Kino

Häsemem? Topalino arrabiata? "Pussy-Terroristin" gegen "Die Minions"

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The Pussy-Terror goes on!

(Foto: imago/Lumma Foto)

Sie sind süß. Ein bisschen blöd vielleicht, aber liebenswert. Sie suchen jemanden, der sie anführt, denn sie langweilen sich sonst und wissen wenig mit sich anzufangen. Zum dritten Mal tauchen sie nun schon in unseren Kinosälen auf und lehren uns, dass sie bereits früher als die Menschheit da waren, dass sie sich aber gerne von dieser Menschheit adoptieren ließen, um zur Vollendung zu gelangen. Denn eines ist den Minions von Anfang an klar: Als chaotischer Haufen funktioniert eine Gesellschaft nicht. Man braucht jemanden, der einem Einzeller oder Einauge sagt, wo es langgeht.

Die Richtige für diesen Job scheint demnach Caroline Kebekus alias Scarlet Overkill zu sein, eine der schurkigsten Schurkinnen, die sich die drei kleinen Freunde Bob, Stuart und Kevin vorstellen können. Sie brechen auf aus ihrer verschnarchten Höhle in Richtung New York, wir schreiben das Jahr 1968 und folgen ihnen bis nach Florida, wohin sie sich auf einen Fach-Kongress für Bösewichter durchschlagen und endlich ihrer Meisterin begegnen. Wir begegnen der Meisterin in Berlin.

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Die böse Frau sieht eigentlich ganz freundlich aus.

(Foto: imago/APress)

n-tv.de: Ganz schön viel Action momentan, oder?

Caroline Kebekus: Ach nee, ich bin so stolz darauf, dass ich gefragt wurde, ob ich die Rolle spreche, dass ich das alles gerne mache.

Die böse Rüpelkabarettistin, die normalerweise Angst und Schrecken und Pussy-Terror im Fernsehen verbreitet, jetzt in der Sprechrolle einer anderen Pussy-Terroristin: Lebt es sich gut mit dem Stempel?

(lacht) Weiß gar nicht, ob der Stempel so doll ist. Aber ich find's gut. Und die Leute wollen eine Schublade haben, in die sie einen reinpacken können.

Und dann lieber die als "das süße Ding aus der Vorabendserie".

1000 Mal lieber, ja!

Der Film ist wirklich herrlich, man geht ganz fröhlich aus dem Kino.

Ja, oder? Der macht dermaßen gute Laune! Ich bin ja heute den ganzen Tag mit den Minions unterwegs gewesen. Ok, das ist jetzt auch irgendwie blöd, in den Figuren stecken immerhin echte Menschen und für die war sicher total anstrengend und total unterbezahlt waren die sicher auch, aber es hat so einen Spaß gemacht. Das ist absolut nicht PC. Aber zurück zu meiner Rolle: Die ist so dankbar, die hat so viele Facetten! Die ist böse, die ist fies, aber auch dann wieder fies-freundlich, mit ihrem Mann ist sie ganz verliebt, super.

Im Original wird Scarlet Overkill von Sandra Bullock gesprochen.

Ja, die mag ich sehr, aber die sprech' ich gar nicht! Ich sprech' da schon diese animierte Figur. Und tatsächlich wird großer Wert auf die Sprache gelegt bei so einer Synchronisation, das ist gut. Das ist schließlich ein Kinderfilm.

Aber auch für Erwachsene.

Ja, das ist das Gute, dass das für alle funktioniert. Man kann eh nicht viel am Text machen, aber mit der Stimmlichkeit, mit der Farbe, wie viel Atem, wie viel Aggression, wie viel Lautstärke, ach, das macht so unglaublich viel Spaß.

Ist das Ihre erste Synchron-Arbeit?

Nee, aber das hier ist die größte, tollste Rolle bisher.

Und welcher der drei Eierköpfe ist Ihr kleiner Liebling?

Bob. Der mit dem kleinen Teddybär! (lacht) Ich bin ganz verliebt in den Film und die Ideen, die da drin stecken. Zum Beispiel die Bösewichtsmesse - herrlich.

Mir hat jemand gesagt: "Ach, die Minions, die versteht man ja gar nicht." Aber ich finde, man versteht die total gut.

Ja, voll! Die reden zwar alle Sprachen, die es gibt, aber man versteht die richtig gut! Meine Lieblingsszene ist die, wo der Bob seine mechanische Hand kriegt (gestikuliert) und ruft: "Escalite, escalite, machina kaputt" (lacht). Okay, es gibt auch Passagen, wo man kein Wort versteht, aber das ist trotzdem lustig und man weiß, was sie sagen wollen.

Muss man jetzt mit einem Latzhosen-Revival rechnen?

Ach, das gibt's doch eh, Latzhosen sind schon wieder am Start. Must-Have für den Sommer, dachte ich. (überlegt) Das ist jetzt das erste Mode-Revival, das ich schon mal voll miterlebt habe. Ich habe bereits Latzhosen getragen, ja. Und jetzt wieder, na ich weiß nicht. Aber das bedeutet wohl, dass man (zögert) 35 ist (lacht).

