Kino

Trickbetrüger-Thriller "Focus" Will Smith verführt als Taschendieb

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Jess (r.) ist beeindruckt von Nickys diebischen Tricks.

(Foto: Warner Bros.)

Will Smith raubte als "Prinz von Bel-Air" seiner Familie den letzten Nerv und jagte als "Man in Black" Aliens. Aber wie überzeugend ist er als simpler Dieb? Mit kleinen Tricks beeindruckt sein Charakter Nicky die schöne Jess - den Zuschauer beeindruckt er nicht.

Wir lassen uns nur allzu gern betrügen. Es gibt im Kino kaum etwas Tolleres, als wenn am Ende eines Thrillers um charmante Gauner die große Auflösung gleichermaßen überzeugend und unvorhergesehen ist. Die besten Trickbetrüger sind immer auch Zauberkünstler – ein Umstand, der sie von gemeinen Kriminellen in den Status von Kinohelden erhebt. Nicht umsonst wurden einige der gerissensten Leinwand-Schlitzohren von Herzensbrechern wie Robert Redford und Paul Newman ("Der Clou"), George Clooney und Brad Pitt ("Ocean's Eleven") oder zuletzt auch Mark Ruffalo ("Die Unfassbaren - Now You See Me") verkörpert. Für die Hauptrolle im Trickbetrüger-Thriller "Focus" waren denn auch Pitt und Ben Affleck im Gespräch. Bekommen hat den Zuschlag schließlich Will Smith.

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Die Kleinkriminelle Jess (Margot Robbie) gerät in New York zufällig an Altmeister Nicky Spurgeon (Will Smith). Die junge Frau ist fasziniert von dem Meisterdieb und folgt ihm nach New Orleans. In präzise geplanten Aktionen erleichtert Nickys Crew dort Touristen um deren Wertsachen. Rasch erweist sich die ebenso schöne wie fingerfertige Jess als großes Talent, dem Nicky auch privat nicht widerstehen kann.

Wenn Ryan, Brad und Ben nicht wollen

Drei Jahre später plant der Hochstapler in Buenos Aires den Coup seines Lebens. Im Auftrag des Formel-1-Rennstallbesitzers Garriga (Rodrigo Santoro) soll er die Konkurrenz sabotieren. Leichtes Spiel für den Profi, würde nicht unerwartet Jess als Freundin Garrigas auftauchen. Nicky scheint aus der Bahn geworfen, hat er Jess doch damals Knall auf Fall in New Orleans sitzen gelassen. Dann aber erweist sich seine zur gewieften Diebin herangereifte Ex als der entscheidende Trumpf in einem abgekarteten Spiel.

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Die Kleinkriminelle Jess (l.) sucht sich in Trickdieb Nicky ein Vorbild.

(Foto: Warner Bros.)

Das Regie- und Autorenduo Glenn Ficarra und John Requa hatte die Geschichte eigentlich für seine "Crazy Stupid Love"-Darsteller Ryan Gosling und Emma Stone vorgesehen. Als die nicht konnten, wurden Brad Pitt und Ben Affleck umworben. Letzterer schien auch schon an Bord zu sein, bis Terminprobleme dazwischenkamen. Als dann Will Smith als Afflecks Nachfolger gehandelt wurde, sprang wiederum Leading Lady Kristen Stewart ab. Der 24-Jährigen war der Altersunterschied zum 46 Jahre alten Smith zu groß.

Die Macher teilten Stewarts Bedenken offensichtlich nicht. Sie ersetzten die "Twilight"-Darstellerin, die derzeit im Alzheimerdrama "Still Alice" mit Oscar-Preisträgerin Julianne Moore zu sehen ist, durch die gleichaltrige Newcomerin Margot Robbie. Die Australierin hatte mit ihrem Durchbruch in "The Wolf of Wall Street" bewiesen, dass sie Glamour und Drama bestens zu kombinieren versteht und neben einem großen Hollywood-Namen zu bestehen vermag.

Discounter-Diebe

Leider besaß Stewart den richtigen Riecher: Es wird nie so ganz klar, was eine umwerfend schöne Frau Anfang 20 an einem doppelt so alten Taschendieb derart unwiderstehlich findet. Zwar geben sich die Macher alle Mühe, das Stehlen von Geldbörsen, Armbanduhren und Kreditkarten als Ehrfurcht einflößendes Kunsthandwerk erscheinen zu lassen. Bei aller Achtung vor der Unverfrorenheit der Beteiligten wird hier doch aber nur das "Masse statt Klasse"-Treiben gemeiner Kleinkrimineller geadelt. Angesichts der jüngsten Berliner Kriminalstatistik, die über 50 Prozent mehr Taschendiebstähle auch dank durchreisender Diebe verzeichnet, mag sich der gewünschte Hollywood-Glamour nicht so recht durchsetzen.

Ein Schauspieler mit Charme und Würde hätte aus diesen ungünstigen Voraussetzungen vielleicht noch einen interessanten Anti-Helden machen können. In dieser Liga spielt Smith zumindest hier leider nicht. Auch mangelt es trotz seiner zwanghaft entblößten Brust an erotischer Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Smith wirkt seltsam fahl, in dramatischen Szenen geradezu apathisch. In Verbindung mit der tendenziell stoischen Kristen Stewart hätte das in unfreiwilliger Komik enden können. Zum Glück hat Margot Robbie Charisma genug, um Smith am Ende buchstäblich über die Ziellinie zu zerren. Die Schau hat sie ihm da schon längst gestohlen.

"Focus" startet am 5. März in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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