Unterhaltung
Molly weiß, was sie sagen darf - und was nicht.
Molly weiß, was sie sagen darf - und was nicht.(Foto: dpa)
Donnerstag, 08. März 2018

Die will doch bloß spielen: Poker statt Paragrafen - "Molly's Game"

Molly Bloom war die Nummer 3 unter den nordamerikanischen Buckelpistenfahrerinnen. Ein Jurastudium versprach ein sorgloses Leben. Warum sie stattdessen eine weltweit exklusive Underground-Pokerrunde aufgebaut hat, ist eine extrem spannende Geschichte.

"Molly's Game" erzählt die unglaubliche, wahre Geschichte von Molly Bloom (Jessica Chastain), einer ehemaligen olympischen Skifahrerin, die über zehn Jahre hinweg den exklusivsten geheimen Poker-Ring der Welt betrieben hat. Als sie eines Nachts von schwer bewaffneten FBI-Agenten festgenommen wird, bedeutet es das Ende ihrer kriminellen Karriere. Zu ihren Poker-Gästen gehörten Hollywood-Stars, Sportgrößen, erfolgreiche Wirtschaftsbosse und zuletzt auch - von ihr angeblich unbemerkt - die russische Mafia. Nach ihrer Verhaftung wird Rechtsanwalt Charlie Jaffey (Idris Elba) zu ihrem engsten Verbündeten. Doch um Molly zu verteidigen, muss Jaffey hundertprozentig von ihrer Unschuld überzeugt sein: Wie viel wusste sie wirklich von illegalen Machenschaften hinter den Kulissen ihrer Pokernächte? Und warum besteht sie darauf, die Namen ihrer prominenten Kunden zu verschweigen? Welches Spiel spielt Molly Bloom wirklich?

Zunächst durch Bloom selbst in Form einer Biografie niedergeschrieben, wurde ihre Geschichte nun auch als starbesetzter Blockbuster umgesetzt. Welche Wendungen das Leben manchmal nehmen kann, zeigt das exzellent besetzte biografische Drama "Molly's Game - Alles auf eine Karte". Für ihre intensive Performance als Molly Bloom wurde Jessica Chastain für einen Golden Globe als "Beste Hauptdarstellerin" nominiert - dieser ging aber, wie der Oscar, an die Kollegin Frances McDormand ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"). An ihrer Seite glänzen der Golden-Globe-Preisträger Idris Elba und Oscar-Preisträger Kevin Costner.

Jessica Chastain - Spezialistin für eiskalte Engel?
Jessica Chastain - Spezialistin für eiskalte Engel?(Foto: Arthur Mola/Invision/AP/dpa)

Wir nehmen den Kinostart zum Anlass, einen Blick auf die Hintergründe zu werfen, stellen Molly Blooms Beweggründe vor und beleuchten die Entstehung von Buch und Film.

Vom außergewöhnlichen Leben zum Buch

Um etwas Großes zu erschaffen, ist es manchmal nötig, zunächst einen Schubs in die richtige Richtung zu bekommen. In diesem Fall war es das Aufeinandertreffen Blooms mit dem Autor und Produzenten Leopoldo Gout. Dieser ermutigte Bloom, ihre Geschichte aufzuschreiben und stellte ihr hierfür seinen Verleger vor. Wenig später im Jahr 2011 erhielt sie dann einen Buchvertrag.

Warum es noch ganze drei Jahre dauern sollte, bis Blooms Buch endlich erschien, hat einen sehr einfachen Grund: Molly Bloom wurde mitten in der Nacht von einer Einsatztruppe des FBI festgenommen. Der Titel ihrer Anklageschrift war eindeutig: "Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen Molly Bloom". Ein Moment, der auch im späteren Buch und im Film eine entscheidende Rolle spielt. Ihr wurde vorgeworfen, illegales Glückspiel zu betreiben und dabei Kontakte zur russischen Mafia zu unterhalten. Und trotzdem sagte Gout später über seine Bekanntschaft mit Bloom: "Sie war eine außergewöhnlich smarte Frau in einer Männerwelt und ich war sofort Feuer und Flamme." In einer Szene des späteren Films sieht man Mollys Anwalt Charlie Jaffey, gespielt von Idris Elba, wie er ein gedrucktes Exemplar des Buchs liest. In Wirklichkeit ging die Erstauflage jedoch erst in Druck, als die Verhandlung bereits abgeschlossen war.

