!" Dass die Zusammenarbeit mit den Damen so easy lief, machte die Arbeit an dem Thema vielleicht ein bisschen leichter, denn es geht um den grausamen Mord an einer britischen Studentin in Italien - die Augen der Welt richten sich auf den kontroversen Prozess gegen die attraktive US-Amerikanerin Jessica Fuller, die ihre Mitbewohnerin mit Hilfe ihres Freundes umgebracht haben soll. Regisseur Thomas Lang (Brühl) ist überzeugt, seinen nächsten Filmstoff gefunden zu haben. Vor Ort trifft er sich mit Journalistin Simone Ford (Kate Beckinsale), die den Prozess mitverfolgt und ein Buch über das Verbrechen geschrieben hat. Doch je mehr sich Thomas in den Fall vertieft, desto mehr verliert er sich darin. Einzig Melanie (Delivigne) findet noch einen Zugang zu ihm, der sich von Dämonen umzingelt, seinem Privatleben absorbiert fühlt und in Drogen flüchtet.

"Es gab eine Zeit, da hatte ich Rollenangebote, die ich jetzt nicht so wirklich spannend fand. Dann hat sich das zum Glück wieder geändert", erzählt Brühl und lacht. "Man kann was dafür tun, ist aber auch abhängig. Und dann kam 'Rush', genau zum richtigen Zeitpunkt. Und Regisseure aus dem Ausland haben einen unvoreingenommenen Blick auf mich. Da werden mir ganz andere Rollen angeboten." Ist er jetzt unser Mann in Hollywood, unsere Geheimwaffe? "Diese Bezeichnung gefällt mir, aber ich hätte nie damit gerechnet, dass es mal so kommt. Am Anfang war ich skeptisch, aber ich hatte auch mit meinen Kollegen so viel Glück. Kollegen wie Helen Mirren, Bradley Cooper, die einem das Gefühl geben, dass man sich schon ewig kennt." Unser Mann in Hollywood in einem spannenden und wichtigen Film.

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A World Beyond

Die gute Nachricht mal vorneweg: George Clooney dreht auch noch Filme. Dachten wir in letzter Zeit, er macht nur noch Schlagzeilen durch "Amal hier, Amal da"-Geschichten, sehen wir ihn nun mal ganz Amal-frei in einem Film, der ein bisschen an "Zurück in die Zukunft" oder "E.T." erinnert. Nur: Ist George Clooney eigentlich ein lustiger Schauspieler? Der Trailer verrät es uns nicht. Alles, was wir wissen, ist: Mit jeder Sekunde, die verstreicht, nähert sich die Zukunft ihrem Ende.Aha. Hat fast was Philosophisches, aber auch etwas Unausweichliches. Georgie-Boy wird allerdings schon wieder die Show gestohlen, von einem jungen Mädchen. Zusammen reisen sie nach Tomorrowland, einem Land, an dem sich die klügsten Menschen der Welt treffen. Nun gut, das Mädel wird eine Menge zu tun haben. Die Flucht in der Badewanne ist allerdings eine hübsche Szene. Warum der Film im Original "Tomorrowland" genannt wird und auf Deutsch "A World Beyond", erschließt sich dem geneigten Zuschauer eher nicht.

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Quelle: n-tv.de