Wenn man Sie in Ihrem Programm sieht, dann sind Sie schlagfertig, witzig, böse - wie spiegelt sich das im Alltag wider? 

Naja, ich bin schon sehr albern. Also, wenn ich irgendwo bin, dann merkt man gleich, dass ich da bin (lacht verlegen). Ich bin nicht wirklich zurückhaltend. Allerdings ist es so: je bekannter ich werde, desto kleiner mach' ich mich ...

Dezenter ...

... ja, ich war neulich auf einer Hochzeit eingeladen, und da wollten alle Mädels zum Frisör, ne Maskenbildnerin, neue Kleider, und ich so: "Ach nee, muss das sein, wollen wir nicht einfach ganz natürlich, so wie immer, lass' doch alles selber machen, keine Maske, keine Haare, buääääh ... " (lacht) Dann wollten alle was vorführen, und ich: "Nee, bitte nix vorführen!" Also, ich könnte das schon genießen, wenn ich mal nicht so im Mittelspunkt stehe. Ich will gar nicht immer auffallen, aber ich bin schon ein Mensch, der leicht exibitionistisch ist. Je mehr ich das aber im Beruf mache, desto mehr nimmt das privat ab. Da bin ich gern die dritte Geige.

Haben Sie lieber den großen oder den kleineren Rahmen für Ihre Auftritte?

Früher wollte ich nie vor mehr als 500 Leuten auftreten, aber jetzt macht das schon auch Spaß, in großen Hallen. Die Spielfreude ist bei weniger Leuten manchmal größer, weil es direkter ist. Aber große Hallen sind auch geil, ein tolles Gefühl!  Im Zirkus Krone in München war es toll, 1800 Leute, wow, aber das ist so angeordnet, dass man jeden sieht. Ich finde es wird problematisch, wenn ich eine Leinwand brauche, damit man mich sieht.

Worüber würden Sie sich demnächst denn am liebsten das Maul zerreißen?

Ich denke, diese You-Tube-Phänomene. Die Kiddies lernen da anscheinend alles Mögliche, wie Schminktipps oder Frisuren. Aber wo ich aussteige, ist, wenn die einfach nur Werbung machen für Drogeriegeschichten.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Die ist gerade auf Tour, oder? (lacht) .... Also, wir sind uns nicht begegnet, wenn Sie das meinen, nachdem ich ihren Song gesungen habe (lacht). Und wenn, dann ist das auch nicht so schlimm, denke ich. Eine Parodie ist doch eine Adelung.

Es gab zumindest noch niemanden, der die Helene so schön nachgemacht hat.

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Hat keine Probleme damit, wenn ihr Heiligenschein mal verrutscht: Caroline Kebekus.

(Foto: imago stock&people)

Ja, aber ich wusste auch nicht, dass das so eine Art Gotteslästerung ist. Die spielt doch jeden Abend vor Tausenden von Leuten, das stört die nicht, wenn ich da mal kurz singe.

Haben Sie Lust auf eine andere Rolle im Kino oder Fernsehen? Oder Werbung?

Werbung geht fast gar nicht. Wofür sollte ich werben? Schweren Alkohol oder so? (lacht). Rollenanfragen gibt's aber, ja (lächelt).

Wann sehen wir Sie live?

Nächstes Jahr geht's wieder durch große Hallen. Und davor tingele ich ein bisschen durch die Gegend. Und Pussy-Terror gibt's auch bald wieder, ab September.

Was wünschen Sie sich?

Dass es weiter so geht auf der Bühne. Es gibt nichts Geileres, als wenn die Leute lustig finden, was ich erzähle.

Wie ist es denn für Frauen im Comedy-Gewerbe heutzutage?

Ich glaube, dass man den Einstieg als Frau leichter hat. Man hat weniger Konkurrenz. Aber ich hab' schon oft gehört: "Tut uns leid, wir haben hier schon eine Frau im Cast."

Aber auch sieben Männer ...

Genau! Aber da brauchen die dann zum Ausgleich eher noch eine Ziege und ein Pferd als noch eine weitere Frau. (lacht) Aber man sollte seinen Mädchenbonus schon auch ausnutzen, finde ich. Und es werden immer mehr Frauen, das ist eine gute Entwicklung.

Haben Sie ein Vorbild?

Ja, Anke (Engelke) natürlich, die hat Türen geöffnet, von denen wusste man gar nicht, dass es die gibt. Und in Amerika gibt es jetzt ziemlich harte Frauen, Sarah Silverman oder Amy Schumer. Da ist es aber auch durchaus üblich, dass man erstmal Witze über Schwanzlutschen macht, um warm zu werden und dann etwas hintergründiger wird (lacht).

Für oder gegen Frauenquote?

Schwere Frage. Aber tatsächlich gibt es noch eine Chancenungleichheit. Und für Frauen ist es schwerer, Karriere zu machen und gleichzeitig Mutter zu sein, ich denke, das ist nach wie vor so. Ob eine Quote da hilft weiß ich nicht. Aber familienfreundliche Arbeitszeiten zu schaffen, das wäre doch schonmal was!

Mit Caroline Kebekus sprach Sabine Oelmann

"Minions" (2D und 3D) startet am 2. Juli in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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