Der Interessenkonflikt - "Ich kenne einige der Leute"

Als Blooms Buch endlich erschien, fiel es schließlich auch keinem Geringeren als Aaron Sorkin in die Hände, der sich mit dem Oscar-prämierten Drehbuch zu "The Social Network" (2010) und zahlreichen anderen hochgelobten Drehbüchern in Hollywoods Oberliga geschrieben hatte. Und auch wenn Sorkin von der Geschichte sofort angetan war, zögerte er zunächst noch, Bloom eine Zusammenarbeit anzubieten. Ein wesentliches Element der Handlung sind die prominenten Teilnehmer an Blooms Pokerpartien. Der besondere Clou ist, dass Bloom die Namen der Spieler bis auf wenige Ausnahmen nie genannt hat. Denn einige davon gehören zu den erfolgreichsten Hollywood-Darstellern überhaupt: Toby Maguire, Leonardo DiCaprio und Ben Affleck, um nur wenige zu nennen. Die Schilderungen im Buch hierzu sind für manche der Stars alles andere als vorteilhaft, gerade Toby Maguire kommt hier nicht gut weg. Ein Problem für Sorkin, der in seinem Metier auf ein gutes Verhältnis zu den Darstellern angewiesen ist. "Ich kenne einige der Leute, über die du geschrieben hast. Mit einigen habe ich gearbeitet, mit anderen würde ich gerne arbeiten," so Sorkin. "Mit einigen bin ich befreundet. Und ich werde unter keinen Umständen ein Drehbuch schreiben, das über diese oder andere Leute Klatschgeschichten erzählt." Dass Sorkin sich letztendlich doch dazu entschied, den Film zu drehen, ist nicht nur ein Glücksfall für Bloom, sondern auch für jeden Filmfan.

Zwischen den Zeilen - Was das Buch verschweigt

Nachdem die anfänglichen Zweifel beseitigt waren, arbeitete Sorkin mit vollem Eifer am Drehbuch. Besonders zogen ihn dabei diejenigen Elemente an, die im Buch selbst gar nicht vorkamen, jedoch unbedingt Teil der Handlung sein mussten. Neben der fehlenden Erwähnung der russischen Mafiosi, deren Teilnahme letztendlich überhaupt erst zu Blooms Verhaftung führte oder den ausgelassenen Drogenexzessen - niemand übersteht tagelange Pokerspiele und ist dabei nüchtern - ging es Sorkin vor allem um die bereits erwähnten weiteren Namen, die Bloom bewusst verschwiegen hatte. Und das, obwohl der gesunde Menschenverstand eigentlich das Gegenteil vorschreiben würde: Durch das Preisgeben der Namen hätte Bloom auf einen Schlag all die finanziellen Probleme, die sie durch den langwierigen Prozess bekommen hatte, beiseite wischen können. Ihr Grund, es trotzdem nicht zu tun, ist derselbe, aus dem Sorkin so von Bloom schwärmt: Durch eine Veröffentlichung der Identitäten der übrigen Teilnehmer würde sie deren Existenzen vernichten. Eine Bürde, die Bloom nicht verantworten kann. Sorkin sagte dazu: "Sie hatte das Glückslos gezogen. Sie hätte reich und berühmt werden können, indem sie die Wahrheit erzählt, aber sie hat das einfach nicht gemacht. Das bewundere ich sehr, und der Film bewundert das auch."

In diesem exzellent besetzten biografischen Drama rund um exklusive Pokerturniere überzeugen neben der packenden Story und dem glamourösen Setting auch der herausragende Cast: An der Seite von Jessica Chastain kommen Idris Elba und Kevin Costner zu vollem Glanz.

"Molly's Game - Alles auf eine Karte" startet am 8. März in den deutschen Kinos

Bilderserie

Quelle: n-tv.de